Vielversprechende Verbindung

Holzkirchner Gemeinderäte sprechen sich für Radschnellweg Otterfing-Gmund aus

Heignkamer Straße in Holzkirchen
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Von Otterfing kommend soll die Radschnellverbindung in Holzkirchen zunächst in die Heignkamer Straße und dann weiter durch den Ort in Richtung Warngau führen.
  • VonSelina Benda
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Holzkirchen – Mit dem Rad auf schnellem Weg von Otterfing an den Tegernsee – das soll bald möglich sein. Die Marktgemeinde Holzkirchen ist dabei.

Alltagsradverkehr erhöhen, Stau reduzieren und Tourismus fördern – die Erwartungen an die Raddirektverbindung zwischen München und dem Tegernsee sind hoch. Nachdem sich schon andere Kommunen im Landkreis Miesbach für den Bau der Trasse in ihrem Gebiet ausgesprochen haben, stimmten nun auch die Gemeinderäte in Holzkirchen dafür.

So stellte Jonas Marwein von der Bernard-Gruppe mit Kollegin und Projektleiterin Vanessa Platt die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor, mit der das Unternehmen betraut war. Ziel dieser sei, die technische Machbarkeit nachzuweisen, um die Grundlage für den Planungs- und Umsetzungsprozess zu schaffen.

22,5 Kilometer zwischen Otterfing und Gmund

Insgesamt 80 Kilometer auf neun Abschnitten und 61 unterschiedliche Varianten wurden dafür komplett befahren und begutachtet sowie nach verschiedenen Kriterien wie Qualität, Naturschutz und Tourismus beurteilt. Heraus kam eine sogenannte Vorzugstrasse mit 22,5 Kilometern Länge zwischen Otterfing und Gmund.

Genau 4,2 Kilometer der Trasse werden nach derzeitiger Planung auf Holzkirchner Flur geführt. Laut Marwein liegen etwa 50 Prozent der angedachten Verbindung an der B318 und 10 Prozent auf Nebenstraßen. Die restlichen Kilometer müssten als selbstständig geführte Radwege gebaut werden.

1,2 Millionen Euro Kosten für Holzkirchen

Eine grobe Gesamtkostenschätzung für die Radwegverbindung zwischen Otterfing und Gmund kommt derzeit auf 11 Millionen Euro. Davon würden 1,2 Millionen Euro auf die Marktgemeinde fallen. Die Planer rechnen mit hohen Förderungen von Bund und Land.

Zudem empfehlen sie, eine Steuerungsgruppe der beteiligten Kommunen Otterfing, Holzkirchen, Warngau, Waakirchen und Gmund sowie dem Landkreis und der Standortmarketinggesellschaft zu bilden. „Derzeit ist eine solche Radverbindung in Bayern nur zwischen München und Nürnberg geplant. Das könnte für den Landkreis Miesbach ein Leuchtturmprojekt sein“, sagte Marwein.

Kritik an Wegführung

Der grundlegende Nutzen des Projekts leuchtete allen Gemeinderäten ein. Zur derzeit angedachten Wegführung gab es jedoch Bedenken in der Runde. Diese trifft von Otterfing über den Teufelsgraben-Radweg auf die Heignkamer und Erlkamer Straße. Über Lechlweg und unter der Rosenheimer Straße hindurch geht es dann östlich an der Bahntrasse entlang in die Austraße über die Kindergartenbrücke in die Frühling- und dann über die Tegernseer Straße in Richtung Warngau.

Letztere müsste mit beidseitigen Schutzstreifen versehen und in eine 30er-Zone geändert werden. Auf der Strecke Richtung Warngau würden landwirtschaftliche Wege ausgebaut und auf 4,50 Meter verbreitert. Für die Erlkamer Straße empfehlen die Planer, eine eigene Fahrradstraße anzulegen.

Parkhaus im neuen Bahnhofsareal im Weg?

Vor allem die Trasse über die Erlkamer Straße bereitete Elisabeth Dasch (SPD) Sorgen, denn in der Bauplanung für das neue Bahnhofsareal sei dort ein Parkhaus vorgesehen. Sie vermutete vermehrt gefährliche Situationen zwischen Rad- und Autofahrern. Nicht ganz unbedenklich empfand auch Projektleiterin Platt diesen Fakt. Wie Eva-Maria Schmitz von der Standortförderung erklärte, sei die Fahrradstraße bereits in die Planung des Bahnhofsareals aufgenommen worden. Sebastian Franz (CSU) bat trotzdem darum, zu diesem kritischen Punkt die Expertise der Polizei frühzeitig einzubeziehen.

Auch die Trasse an der Bundesstraße empfand Dasch als schade. Wie Marwein erklärte, sei eine Führung entlang der Bahnlinie nach Warngau im Hinblick auf den Naturschutz kritisch. Jedoch sei die derzeitige Strecke nicht in Stein gemeißelt, wenngleich das Ziel einer direkten und schnellen Verbindung, die im Vergleich zum zeitlichen Aufwand mit Auto nicht signifikant nachstehen dürfe, im Vordergrund stünde.

Positiver Nutzen im ökologischen Sinne

Für Hubert Müller (FWG) erschloss sich nicht, warum die Radverbindung nicht über den Bahnhofs- und Otterfinger Weg geführt wird: „Das wäre für mich der direkteste Weg.“ Die bestehende Bebauung verhindere laut Marwein die dort nötige Verbreiterung der Straßen.

Für die Versiegelung der landwirtschaftlichen Wege entlang der Bundesstraße vermisste Wolfgang Huber (SPD) eine ökologische Gegenrechnung. Eine solche sei laut Platt zwar nicht Teil der Machbarkeitsstudie, jedoch eine Steigerung im Rad- und damit eine Reduzierung des Kfz-Verkehrs ein positiver Nutzen im ökologischen Sinne.

Gegen fünf Stimmen sprach sich das Gremium am Ende dafür aus, weitere Planungsschritte für die Radschnellverbindung einzuleiten. sb

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