Endspiel mit Gott

Neujahrsempfang des Hospizkreises: Gedanken über Leben und Ewigkeit

Zu den Themen Tod, Ewigkeit und Gott referierte Matthias Beck auf Einladung von Gräfin Franziska von Drechsel, Vorsitzende des Hospizkreises.
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Zu den Themen Tod, Ewigkeit und Gott referierte Matthias Beck auf Einladung von Gräfin Franziska von Drechsel, Vorsitzende des Hospizkreises.

Holzkirchen – Über das Endspiel mit Gott sowie Gedanken über Leben und Ewigkeit referierte Professor Matthias Beck beim Neujahrsempfang des Hospizkreises.

Der Saal im St.-Anna-Haus war komplett gefüllt, als Gräfin Franziska von Drechsel, Vorsitzende des Hospizkreises Miesbach, Mitglieder und Freunde der Hospizbewegung begrüßte und den diesjährigen Gastredner Matthias Beck vorstellte. Für sein kurzweiliges Referat mit dem Titel „Endspiel“ erntete der Professor begeisterten Applaus.

Die Vorschusslorbeeren, die er bei der Anmoderation bekam, waren nicht ohne. Schließlich setzt sich Beck seit vielen Jahren als Pharmazeut, Dermatologe und Theologe mit Krankheit und Seele auseinander. Heute wirkt der 1956 in Hannover in ein evangelisch-katholisches Elternhaus geborene Gastredner als Professor an der Universität Wien mit dem Schwerpunkt Medizinethik. Zudem ist Beck unter anderem Mitglied der österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, der Beratergruppe der europäischen Bischofskonferenzen in Brüssel und der europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Er hat sich vor acht Jahren zum römisch-katholischen Priester weihen lassen und fordert in dieser Position auch eine grundsätzliche Reformierung der Kirche.

Mit einer für das Publikum ansteckenden Leichtigkeit nahm Beck seine Zuhörer mit auf eine Reise zu seinen Vorstellungen über das Leben, wie es gelingen kann und warum Gott in allem der letzte Grund ist. Zum Phänomen des Lebens und zu dessen Ende meinte Beck: „Wenn wir im Endspiel sind, sind wir schon ziemlich weit gekommen und eigentlich kurz vor dem Ziel. Der Tod kann aber niemals das Ziel des Lebens sein.“ Denn ein Ziel lasse sich auch verfehlen, der Tod aber nicht.

Was nach dem Tod komme, sei vielmehr der Eintritt in eine neue Dimension, die sogenannte Ewigkeit. In ihr lösen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Raum und Zeit auf. Er veranschaulichte das mit einer Melodie, bei der man den letzten Ton noch im Ohr hat, den jetzigen hört und den zukünftigen vorausahnt. Zum Ende des Lebens treten die wesentlichen Dinge zu Tage. „Die Wahrheit bricht sich Bahn“, wie Beck es ausdrückt.

Er stellte fest, dass der seelische Schmerz in dieser Phase, etwas nicht mehr gut machen zu können, die Hölle auf Erden ist. An dieser Stelle lobte Beck ausdrücklich die Sterbebegleiter: „Es hat eine unglaublich erlösende Kraft, wenn sie den Sterbenden zuhören, die richtigen Fragen stellen und sie zu Wort kommen lassen, damit sie sich ihren Kummer von der Seele reden können.“ Den dafür notwendigen Gesprächsraum zu schaffen, sei eine zutiefst menschliche und priesterliche Aufgabe, stellte Beck fest: „Erinnern wir uns, mit Jesus Christus starb am Kreuz ein Mann, der am Ende seines Lebens darüber redete, dass er einiges vermurkst hatte. Jesus hörte zu und danach war kein Glaubenslehrer der erste Heilige im Himmel, sondern ein Schwerverbrecher.“ Wie er selbstkritisch meinte, habe da die Kirche seither einiges verpasst, weil sie sich zu einer Rechtsinstitution entwickelt habe, die den Menschen einredet, ein Sünder zu sein, anstatt sie freudig zu begrüßen.

Zu der damit untrennbar verbundene Frage „Gibt es Gott?“ meinte Beck: „Ich glaube nicht an Gott, ich weiß, dass es ihn gibt.“ Warum das so ist, erklärte er mit den Lehren von Thomas von Aquin, der auf die Frage „Gott hat die Welt erschaffen, aber wer hat Gott geschaffen?“ antwortete „Niemand, er ist aus sich selbst entstanden.“ Beck verglich das mit Sehen oder dem Herzschlag, die jeder als selbstverständlich empfindet, aber die es eigentlich nicht sind.

Der Glaube helfe nach Becks Worten auch, auf dem Karussell des Lebens einen festen Stand zu finden. In diesem Zusammenhang verurteilte er das Streben, das Leben künstlich zu verlängern. Zum Ende kam Beck dann noch einmal auf den sportlichen Titel seines erfrischenden Vortrages zurück: „Jenseits des Endspiels, das wir alle erreichen werden, gibt es die Gold- oder die Silbermedaille. Oder das, was wir Himmel nennen.“ hac

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