Dorfschule ade

Aus diesem Grund wird die Großhartpenninger Schule nicht reaktiviert

+
Hat seine besten Zeiten hinter sich: In dem 60 Jahre alten Hartpenninger Schulhaus wird kein Unterricht mehr stattfinden. Auch nicht, wenn die Mittelschule Holzkirchen saniert wird.

Holzkirchen – Zu teuer und zu umständlich: Es lohnt sich nicht, die Großhartpenninger Dorfschule zu reaktivieren. So hat es der Gemeinderat jüngst beschlossen.

Die FWG-Fraktion hat im November 2019 einen Antrag gestellt, die Sanierungskosten für das brach liegende Großhartpenninger Schulhaus zu ermitteln, um es fit für die Zukunft zu machen. So gerüstet sollte es einen Schulsprengel für die Zeit des Neubaus der Holzkirchner Mittelschule aufnehmen. Die Verwaltung hat kürzlich in der Sitzung des Marktgemeinderats anhand einer fünfseitigen Stellungnahme erläutert, warum es unrentabel ist, die Schule zu reaktivieren.

Bereits im Jahr 2011 wurde seitens der Marktgemeinde in Auftrag gegeben, die Kosten für die Sanierung des Schulgebäudes zu ermitteln. Schon damals wurde laut dem Verwaltungsschreiben ein unverhältnismäßig hoher finanzieller Aufwand dafür festgestellt. Die damals geschätzten Kosten in Höhe von 820.000 Euro kamen im Wesentlichen für Brandschutzmaßnahmen und energetische Sanierung zusammen. Wie Marktbaumeister Florens Hintler sagte, würde das aktuell wegen Kostensteigerungen sogar etwas über 1 Million Euro teuer sein.

Zudem müsste heute wegen novellierter Gesetze in einen barrierefreien Zugang investiert und das Dach zwingend energetisch saniert werden. Kritisch betrachtet wurden zudem die beiden Klassenzimmer im Untergeschoss, weil diese nicht die notwendige Deckenhöhe von drei Metern haben. Außerdem sei fraglich, ob die Haus­technik noch den aktuellen Anforderungen entspreche. Außer Betracht waren bei dem Gutachten von 2011 zudem die Außenanlagen und neue Möbel geblieben, die angeschafft werden müssten. Da im Keller bereits Feuchteschäden vorliegen, müsste auch dort investiert werden.

Dazu war Hintlers ernüchterndes Fazit: „Aus derzeitiger Sicht und den vorliegenden Kenntnissen spricht die relativ schlechte Gebäudesubstanz gegen eine vollumfängliche Sanierung.“ Auch Kämmerer Dominik Wendlinger hatte keine guten Nachrichten für die Dorfschul-Befürworter: Um überhaupt eine Förderung zu erhalten, müssen zuerst die Kosten für eine Sanierung und einen Neubau gegenüber gestellt werden. Falls dann Fördermittel fließen, müsste der Schulbetrieb aber auch für 20 Jahre aufrechterhalten werden.

Wie Johann Löffler, zuständig für das Schulwesen in Holzkirchen, berichtete, brächte es auch organisatorisch einen zusätzlichen hohen Aufwand, die Mittelschüler im Interimsbetrieb aufzuteilen. Da in Hartpenning nur Klassenzimmer möglich wären und Fachräume oder Sportanlagen völlig fehlten, müssten entweder die Lehrer oder ganze Klassen pendeln. Der von Hubert Müller (FWG) ins Spiel gebrachte Vorschlag, die Container für die Interimsschule auf dem Gelände der Hartpenninger Schule unterzubringen, funktioniere auch nicht, weil für die rund 350 Container ein Platzbedarf von 4.000 Quadratmetern nötig ist, aber in Hartpenning nur 2.000 verfügbar sind, wie Hintler sagte.

Auch wenn Müller darauf beharrte, traf das Urteil von Herbert Gegenfurtner (CSU) eher die Meinung seiner Ratskollegen: „Es tut mir wirklich leid für Hartpenning, aber eine Dorfschule ist nicht mehr zeitgemäß.“ Einfach wegreißen will Gegenfurtner das 60 Jahre alte Gemäuer auch nicht. Den Vorschlag von Simon Ammer (SPD) wegen der Raumnot im Rathaus doch eine Abteilung der Verwaltung interimsweise in das alte Hartpenninger Schulhaus auszulagern, nannte Bürgermeister Olaf von Löwis mit einem eher ironischen Unterton „wirklich sehr sehr innovativ“. Das Fazit der Verwaltung war dann auch, für das Schulhausareal mittelfristig ein städtebauliches Konzept zu entwickeln. Wie Bürgermeister von Löwis sagte, gab es in der Vergangenheit bereits Kontakte, um dort genossenschaftlichen Wohnbau anzugehen, der aber am Widerstand der Bürger scheiterte. hac

Auch interessant

Meistgelesen

Er war seit Samstag vermisst: 30-Jähriger wohlbehalten wieder aufgetaucht
Er war seit Samstag vermisst: 30-Jähriger wohlbehalten wieder aufgetaucht
Warum Absolventen der FOS Holzkirchen an ihre Schule zurückkehren
Warum Absolventen der FOS Holzkirchen an ihre Schule zurückkehren
Sie machen Co-Working auch in Holzkirchen möglich
Sie machen Co-Working auch in Holzkirchen möglich
Coronavirus in Oberbayern: Polizei führt fast 21.000 Kontrollen durch
Coronavirus in Oberbayern: Polizei führt fast 21.000 Kontrollen durch

Kommentare