Tödliche Nachlässigkeit

Warum fehlende Hausnummern im Landkreis ein Problem sind

Fehlende, schwer lesbare oder – wie hier – zugewachsene Hausnummernschilder machen es Rettungskräften nahezu unmöglich, die richtige Adresse zu finden und Patienten zeitnah zu helfen.
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Fehlende, schwer lesbare oder – wie hier – zugewachsene Hausnummernschilder machen es Rettungskräften nahezu unmöglich, die richtige Adresse zu finden und Patienten zeitnah zu helfen.

Landkreis – Fehlende und unleserliche Hausnummern werden zum Problem im Landkreis. Ein Notarzt und das Landratsamt appellieren wegen dieser tödlichen Nachlässigkeit an Einwohner.

Update vom 21. August: 

Verdeckte oder fehlende Hausnummern erschweren Einsätze. Darauf weist das Landratsamt Miesbach erneut hin. „Normalerweise sollte es sehr schnell gehen, wenn jemand den Notruf wählt“, erklärt Sprecherin Sophie-Marie Stadler. „Oft aber suchen Einsatzkräfte lange nach dem richtigen Haus, von wo aus die hilfsbedürftige Person den Notruf abgesetzt hat.“ Der Grund: fehlende oder verdeckte Hausnummern. Egal ob Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr – sie können nicht schnell helfen, wenn sie den Einsatzort nicht finden.

„Einsatzkräfte berichten auch im Landkreis Miesbach immer wieder von brenzligen Situationen, weil Hausnummern nicht deutlich zu erkennen waren und sich der Einsatz dadurch verzögerte“, teilt Sophie-Marie Stadler mit. „Das Landratsamt als Untere Katastrophenschutzbehörde und Anlaufstelle für die Blaulichtorganisationen im Landkreis bittet deshalb alle Bürger: Bitte unterstützen Sie Einsatzkräfte und achten Sie auf eine deutliche Sichtbarkeit der Hausnummern.“

Vorbericht vom 2. April:

Wenn ein Rettungswagen mit Blaulicht unterwegs ist, geht es um Sekunden. Wenn dessen Fahrer aber an der Suche nach der richtigen Einsatzstelle verzweifelt, weil Hausnummernschilder zugewachsen, unbeleuchtet oder überhaupt nicht angebracht sind, kann das für die Patienten dramatische Folgen haben. Kürzlich hat deswegen Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis bei den Bürgerversammlungen erneut darum gebeten, gut lesbare Schilder anzubringen. Laut dem Holzkirchner Internisten und Notarzt Thomas Verhasselt jedoch vergeblich.

Ein Rettungsteam ist in Holzkirchen in der Regel binnen weniger Minuten am Einsatzort. Digital unterstützt in puncto genaue Adresse wird es dabei von der Rettungsleitstelle. Am Einsatzort angekommen, müssen Sanitäter, Notärzte und Einsatzkräfte aber oft lange nach der richtigen Hausnummer suchen oder erst durch Straßenzüge irren, um Hilfe leisten zu können. Das ist, wie Verhasselt aus eigener Erfahrung weiß, nicht nur frustrierend, sondern kann auch für Patienten lebensbedrohend sein.

Dabei wäre es, wie er meint, ganz einfach, den Helfern ihre Arbeit zu erleichtern. „Wenn ich durch München gehe, sehe ich an nahezu jedem Gebäude in der Nähe der Tür sofort eine gut lesbare blaue Tafel mit einer weißen Hausnummer und meist sogar noch dem Straßennamen mit drauf“, erklärt er. „In Holzkirchen ist das leider anders.“ In vielen Neubaugebieten fehlen laut Verhasselt die Hausnummern ganz oder seien als unlesbare Salzbrezl-Holzschnitz-Kunstschmied-Schnörkel-Ziffern irgendwo angebracht. An älterem Baubestand sind die auffälligen blau-weißen Hausnummernschilder zwar meist noch vorhanden, dafür aber oftmals eingewachsen. Umso dramatischer wird die gesamte Situation, wenn Dunkelheit oder schlechtes Wetter die Sicht noch weiter verschlechtern.

Thomas Verhasselts eindringlicher Appell lautet daher: „Helfen Sie uns zu helfen und bringen Sie eine von der Straße her gut lesbare Hausnummer an!“ Eigentlich eine ganz einfache Sache, die Leben retten kann – und außerdem sogar von der Holzkirchner Hausnummernsatzung so vorgegeben wird. hac

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