Warum Vorsorge wichtig ist

Das raten die Experten des Darmkrebs-Zentrums im Krankenhaus Agatharied

PD Dr. Peter Klare (v.l.), Prof. Dr. Hans Martin Schardey und Koordinator Dr. Thomas von Ahnen vom Krankenhaus Agatharied informieren, warum Darmkrebsvorsorge so wichtig ist.
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PD Dr. Peter Klare (v.l.), Prof. Dr. Hans Martin Schardey und Koordinator Dr. Thomas von Ahnen vom Krankenhaus Agatharied informieren, warum Darmkrebsvorsorge so wichtig ist.

Hausham – Warum Vorsorge wichtig ist, erklären die Experten des Darmkrebs-Zentrums im Krankenhaus Agatharied im Gespräch.

In diesem Jahr hat sich durch die Corona-Pandemie einiges verändert. Die Krankenhäuser in Deutschland waren aufgrund des Infektionsschutzgesetzes aufgefordert, Betten und Intensivkapazität für SARS-Cov-2-Patienten freizuhalten. Zusätzlich wurde der Bewegungsradius vieler Menschen deutlich eingeschränkt. Dadurch sind einige Themen wie die Krebsvorsorge in den Hintergrund gerückt. Der Leiter des zertifizierten Darmkrebs-Zentrums im Krankenhaus Agatharied, Hans Martin Schardey, der stellvertretende Leiter Peter Klare und Koordinator Thomas von Ahnen beantworten die Frage, warum Vorsorge dennoch wichtig ist.

Wie kommt es zu Darmkrebs?

Schardey: Als Darmkrebs wird ein bösartiger Tumor im Dickdarm oder Mastdarm bezeichnet. Es handelt sich um eine der häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Bei Männern stellt Darmkrebs die zweithäufigste, bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung dar. Im Jahresdurchschnitt erkranken in der Bundesrepublik zirka 70.000 Menschen neu an Darmkrebs. Für jeden einzelnen Bürger beträgt das Risiko, im Laufe eines Lebens an Darmkrebs zu erkranken, mehr als fünf Prozent.

Klare: Zirka 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen primär aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Diese Entartung vom Darmpolyp zum Krebs kann rund zehn Jahre dauern. Die Entwicklung wird als Adenom-Karzinom-Sequenz bezeichnet. Ursache dafür sind aufeinander folgende Fehler bei der Zellteilung an den Schleimhautzellen der Darmwand. Dadurch kommt es zu einem Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen. Die Krebszellen wachsen dadurch unkontrolliert und breiten sich immer weiter aus.

Welche Symptome verursacht Darmkrebs?

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von Ahnen: Karzinome im Darm wachsen normalerweise nicht von heute auf morgen, sondern ganz langsam über Monate beziehungsweise Jahre. Meist spürt man davon wenig bis gar nichts – und das ist leider sehr trügerisch. Manchmal sendet der Körper jedoch einige Warnzeichen beziehungsweise unspezifische Symptome, auf die man achten sollte. Diese können auf einen Tumor im Darm hinweisen: Blut im oder am Stuhl, das ihn rot oder schwarz färbt, bei Abgang von Blähungen mit etwas Blut, Schleim oder Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, bleistiftdünner Stuhl oder Wechsel von Verstopfung zu Durchfall und umgekehrt, krampfartige Bauchschmerzen, die länger als eine Woche anhalten ohne Hinweise auf eine andere Ursache sowie Symptome einer katabolen Stoffwechselerkrankung wie Blässe, ständige Müdigkeit, Abgeschlagenheit, geringere Belastbarkeit und Gewichtsabnahme. Diese Symptome werden als B-Symptomatik zusammengefasst.

Warum sollte man zur Vorsorge gehen?

Schardey: Da Tumorerkrankungen sehr unspezifisch sind und man lange Zeit von einem Tumor nichts merkt, gibt es in Deutschland ein Programm der Früherkennung beziehungsweise Vorsorge. Dieses richtet sich nach dem Alter und dem individuellen Erkrankungsrisiko.

Klare: General gilt, dass jeder Bürger ab dem 50. Lebensjahr die Möglichkeit hat, eine Vorsorgekoloskopie wahrzunehmen. Bei familiärer Vorbelastung ist allerdings in vielen Fällen ein früherer Zeitraum sinnvoll. Jeder Patient sollte seinen Hausarzt ansprechen und mit diesem zusammen den richtigen Zeitpunkt für die Vorsorge festlegen.

Wie sieht die aktuelle Therapie bei Darmkrebs aus?

von Ahnen: Die Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Dafür ist es wichtig, möglichst viel über den Tumor in Erfahrung zu bringen. Deshalb wird, wenn die Diagnose gesichert ist, eine Reihe von weiteren Untersuchungen eingeleitet. Mit diesen wird die Größe des Tumors und die mögliche Streuung von Tumorgewebe geprüft.

Schardey: Anschließend wird jeder Fall in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Die individuelle Therapie richtet sich nach dem jeweiligen Tumorstadium und umfasst in frühen Stadien die endoskopische Abtragung, für größere Tumoren die chirurgische, onkologische Resektion, Chemotherapie und/oder Strahlentherapie.

Wie ist die Prognose?

Klare: Bei Darmkrebs handelt es sich um eine sehr häufige Tumorerkrankung, die leicht erkannt werden kann. Jeder kann betroffen sein. Es ist außerdem ganz wichtig zu verstehen, dass je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser ist auch der Heilungserfolg. Im Idealfall können die noch gutartigen Vorstufen bereits in der Praxis und sogar die ganz kleinen Darmkrebstumore im Krankenhaus endoskopisch beseitigt werden. Eine Vorsorgeuntersuchung mittels Koloskopie stellt dafür die Schlüsselfunktion dar. Jeder Bürger sollte dies mit seinem Hausarzt ausführlich besprechen.

ksl

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