Der Sir von Hausham

Er puzzelt für die Oldtimerfreunde Miesbach eine Rarität zusammen

In seiner Moped-Werkstatt ist René Steinbrecher in seinem Element. Geht nicht, gibt’s nicht, lautet sein Motto – und so baut er in unzähligen Stunden aus Einzelteilen eine NSU Quickly zusammen.
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In seiner Moped-Werkstatt ist René Steinbrecher in seinem Element. Geht nicht, gibt’s nicht, lautet sein Motto – und so baut er in unzähligen Stunden aus Einzelteilen eine NSU Quickly zusammen.

Hausham – René Steinbrecher setzt zahlreiche Einzelteile zusammen, die am Ende eine NSU Quickly für die Oldtimerfreunde Miesbach ergeben sollen.

Seit einigen Wochen sortiert René Steinbrecher (37) Kisten mit Moped-Einzelteilen. Wenn der passionierte Schrauber alle Puzzleteile richtig zusammengesetzt hat, wird eine der legendären NSU Quickly aus seiner Garage in Hausham rollen. Das Fahrrad mit Hilfsmotor, wie es in den Papieren offiziell beschrieben ist, war eine Spende an die Oldtimerfreunde Miesbach. Eigentlich hätte es ein Projekt für die Jugend des Vereins werden sollen – Corona machte dem aber einen Strich durch die Rechnung.

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Wie Erhard Pohl, Vorsitzender der Oldtimerfreunde Miesbach, berichtet, bekommt der Verein immer wieder einmal das eine oder andere historische Gerät oder Teil geschenkt. „Bei der Quickly handelte es sich um ein komplettes Fahrzeug, das uns ein Gönner aus Zorneding zukommen ließ“, sagt Pohl und nennt gleich noch weitere Details zu dem Hühnerschrecker aus Neckarsulm: „Baujahr 1957, 1,4 PS, 49 Kubikzentimeter Hub­raum und 40 km/h schnell. Der Pferdefuß war, dass die Quickly komplett in Einzelteile zerlegt war.“ Der Wiederaufbau wäre, wie Pohl plant, ein ideales Projekt für die Schrauberjugend des Vereins gewesen. Wegen Corona kam alles anders und die Kisten landeten schließlich in René Steinbrechers kleinem Schrauberparadies an der Brentenstraße.

Dort sortiert nun der gebürtige und waschechte Rüganer, der eigentlich Spezialist für Ost-Mopeds der Marke Simson ist, alleine und mit stoischer Ruhe Teil für Teil. Inzwischen hat die Quickly schon Gestalt angenommen und einige Teile rund um den Rahmen sind bereits zusammengebaut. Dabei versucht Steinbrecher möglichst viel von der Patina des in Würden gealterten Zweirades zu erhalten. „Bis jetzt habe ich alles gefunden, nur die Hinterradachse fehlt mir gerade zum Weitermachen“, meint Steinbrecher kürzlich gut gelaunt bei einer Stippvisite in seiner Werkstatt. Aber auch dafür wird er eine Lösung finden, wäre ja nicht das erste Mal. Schließlich lautet sein Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Mit Corona habe er dabei übrigens kein Problem. „So habe ich wenigstens meine Ruhe“, meint er mit einem Augenzwinkern.

Vorgestellt wurde die NSU Quickly im Jahr 1953. Und mit zirka 1,5 Millionen verkauften Exemplaren in verschiedenen Ausführungen wurde sie zu einem der erfolgreichsten Mopeds weltweit. Über die Jahre landeten die meisten auf dem Schrottplatz. Aufsehen erregte eine Quickly nochmals Mitte der 1980er Jahre, als Ottfried Fischer in der BR-Kult­serie „Irgendwie und sowieso“ als Jungbauer Alfons Kerschbaumer auf einem L-Modell des Mopeds über die Flimmerkiste knatterte und wegen seiner Leidenschaft für das Gefährt „Sir Quickly“ genannt wurde. Diesen Sommer, so schätzt Pohl, wird Steinbrecher nach ungezählten Bastelstunden die erste Ausfahrt mit dem legendären Moped unternehmen. Für die Rettung dieses technischen Kulturgutes ist danach die Adelung Steinbrechers durch die Oldtimerfreunde zum Haushamer „Sir Quickly“ nicht ausgeschlossen. hac

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