Miteinander reden statt übereinander

Studierende der Landwirtschaftsschule im Dialog mit Gymnasiasten

Studierende der Landwirtschaftsschule mit Lehrkräften: (v.r.) Manfred Reber vom Gymnasium Holzkirchen, Thomas Huber aus Unterhaching, Josef Mayer aus Dietramszell, Martin Leitner aus Schliersee, Klaus Oettl aus Kreuth, Peter Trenkler aus Emmering und Rolf Oehler von der Landwirtschaftsschule Holzkirchen. (Hinweis: Das Foto ist vor der Corona-Krise entstanden.)
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Studierende der Landwirtschaftsschule mit Lehrkräften: (v.r.) Manfred Reber vom Gymnasium Holzkirchen, Thomas Huber aus Unterhaching, Josef Mayer aus Dietramszell, Martin Leitner aus Schliersee, Klaus Oettl aus Kreuth, Peter Trenkler aus Emmering und Rolf Oehler von der Landwirtschaftsschule Holzkirchen. (Hinweis: Das Foto ist vor der Corona-Krise entstanden.)

Holzkirchen – Studierende der Landwirtschaftsschule Holzkirchen haben vor Kurzem Schüler des Gymnasiums besucht. Ziel war, Missverständnisse und Vorurteile zu verringern.

Die Studierenden des 3. Semesters der Landwirtschaftsschule Holzkirchen besuchten im Rahmen ihres Rhetorikunterrichts noch vor der Corona-Krise die Schüler der Q11 des Gymnasiums Holzkirchen. Ziel war der Dialog mit jungen Verbrauchern, um Missverständnisse und Vorurteile auf beiden Seiten zu verringern. Schulleiter Axel Kisters vom Gymnasium wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass viele von Protesten seitens der Landwirtschaft erfahren hätten. Doch worüber und warum die Landwirte unzufrieden sind, wüssten nur die wenigsten. „Wir wissen voneinander oft zu wenig. Deshalb möchten wir euch die regionale Landwirtschaft zeigen“, erklärte Martin Leitner aus Schliersee, Studierender an der Landwirtschaftsschule Holzkirchen.

Diskussionsrunden und Kurzreferat zu aktuellen Themen:

  • Josef Mayer aus Dietramszell zeigte die Struktur der Landwirtschaft in den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz auf. Diese zeichne sich durch ihre Kleinstruktur mit durchschnittlich 25 Milchkühen, 26 Hektar Fläche und einem hohen Anteil von 25 Prozent an ökologisch wirtschaftenden Betrieben aus. Die Studierenden erklärten den Gymnasiasten, dass die kleineren Betriebe einen wesentlichen Beitrag für den Natur- und Umweltschutz leisten, aber auch zur Brauchtumspflege. Durch die kleinere Betriebsgröße seien für Landwirte große Investitionen wie das Umstellen von Anbinde- auf Laufstallhaltung ein gewaltiger Kostenfaktor und somit existenzgefährdend. Auch könnten Kostenvorteile durch größere Tierzahlen nicht ausgeschöpft werden. Problematisch sehen die Studierenden, dass heimische Erzeugnisse in Konkurrenz zu ausländischen Produkten stehen, die aufgrund niedriger Standards im Ausland wesentlich günstiger produzieren könnten.
  • Thomas Huber aus Unterhaching stellte am Beispiel Pflanzenschutz dar, wie durch Vorgaben beim Anwenden, strengen und langwierigen Zulassungsverfahren und persönlicher Fortbildung des Landwirts Lebensmittelsicherheit gewährleistet werde. Huber erläuterte, dass beim sachgemäßen Anwenden auch von Totalherbiziden kein Risiko für Verbraucher bestehe.
  • Das Ausbringen von Gülle werde hauptsächlich mit schlechten Gerüchen in Zusammenhang gebracht. Klaus Oettl aus Kreuth zeigte auf, dass durch organische Dünger ein Großteil der Nährstoffe für die Pflanze bereitgestellt werden. Dies sei die natürlichste Form der Düngung, der Nährstoffkreislauf sei geschlossen. Durch organische Düngung werde auch Kohlenstoff im Boden gespeichert und daher zusätzlich ein Beitrag zum Klimawandel geleistet. An schlechten Gerüchen habe auch der Landwirt kein Interesse, da dies immer mit erhöhten Ammoniakverlusten einhergehe. Durch das Ausbringen bei Regen und entsprechenden technischen Vorrichtungen werde versucht, die Emissionen zu reduzieren, um die Verluste so gering wie möglich zu halten. Die künftigen Landwirte sehen jedoch Probleme beim Umsetzen gesetzlicher Vorgaben, da aufgrund der kleinen Strukturen und Geländeform das Anschaffen teurer Technik unwirtschaftlich sei. Auf Nachfrage der Gymnasiasten erklärten die Studierenden, dass Überdüngung aufgrund gesetzlicher Vorgaben und Kontrollen nicht möglich sei.

Rolf Oehler, Leiter der Landwirtschaftsschule, betonte zum Abschluss, dass viele gesetzliche Änderungen und verschärfte Auflagen, aber auch das negative Image vielen Landwirte große Sorgen bereiteten und sie deshalb ihren Unmut in Straßenprotesten äußerten. Wichtig sei daher vor allem für die jungen Landwirte, mit anderen Jugendlichen, Verbrauchern und künftigen Abnehmern ihrer Produkte ins Gespräch zu bringen und um Verständnis für ihre Probleme zu werben. „Das war hier ein erster Anfang“, lautet das Resümee des Schulleiters. ksl

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