Protest gegen Schließung

Hilferuf in Rottach-Egern: Demo und Petition gegen Corona-Lockdown in der Gastronomie

Rettet die Gastro: Lenka Staudacher und Matthias Nieschke bei Demo in Rottach-Egern
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Sie haben den Corona-Lockdown satt: Lenka Staudacher und Matthias Nieschke kämpfen in Rottach-Egern mit einer Unterschriftenkampagne für die Öffnung der Gastronomie.

Rottach-Egern – Lenka Staudacher hat eine Kundgebung gegen den Corona-Lockdown organisiert. Etwa 80 Mitstreiter trafen sich im Rottacher Kurpark.

Unter dem Motto „Rettet die Gastro“ trafen sich am Samstag (14. November) rund 80 Teilnehmer im Kurpark von Rottach-Egern, um für eine Öffnung mit neuem Sicherheitskonzept zu demonstrieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von Matthias Nieschke, Filmemacher aus Hausham, und Lenka Staudacher aus Tegernsee.

Sie kennt die Nöte der Betroffenen aus eigener Erfahrung, betont die dreifache Mutter. Sie sei selbst immer in der Gastronomie tätig gewesen. Auch nach ihrem Wechsel in den medizinischen Bereich 2011 arbeitet sie als Aushilfe im Berggasthof am Galaun. Der Corona-Lockdown beschere ihr monatlich bis zu 800 Euro Verdienstausfall. Sozialhilfe nehme sie nicht in Anspruch. „Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergeht: Umschulen, putzen gehen oder Regale einräumen?“

Das Schlimmste sei die Ungewissheit der Betroffenen und die damit verbundene psychische Belastung, gerade auch mit Blick auf die Weihnachtszeit: „Es ist eine Frechheit, dass die Maßnahmen bis in die Familien gehen. Was man sich da erlaubt, geht schon jetzt zu weit.“ Für die Wirte steige die Unsicherheit durch die kurzfristigen Öffnungen und Schließungen. Es sei ohnehin schwierig, gutes Personal zu finden. Durch den Lockdown werde eine Planung aber ganz unmöglich.

Zu den Corona-Leugnern oder gar Verschwörungstheoretikern gehöre sie nicht, macht Staudacher deutlich. Gleichzeitig unterstreicht sie, dass das Hygienekonzept für Restaurants und Bars reibungslos funktioniert habe: „Die Gastro ist kein Treiber der Pandemie. Im Landkreis musste niemand die Listen zur Rückverfolgung von Infektionen beim Gesundheitsamt abliefern.“ Problematisch werde die Lage eher beim Angebot to go, etwa beim Mindestabstand in Warteschlangen und fehlenden Toiletten.

Anschließend zeigte die Vorführung eines kurzen Films die Situation aus Sicht eines Wirts aus Siegsdorf. Unter dem Titel „Die Zerstörung der Gastronomie“ räsoniert er in seinem Video aufgebracht und verzweifelt über die Lage: Seine Verantwortung für 20 Mitarbeiter, die ihre Familien versorgen müssen – und das angebliche Versagen der Politiker. Im März habe man zugesperrt, um dann Auslandsreisen zu erlauben. Jetzt werde die Gastronomie lahmgelegt, obwohl da nachweislich nur 0,5 Prozent Infektionen aufgetreten seien. Und für die Polizei, die die Einhaltung aller Regeln kontrollieren müsse, fehlten klare Maßgaben, was überhaupt erlaubt oder verboten sei. Mit den Verboten würden keine echten Lösungen geschaffen. Die Gastronomie sei eine Lösung, gerade auch in sozialer Hinsicht: „Die Leute müssen sich treffen, sonst drehen sie durch.“ Auch 20 Milliarden Euro Überbrückungshilfe hätten die Probleme nicht gelöst. Wegen der hohen Hürden und der Bürokratie sei gerade mal eine Million abgerufen worden.

„Es gilt, ein tragfähiges und sinnvolles Konzept zu finden, das keine Existenzen vernichtet“, unterstrich Nieschke. Die Gastronomie habe Entscheidendes geleistet. Es müsse auch jetzt möglich sein, dass Menschen sich weiterhin treffen können. Andernfalls komme es zu einer Ausuferung privater Treffen und einer Verschärfung der Lage. Die Organisatoren riefen dazu auf, sich an ihrer Online-Petition „Gastgewerbe: Die Türen müssen offen bleiben, Hygienekonzepte funktionieren“ zu beteiligen. Sie ist im Internet unter www.openpetition.de zu finden. ger

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