Haushamer Marco Privitera mit Bayerischer Rettungsmedaille ausgezeichnet

Der Held von nebenan

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Bei der Verleihung der Bayerischen Rettungsmedaille in der Münchner Residenz: der Haushamer Marco Privitera und Ministerpräsident Horst Seehofer.

Hausham – Der Haushamer Marco Privitera hat in München eine Frau davon abgehalten, sich selbst anzuzünden. Dafür wurde ihm in der Münchner Residenz von Ministerpräsident Horst Seehofer die Bayerische Rettungsmedaille verliehen.

Klassische Superhelden aus Film und Fernsehen sind in ihrem Alltagsleben ganz normale Typen von nebenan. Ist aber Not am Mann, werfen sie sich ihr Cape um und retten Menschen in Not. Um auch in der Realität solche Taten zu vollbringen, braucht es zwar keine Superkräfte, dafür aber umso mehr Mut. Den hat jüngst der Haushamer Marco Privitera bewiesen. Dafür wurde ihm am Freitag vergangener Woche die Bayerische Rettungsmedaille in der Münchner Residenz verliehen.

Dieses Schreckensszenario hätte wohl viele überfordert: Am Münchner Hauptbahnhof kippte eine Frau zehn Liter Benzin auf den Gehweg um sich herum und schließlich über sich – und zückte ein Streichholz. Geistesgegenwärtig zog der 22-jährige Haushamer sie von der Benzinlache weg und hielt sie solange fest, bis Hilfe kam.

Eigentlich war Privitera nur kurz am Hauptbahnhof, um Mittag zu essen. Auf der Bayerstraße fiel ihm eine Frau auf, die hektisch auf und ab ging. „Da habe ich mir aber noch nichts dabei gedacht“, erzählte er. „Auf einmal hatte sie einen Benzinkanister.“ Zuerst war sich Privitera sicher, dass dieser lediglich Wasser enthält. Das änderte sich schlagartig: „Auf einmal fing sie an zu schreien und hat den Kanister aufgeschraubt.“ Die Frau hatte begonnen, die Flüssigkeit um sich herum zu verteilen. Privitera näherte sich ihr: „Ich wollte einfach nachschauen, was sie vorhat. Ich bin also hin und hab an der Flüssigkeit gerochen und wusste gleich: Das ist Benzin“, schilderte Privitera. Dann der Schreckensmoment: „Plötzlich hat sie es über sich drüber geschüttet, hat dann den Kanister fallen lassen und in ihre Hosentasche gelangt.“ Dem Haushamer gelang es, die Frau zu überwältigen. „Dann hab ich mich so lange auf sie draufgehockt, bis die Polizei gekommen ist“, sagte er.

Über die Nachricht seiner bevorstehenden Auszeichnung durch Ministerpräsident Horst Seehofer war Privitera zunächst erstaunt: „Ich hab erstmal drüber gelacht. Für mich ist es immer noch klar, das man sowas macht. Ich musste mich erstmal informieren, was ich da überhaupt bekomme“, gab er schmunzelnd zu.

Tipps für solche Ausnahmesituationen hat der Retter allerdings nicht: „Man kann sich auf sowas nicht einstellen. Im Nachhinein: Wenn sie das geschafft hätte... Ich bin selbst bei der Feuerwehr, ich weiß, was zehn Liter Benzin für einen Feuerball geben, wenn sie verpuffen. Wahrscheinlich hilft man eher, wenn man spontan handelt.“

Ärgerlich wird er nur, wenn er an die vielen Passanten denkt, die ihm nicht zu Hilfe gekommen sind. „Ich hab die Leute angeschrien und um Hilfe gerufen. Die haben einfach nicht reagiert“, sagte er. „Ich denke, das ist einfach München. Da kennt kaum einer seinen Nachbarn. Auf dem Land ist der Zusammenhalt vielleicht doch noch etwas größer“, hofft der Haushamer.   she

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