Verwunderung im Gemeinderat

Holzkirchen bleibt dabei: Neubau der Mittelschule ohne Tiefgarage

Mittelschule Holzkirchen mit Gerüst
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Die Mittelschule ist in die Jahre gekommen. Der Vorschlag, ihren Ersatzneubau beim aktuellen Planungsstand um eine Tiefgarage zu erweitern, hätte das Projekt weit zurückgeworfen.

Holzkirchen – Der Markt Holzkirchen plant eine neue Mittelschule. Braucht‘s doch eine Tiefgarage? Der Vorschlag sorgte für Verwunderung im Gemeinderat.

Bisher bestand im Marktgemeinderat was die Planung und den Bau der neuen Mittelschule an der Baumgartenstraße in Holzkirchen anging Einigkeit und Harmonie. Auch das Raumfunktionsbuch bekam großes Lob und eigentlich war davon auszugehen, dass die Abstimmung über die Wettbewerbsauslobung bei der jüngsten Sitzung nur eine Formsache sei. Dann aber kam praktisch aus heiterem Himmel der Vorschlag, nicht nur wie vorgesehen 300 Quadratmeter für Technikräume unter die Erde zu bringen, sondern eine komplette Unterkellerung vorzunehmen. Damit sollen Parkplätze und Lagerräume geschaffen werden. Das stieß nicht nur bei Bürgermeister Christoph Schmid auf Unverständnis. Nach einer langen Diskussion entschied das Gremium mehrheitlich, das Vorhaben wie geplant fortzuführen.

„Ich habe den Eindruck, wir reden heute das erste Mal über die Mittelschule“, fasste Schmidt die Diskussion um den Bau einer Tiefgarage unter der neuen Mittelschule sichtlich verärgert zusammen. Noch dazu kam der Antrag, den von Till Fischer vom Wettbewerb betreuenden Stadtplanungsbüro AGFU vorgetragenen Auslobungstext über den Haufen zu werfen, aus der eigenen CSU-Fraktion. Ausgangspunkt waren die von Fischer vorgetragenen Stellplatzsituationen für 15 Kfz und rund 230 Fahrräder.

Dazu schlug Josef Sappl senior (CSU) überraschend vor: „Ich meine, wir sollten die Autos und die Fahrräder in Keller der Schule schaffen, das spart uns außerdem Flächen.“ Auch wenn dies, wie er sagte, „ein finanzieller Hammer“ sei. Ins gleiche Horn stießen seine Fraktionskollegen Albert Kraml und Michael Wohlschläger, der damit die Schule zukunftsfähiger sähe. Selbst aus den Reihen der SPD erhielt die Idee Zustimmung: „Bei diesem langfristigen Projekt sollten wir uns keinem Zeitdruck unterwerfen“, meinte Wolfgang Huber und empfahl, darüber nochmal nachzudenken.

Geduldig, aber manchmal mit einem Stirnrunzeln, ging Fischer auf alle Einwände und Vorschläge ein und erklärte, dass eine Tiefgarage natürlich möglich sei, dass aber dann der Wettbewerb neu konzipiert werden muss und das die Fertigstellung der Schule bis zu einem Schuljahr zurückwerfen würden: „Das ist eine Entscheidung, die sowohl aus zeitlicher als auch finanzieller Sicht nur Sie treffen können.“ Die Kosten für eine Tiefgarage schätzte Werner Kulessa vom Bauamt auf rund 2,5 Millionen Euro. Diese seien, wie Schmid sagte, aber nicht förderfähig. Zudem warnte Marktbaumeister Florens Hintler eindringlich davor, die Planungen zu ändern, weil dies den gesamten Zeitplan über den Haufen werfen würde.

Eine Abfuhr bekam der Vorschlag von Anita Gritschneder und Ulrike Küster (beide Grüne), doch einfach Flächen in der nahen Tiefgarage vom Kultur im Oberbräu umzuwidmen. Dazu stellte Kämmerer Dominik Wendlinger fest, dass diese mit EU-Fördergeldern gebaut wurde und daher nicht einfach zweckentfremdet werden darf. „Ich kann ja schlecht für die Tiefgarage und den vorgestellten Auslobungstext sein“, fasste schließlich Geschäftsleiter Robert Haunschild die Situation logisch zusammen und empfahl, gemäß Tagesordnung nur über die vorgestellte Wettbewerbsauslobung abzustimmen. Dem entsprach der Rathauschef und zählte schlussendlich 13:9 Stimmen dafür, die Planungen unverändert umzusetzen.

Wie Fischer vortrug, werden an dem Architektenwettbewerb 18 Fachbüros teilnehmen. Der Sieger bekommt den Auftrag für das rund 23 Millionen Euro teure Projekt. Aber auch die Platzierten bekommen anteilig etwas von der Wettbewerbssumme von insgesamt 105.000 Euro ab. Als wesentliche Grundlage dient das vom Gemeinderat im Juli abgesegnete Raumfunktionsbuch (wir haben berichtet). Hierin ist auch festgelegt, dass die Schule Platz für 430 Schüler und 18 Klassen haben soll.

Außerdem müssen die maximal dreigeschossigen Entwürfe so gestaltet sein, dass eine Fläche von etwa 2000 Quadratmetern unbebaut bleibt. Dazu darf der Baukörper der Mittelschule die Abstandsfläche zur Grundschule und Turnhalle auch unterschreiten. Laut Auskunft der Verwaltung wird dies nach Rücksprache mit dem Landratsamt wegen einer bevorstehenden Novelle im Baurecht auch nicht beanstandet. hac

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