Starke Zahlen

Warum Holzkirchens Gemeinderäte nicht mit Lob für den Haushalt sparen

Der Markt Holzkirchen steht trotz Corona finanziell blendend da und sieht für heuer neben gemeindlicher Pflichtaufgaben auch vier priorisierte Projekte als gesichert an.
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Der Markt Holzkirchen steht trotz Corona finanziell blendend da und sieht für heuer neben gemeindlicher Pflichtaufgaben auch vier priorisierte Projekte als gesichert an.

Holzkirchen – Der Haushalt für 2020 gefällt den Holzkirchner Gemeinderäten. Vier Kernprojekte gibt es, die finanziert werden sollen.

„Wirklich sehr erfreulich und eine gute Grundlage für die Corona-Jahre“, schickte Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid dem Vortrag von Kämmerer Dominik Wendlinger voraus. Dank guter Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen sowie umsichtiger Haushaltsführung dürfte somit nichts im Wege stehen, die Kernprojekte zu verwirklichen. Mit viel Lob und einigen Anregungen verabschiedete der Marktgemeinderat den Haushalt einstimmig.

301 Seite umfassen Haushaltssatzung und -plan für 2020. Trotzdem gelang es Wendlinger eloquent, durch den Zahlendschungel zu führen und dabei die wichtigsten Positionen herauszuheben. Deutlich wurde, dass die vier Kernprojekte mit Neubau der Mittelschule, Sanierung der Wohnblöcke an der Baumgartenstraße, Auslagerung des Bauhofs und Erweiterung der Kita Kinderland voraussichtlich trotz der Corona-Krise zu stemmen sind. Satte 51 Millionen Euro sieht der Verwaltungshaushalt für dieses Jahr vor, mit 16,3 Millionen Euro schlägt der Vermögenshaushalt zu Buche.

Die größten Einnahmen generiert der Markt aus den Gewerbesteuern. 18,1 Millionen Euro kalkuliert Wendlinger für dieses Jahr – rund 4,6 Millionen Euro weniger als 2019. Interessant ist, dass drei Holzkirchner Unternehmen rund 65 Prozent der Gewerbesteuer zahlen. Insgesamt waren Ende vergangenen Jahres 2.173 Betriebe gemeldet.

Weitsicht zeigt der Haushalt auch für die neu gebauten Wohnungen am Sommerfeld. Um einen Finanzpuffer für Sanierungsarbeiten zu schaffen, wird ab heuer auf zehn Jahre eine Sonderrücklage mit einem anfänglichen Betrag von 35.000 Euro angelegt. Dass Wendlinger bei Finanzfragen auch über den Tellerrand hinaus blickt, erwähnte Schmid lobend, als es um zwei neue Löschfahrzeuge für die Föchinger und Holzkirchner Feuerwehren ging: „Dank einer gemeinschaftlichen Beauftragung mit Feldkirchen-Westerham haben wir rund 20.000 Euro sparen können.“ Insgesamt erlaubt der solide Finanzrahmen ein Investitionsprogramm in Höhe von knapp 16,4 Millionen Euro.

Die Finanzkraft bedingt eine entsprechende Kreisumlage. Mit gut 14 Millionen Euro trägt die Marktgemeinde rund 19,3 Prozent des Gesamtvolumens aller 17 Landkreisgemeinden. Die Kreditaufnahme für Investitionen fällt dagegen mit 186.000 Euro fast marginal aus. Die Gesamt-Pro-Kopf-Verschuldung der rund 17.350 Holzkirchner wird am Jahresende voraussichtlich 729 Euro pro Person betragen und liegt deutlich unter dem Schnitt des Freistaats Bayern.

Ulrike Küster (Grüne) sprach von einem glücklichen Haushalt, der erfreulicherweise ohne Grundstücksverkäufe auskomme. Die Kreisumlage sieht sie gut angelegt, um wichtige Einrichtungen des Landkreises wie beispielsweise das Krankenhauses und das sonderpädagogische Förderzentrum finanzieren zu können. Wichtig sei es, als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Insgesamt könne ihre Fraktion dem Haushalt aber mit leichtem Herzen zustimmen.

Torsten Hensel (FWG) richtete seinen Dank an die Gewerbetreibenden und Bürger: „Dass in Holzkirchen finanziell die Sonne scheint, ist nicht zuletzt deren Verdienst.“ Er bat darum, weiterhin die Ortsteile im Blick zu behalten. Als Beispiel nannte er das leer stehende Schulhaus in Hartpenning, das dringend angegangen werden soll. Aber auch für die FWG galt: „Wir stimmen mit gutem Herzen zu.“ CSU-Fraktionssprecher Sebastian Franz sprach von einem Haushalt der Superlative, bei dem fast alle Wünsche der Bürger berücksichtigt werden.

Für die SPD führte Elisabeth Dasch aus: „2019 hat uns eine wunderbare Situation beschert, die es uns ermöglicht, völlig unproblematisch unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen.“ Nicht zuletzt trug zu den guten Zahlen nach ihrer Einschätzung die oft kritisierte Ansiedlung von Betrieben im Gewerbegebiet-Nord bei. Um anstehende Projekte stemmen zu können, schlug auch Dasch vor, sich um mehr Personal und attraktive Arbeitsplätze zu kümmern und an der Erweiterung des Rathauses festzuhalten.

Dirk Kreder (FDP) meinte anerkennend, dass diesen unglaublichen Haushalt nicht nur Glück, sondern vor allem gutes Wirtschaften ermögliche. Zu den Prognosen der Folgejahre riet er allerdings zu Vorsicht und empfahl, bei Großprojekten auf Sicht zu fahren. hac

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