Umfassende Betreuung

Wie Patienten auf der Palliativstation in Agatharied behandelt werden

Wissen um den Wert der fachübergreifenden Behandlung von Palliativ-Patienten: Chefarzt Joachim Groh (2.v.l.) und Oberärztin Ines Groh (M.) von der Palliativstation des Krankenhauses Agatharied sowie (v.l.) Musiktherapeutin Masumi Shiokawa, Chefarzt Michael Landgrebe und Oberärztin Monika Singer von der kbo-Lech-Mangfall-Klinik.
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Wissen um den Wert der fachübergreifenden Behandlung von Palliativ-Patienten: Chefarzt Joachim Groh (2.v.l.) und Oberärztin Ines Groh (M.) von der Palliativstation des Krankenhauses Agatharied sowie (v.l.) Musiktherapeutin Masumi Shiokawa, Chefarzt Michael Landgrebe und Oberärztin Monika Singer von der kbo-Lech-Mangfall-Klinik.

Hausham – Psychoonkologie und Musiktherapie dienen der umfassenden Betreuung auf der Palliativstation der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied.

Als vor über 50 Jahren Cicely Saunders den Palliativ- und Hospizgedanken wieder neu in die Welt trug, waren die Begriffe Palliativ und Hospiz für viele gleichbedeutend mit der letzten Station. „Inzwischen hat sich dies grundlegend geändert“, wie die kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied klar macht. So werden Patienten heutzutage immer früher im Verlauf einer nicht heilbaren Erkrankung auf die Palliativstation aufgenommen. Sieben von zehn dieser Patienten werden in stabilisiertem Zustand wieder entlassen – unabhängig von der Diagnose und auch unabhängig davon, ob Operationen, Chemo- oder Strahlentherapien stattfanden.

Diese Patienten leiden nicht nur unter akuten körperlichen Symptomen wie Atemnot, Verstopfung, Erbrechen, Schmerzen oder extremer Müdigkeit, sondern auch unter seelischen Beschwerden in Form von psychosozialen Krisensituationen, familiären Sorgen, Glaubenskrisen oder nächtlichen Panikattacken. „Deshalb“, erklärt Barbara Falkenberg von der kbo-Lech-Mangfall-Klinik GmbH, „muss für die Betreuung und Behandlung von Patienten auf einer Palliativstation immer ein interdisziplinäres Team zur Verfügung stehen.“ So gehören zum Team der Palliativstation des Kreiskrankenhauses Agatharied neben Ärzten, Pflegern, Seelsorgern, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Ernährungsberatern und Sozialpädagogen auch ehrenamtliche Hospizbegleiter sowie Psychoonkologen und Musiktherapeuten. Wöchentlich finden gemeinsame Visiten mit Ärzten der inneren Medizin statt. Konsiliarisch sind alle medizinischen Fachrichtungen des Hauses eng miteinander verbunden.

Neben der medizinischen Versorgung sind Beratungen und Gespräche – auf Wunsch mit den Angehörigen – unabdingbar, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen und eine möglichst hohe Lebensqualität trotz der schweren Erkrankung zu erhalten oder diese sogar zu verbessern.

Psychoonkologen und Musiktherapeuten der kbo-Lech-Mangfall-Klinik betreuen Palliativ­patienten, weil „die Psychoonkologie und die Musiktherapie andere Zugangswege zu Menschen in Krisensituationen eröffnen, als es beispielsweise die Pflege oder Krankengymnastik tun“, wie Monika Singer, Oberärztin in der kbo-Klinik, erläutert. „Für uns steht nicht das jeweilige körperliche Symptom im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern Ängste und Wünsche der Menschen, so zum Beispiel auch die Sorge, die Familie zu belasten oder die neue soziale Einsamkeit.“

Wenn sich eine Psychoonkologin ans Bett eines Schwerstkranken setzt und mit ihm spricht, „entsteht oft durch bestimmte Fragen Raum für neue Sichtweisen, für neue Lösungsansätze oder sie dienen zunächst der seelischen Entlastung“, sagt Singer. Durch nachfolgende Gespräche ließen sich Ideen weiter entwickeln und neu aufgetauchte Probleme besprechen. „Bei entsprechendem Wunsch wird auch die Familie zum gemeinsamen Gespräch hinzugezogen.“ Diese Möglichkeit der Begleitung von Palliativpatienten und deren Angehörigen durch eine Psychoonkologin sei zu der bisher hauptsächlich körperlich ausgerichteten Medizin eine wichtige Ergänzung in der Behandlung.

Wie die Psychoonkologie leistet auch die begleitende Musiktherapie einen wertvollen Beitrag. „Sie fördert die Kreativität, aktiviert Ressourcen und richtet sich nach den Wünschen der Patienten und deren momentanen Bedürfnissen“, erklärt Masumi Shio­kawa, Musiktherapeutin an der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied. „Indem ich in der sogenannten Rezeptivmusiktherapie Töne auf dem Monochord oder einer Klangschale spiele oder improvisiere, können diese besonderen Klangschwingungen die Kranken entspannen oder zuweilen auch stimulieren und die Wahrnehmung von Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken fördern.“ Wenn Shiokawa gemeinsam mit den Patienten deren Wunschlieder anstimmt, spenden die wach werdenden, positiven Erinnerungen häufig Kraft und Hoffnung. „Gemeinsames Musizieren auf leicht spielbaren Instrumenten ermöglicht den Patienten, sich selbst Resonanz zu geben und zu erleben. Emotionen können mit Musik wortlos ausgedrückt werden“, erklärt die Therapeutin. „Musik geht auf die jeweiligen seelischen Zustände, Stimmungen und auch den aktuellen Kräftehaushalt ein und spendet Trost, was durch Gespräche in dieser Tiefe manchmal nicht erreichbar wäre.“

Für Ines Groh, Oberärztin der Palliativstation im Krankenhaus Agatharied, steht fest: „Durch die Einbeziehung von Psychoonkologie und Musiktherapie wird es erst möglich, Palliativpatienten in ihrer Gesamtheit über das rein Körperliche hinaus zu begleiten und zu stärken. Wir freuen uns sehr über diese gelungene Kooperation mit der kbo-Lech-Mangfall-Klinik.“ Ihr Kollege Michael Landgrebe, Chef­arzt der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied, ergänzt: „Durch die enge Kooperation mit dem Krankenhaus Agatharied kommen wir dem Ziel einer umfassenden Betreuung von Palliativpatienten bedeutend näher.“ ft

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