Bahn bremst Bau aus

Holzkirchen: Für Kindergartenbrücken-Neubau fehlen Aussagen der DB Netz AG

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Die Kindergartenbrücke wird bei Fußgängern und Radfahrern als sichere Verbindung in den Ortskern schmerzlich vermisst. Dass es dafür noch keinen Ersatz gibt, liege aber nicht an der Trödelei der Marktgemeinde, betont diese.

Holzkirchen – Der Ersatz für die abgebaute Geh- und Radwegbrücke an der Frühlingsstraße-Austraße in Holzkirchen gehört, wie Bürgermeister Olaf von Löwis betonte, zu den Prioritäten der Marktgemeinde. Wegen fehlender Aussagen der DB Netz konnte der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung aber nicht wie geplant über eine Behelfslösung entscheiden. Seit dem Abbau der Kindergartenbrücke Mitte Dezember bemühen sich Verwaltung und Politik um Ersatz. „Schlendrian“ warf der Verwaltung keiner der Räte vor. Als Bremsschuh des Projekts ist die DB Netz ausgemacht. Das Gremium und wohl auch die zahlreichen Zuhörer hätten sich in der Vergangenheit ein bisschen mehr Informationen und Öffentlichkeitsarbeit gewünscht.

„Wenn die Gemeinde eine Brücke über den Teufelsgraben hätte bauen wollen, würde die bereits stehen. Diese Hängepartie liegt einzig an dem pseudoprivatisierten Unternehmen Deutsche Bahn und sagt in keiner Weise etwas über die Entscheidungsfindung des Gemeinderats aus“, echauffierte sich Robert Wiechmann (Grüne), nachdem Bauamtsleiter Hans Kellner dem Rat die Chronologie der bisherigen Planungen und das Schweigen der Bahn dazu vorgetragen hatte. Bei der Brücke wurden im Dezember 2017 nach einer routinemäßigen Prüfung erhebliche Mängel festgestellt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Nutzung danach eingeschränkt und die Brücke alle zwei Monate gemessen. Am 30. November kam für die Marktgemeinde völlig unvorhergesehen die Sachverständigen-Empfehlung, sie sofort zu sperren. Gut zwei Wochen später folgte auf Kosten der Gemeinde die Demontage. Da vermutet wurde, dass die 1988 von der Bahn gebaute und dann der Marktgemeinde geschenkte Brücke von Haus aus Statik-Probleme hatte, wurden Regressansprüche an die DB Netz geprüft, die aber aus Verjährungsgründen nicht durchgesetzt werden konnten.

Anfang Januar dieses Jahres begannen dann die Planungen der neuen Brücke mit und ohne Berücksichtigung einer möglichen Elektrifizierung der Bahnlinie. Außerdem wurde die Förderfähigkeit eruiert. Nach dem notwendigen Verfahren wurden im Mai das Ingenieurbüro Leonhard, Andrä und Partner aus München mit den Planungsleistungen für die Kindergartenbrücke beauftragt.

Da über die Notwendigkeit dieser Verbindung in den Ortskern fraktionsübergreifend Einigkeit besteht, kam der Gedanke auf, eine Behelfsbrücke zu installieren. Diese würde nach Schätzung des Ingenieurbüros für acht Monate rund 107.000 Euro kosten. Genau darüber konnte der Rat aber wegen der fehlenden Einlassungen der DB Netz jetzt nicht abstimmen. Wie von Löwis sagte, geht er aber davon aus, dass sich die DB Netz in den nächsten Wochen bewegt. Dazu merkte Christoph Schmidt (CSU) an: „Ich hoffe, das ist bald der Fall. Wir brauchen die Behelfsbrücke, weil die Rosenheimer Straße bei Fußgängern und Radfahrern zu Recht gefürchtet und keine Alternative ist.“ Nach Eingang des Schreibens der DB Netz könnten auch die Planungen für den eigentlichen Ersatzbau weitergehen. Nach einem Rahmenplan des Ingenieurbüros könnte die Bauausführung nächstes Jahr im Mai beginnen, Kostenpunkt derzeit zirka 375.000 Euro. Sollte die DB Netz in der sitzungsfreien Zeit antworten, möchte der Rathauschef gegebenenfalls zu einer Sondersitzung laden. Weiterhin sagte er zu, in Zukunft die Öffentlichkeit besser über Entwicklungen zur Kindergartenbrücke zu informieren. hac

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