Mut zum Dialog

Hegeschau in Miesbach bietet Jägern, Förstern und Tierschützern ein Podium

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Martin Weinzierl moderierte den offiziellen Teil der Hegeschau. Vertreter von Jagd, Forst, Tierschutz und Politik waren sich einig, dass man nicht übereinander sondern miteinander reden soll und die Hegeschau dafür eine gute Möglichkeit ist.

Miesbach – Für die einen sind die für bayerische Landkreise vorgeschriebenen alljährlichen Hegeschauen gruselig, für die anderen sind die Trophäenschauen eine Pflicht und bei dem oder der anderen ist vielleicht auch ein bisschen Stolz mit dabei. So war es auch bei der diesjährigen Miesbacher Hegeschau im Waitzinger Keller. Die von den Mitgliedern der Kreisgruppe Miesbach vom Bayerischen Jagdverband organisierte Veranstaltung wollte aber mehr sein und bat deswegen Vertreter von Jagd, Forst, Tierschutz und Politik ans Rednerpult. Trotz teils konträrer Meinungen waren sich alle einig: „Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben.“ Einzig der aus Hamburg angereiste Gastredner Freiherr Hilmar von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung hieb richtig kräftig auf die Bayerische Staatsregierung ein. Sozusagen als Empfangskomitee waren Tierschützer vor dem Waitzinger Keller zu einer Mahnwache aufgezogen.

Eine Mahnwache der Tierschützer stand am Eingang zum Waitzinger Keller für die Besucher der diesjährigen Hegeschau Spalier.

Martin Weinzierl, Vorsitzender der Jäger der Kreisgruppe Miesbach, schlug bei seiner Begrüßung moderate Töne an und sagte, dass diese Veranstaltung ein Zusammentreffen von allen Beteiligten sein soll, die die Jagd „auf Wald und Flur“ betreffen. Auf das Dilemma, in dem die Jagd in den Augen der Jäger und Naturschützer steckt, wies Landrat Wolfgang Rzehak hin. „Es ist nun mal so, dass im bayerischen Jagdgesetz der Grundsatz ,Wald vor Wild‘ gilt. Dem ist die Jagd verpflichtet.“ Wie er sagte, sei es immer schwierig, Natur-, Tier- und Waldschutz unter einen Hut zu bringen. Deswegen sollte das Verbindende und nicht das Trennende im Vordergrund stehen: „Wir meinen es doch alle gut, auch wenn wir über den Weg streiten.“ Als Hausherrin wies Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz darauf hin, dass nicht allein das Wild Schaden in den Wäldern anrichtet: „Wenn im Wald mit schweren Geräten gearbeitet wird, geht auch das ein oder andere kaputt, an dem nicht das Wild schuld ist. Ein weiteres Problem ist die Freizeitvermarktung der Natur. Viele Mountainbiker scheren sich wenig um Ruhezonen, und dass man nicht in ungemähte Wiesen geht, scheinen auch viele Leute nicht mehr zu wissen. Da müssen wir besser aufklären.“ Ähnlich äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU), der Politik und Betroffene in der Informationspflicht sieht: „Immer mehr Menschen meinen, sie müssen in Volksbegehren über Dinge entscheiden, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben und die sie auch nicht umsetzen müssen. Dies gilt auch in Sachen Natur- und Umweltschutz mit dem Ziel, einen Freizeitbereich zu erhalten, wie er am Wochenende gerne vorgefunden werden soll. Wir haben aber im Oberland viele Familien, die seit Generationen als Jäger, Bauer oder Forstwirt Wald und Wild, Heimat und Natur erhalten und die wissen, wie man damit richtig und sorgsam umgeht.“

Von einem jagdlich schwierigen Jahr berichtete Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter der Staatsforsten in Schliersee. Schuld daran waren die ausgeprägte lange Trockenheit und der Wintereinbruch. Wie Meyer sagte, habe gerade der Katastrophenwinter gezeigt, wie wichtig der Schutzwald sei, dank dessen Lawinenabgänge glimpflicher ausgingen. Allerdings hat der Wald auch sehr gelitten, weshalb jetzt ein Schulterschluss zwischen Jägern und Förstern notwendig sei.

Demgegenüber forderte Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein Tegernseer Tal kürzere Jagdzeiten, ein Verbot von Drückjagden, Wildtierschutzzonen und verteilte Wildtierfütterungen. Ihr Appell an die Jäger: „Die Tiere sind Ihnen letztlich ausgeliefert. Gehen Sie gut mit ihnen um.“ Der Umstand, dass sie als Vertreterin des Tierschutzes bei der Hegeschau zu Wort kam, werte sie aber als gutes Zeichen und bekam dafür auch Applaus.

„Bayern fährt die wildfeindlichste Politik ganz Deutschlands“, warf Hauptredner Hilmar von Münchhausen den anwesenden Vertretern von Politik und Staatsforsten vor. In seinem Referat prangerte er einen „Vernichtungsfeldzug und Totschießpolitik“ gegen das Wild an, der „jede Nachhaltigkeit verhöhnt“ und letztlich nur auf profitable Walderträge hinausläuft. Völlig unverständlich sei auch die ganzjährige Schonzeitaufhebung bei der Gams, die eine gesunde Durchmischung der Population unmöglich mache.

Das mochte Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen so nicht stehen lassen und entgegnete ihm: „Keiner unserer Förster will das Wild ausrotten.“ Als Grundlage für die Abschusszahlen führte er das aktuelle Verbissgutachten an. In den Jagdgebieten Holzkirchen und Mangfall West wird empfohlen, die Abschusszahlen beizubehalten. Im bergigen Mangfall West hat speziell der Verbiss der Tanne durch Rotwild zugenommen und ist gerade noch tragbar. Deshalb rät das Gutachten zur Erhöhung der Abschusszahlen. Das soll vor allem der Waldverjüngung mit der Tanne zu Gute kommen, die der Klimaerwärmung besser widerstehen kann als die Fichte: „Wenn der Schutzwald auch in Zukunft seine Rolle wahrnehmen soll, müssen wir jetzt handeln“, erklärte Kramer. Das spiegelte sich in den Abschusszahlen wider, die Jagdberater Tobias Hupfauer vorlas. Marginal war 2018 mit 17 Abschüssen die Strecke beim Schwarzwild. Beim Rehwild wurde der Drei-Jahres-Plan zu 98,5 Prozent erfüllt, es wurden rund 8600 Abschüsse gemacht. Beim Rotwild wurde hingegen mit 550 Abschüssen das Soll von 739 deutlich unterschritten.

Zum Abschluss meinte Weinzierl, dessen Kreisgruppe rund 650 Mitglieder vertritt und von denen gut 420 auf die Pirsch gehen, dass es das Wild verdient hat, tierschutzgerecht gejagt zu werden: „Es weiß nämlich nicht, in welcher Anzahl es gerade unserer Gesellschaft genehm ist.“ Als unerlässlich sieht Weinzierl den Dialog aller Beteiligter und die Information der Öffentlichkeit: „Eine Hegeschau, wie wir sie heute erleben durften, ist dafür eine hervorragende Möglichkeit.“hac

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