Bittere Überraschung in Holzkirchen

Erst Lob, dann Aus: Gemeinderat lehnt Jugendbeauftragte ab

Seit fünf Jahren im Amt und hochmotiviert: Dennoch wurde den Jugendbeauftragen Claudia Orlando und Max Röger nun in Holzkirchen das Vertrauen entzogen.
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Seit fünf Jahren im Amt und hochmotiviert: Dennoch wurde den Jugendbeauftragen Claudia Orlando und Max Röger nun in Holzkirchen das Vertrauen entzogen.

Holzkirchen – Der Jugendbeauftragte Max Röger ist auch Vorsitzender der JU Holzkirchen. Für den Gemeinderat stellt das ein Problem dar.

Für eine faustdicke Überraschung sorgte das Ergebnis im Marktgemeinderat Holzkirchen, als jüngst über die Jugendbeauftragten abgestimmt wurde. Mit 11:13 Stimmen versagten die Räte Claudia Orlando (29) und Max Röger (19) das Vertrauen – beide sind seit 2015 im Amt. Das Ergebnis war umso erstaunlicher, da das Duo bei der Vorstellung und in der Vergangenheit über die Maßen gelobt wurde. Nun steht der Markt ohne Jugendbeauftragte da.

„Sie haben sich in den vergangenen fünf Jahren sehr stark für die Jugend eingebracht. Das Engagement war für uns extrem wertvoll und für die beiden sehr zeitintensiv“, sagte Geschäftsleiter Robert Haunschild, als im Festsaal des Kultur im Oberbräu darüber abgestimmt wurde, das Amt zu verlängern. Unter anderem verwies er dabei auf die Jugendfreizeitmeile am Ladehof und das Jugendzentrum. Auch über die Jahre hinweg heimsten die Jugendbeauftragten viele lobende Worte ein. Zwar ließ sich Max Knopp nicht mehr aufstellen, sodass aus dem Dreigestirn ein Duo geworden war, das hätte die Arbeit aber gerne fortgeführt. Es kam anders.

Neben den anwesenden Marktgemeinderäten der Grünen und der SPD versagten zwei weitere Ratsmitglieder ihre Zustimmung und hatten damit eine Mehrheit. Wie Robert Wiechmann nach der Abstimmung sagte, habe die Ablehnung nichts mit der Person zu tun: „Es geht um Doppelfunktionen und darüber diskutieren wir seit einem Dreivierteljahr.“ Gemeint hat er damit wohl, dass Röger seit 2019 auch Vorsitzender der Jungen Union (JU) Holzkirchen ist.

Torsten Hensel (FWG) bemängelte, dass über derlei Gespräche nichts schriftlich festgehalten wurde: „Das wäre hilfreich gewesen, um regelkonforme Entscheidungen treffen zu können und solche Abstimmungsergebnisse zu vermeiden.“ CSU-Fraktionssprecher Sebastian Franz kommentierte den Wahlausgang so: „Eine zutiefst unwürdige Entscheidung. Damit hat die Jugend kein Sprachrohr mehr.“

Sollte Rögers JU-Engagement der Grund für die Abwahl sein, ist dies für ihn nicht nachvollziehbar. „Ich denke, ich habe bewiesen, dass ich die Ämter strikt trennen kann. Mir hat auch niemand gesagt, dass ich mich da in irgendeiner Form unkorrekt verhalten hätte“, stellte Röger nach der Sitzung enttäuscht fest. Ihm sei auch kein Passus bekannt, der diese Doppelfunktion verbieten würde. Wie Röger weiter sagte, hänge er aber auch nicht an seinem Amt, wenn dies nicht gewünscht ist: „Natürlich hätte ich mich wirklich gerne gemeinsam mit Claudia weiter für die Holzkirchner Jugend engagiert. Die steht durch dieses Abstimmungsergebnis jetzt als Verlierer da.“

Claudia Orlando meinte betrübt, dass bestimmt jeder seine Gründe für die Ablehnung hatte, sie aber gerne gewusst hätte, ob sie denn etwas falsch gemacht hätten: „Wir haben unser Bestes gegeben und hätten gerne weitergearbeitet. Und ich meine, so schlecht haben wir es bisher auch nicht gemacht.“ Wenn die Konstellation stimmt, wäre Orlando eventuell bereit, sich nochmal zur Wahl zu stellen.

Da bei der Abstimmung sowohl über Rögers als auch Orlandos ehrenamtliches Engagement in einem Aufwasch entschieden wurde, steht die Marktgemeinde nun also ohne Jugendbeauftragte da. Zwar gebe es, wie Bürgermeister Christoph Schmid sagte, seit Kurzem einen 15-jährigen Bewerber, der sich per Instagram gemeldet habe. Allerdings habe der Rathauschef noch nicht mit ihm gesprochen. Außerdem, so Schmid weiter, muss einer der Jugendbeauftragten in jedem Fall volljährig sein. hac

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