Mehr Spielraum

Wie Holzkirchen günstigeren Wohnungsbau ermöglichen will

Neue Stellplatzsatzung in Holzkirchen
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Mit der neuen Stellplatzsatzung sollen in Holzkirchen Bau- und Mietkosten günstiger werden.

Holzkirchen – Wohnraum ist in Holzkirchen knapp und teuer. Daher hat die Gemeinde nun ein Instrument für künftige Bauherren zum günstigeren Bauen gefunden.

In seiner Sitzung hat der Marktgemeinderat Holzkirchen vor Kurzem einstimmig eine neue Stellplatzsatzung verabschiedet. Mit den neuen, für die nächsten 20 Jahre gültigen Bestimmungen folgte das Gremium den Ansprüchen einer zeitgemäßen Mobilität. Künftig können so kleinere Wohnungen günstiger gebaut und kluge Mobilitätskonzepte oder genossenschaftliche Wohnprojekte gefördert werden. Außerdem sollen davon der Einzelhandel und Gaststätten profitieren können, was wiederum der Belebung des Ortszentrums zu Gute kommen soll.

An hohen Bau- und somit Mietkosten haben flächenfressende Stellplätze oder teure Tiefgaragen einen erheblichen Anteil. Dem möchte die Gemeinde entgegenwirken und gewährt künftig, die bisher notwendigen Stellplätze um 25 Prozent zu reduzieren, wenn sich der Vermieter verpflichtet, 20 Jahre eine um 25 Prozent günstiger Miete als ortsüblich zu verlangen. Bezüglich Rechtssicherheit sei das möglich, wie Michael Beisse von der Kanzlei Döring-Spieß sagte. Der Rechtsanwalt empfahl aber, dazu städtebauliche Verträge zu schließen.

Ein weiteres Instrument stellte bei der Sitzung Christian Bittner vom Münchner Beraterbüro Stattplan mit dem Antrag „Mobilitätskonzept Holzkirchen“ vor. Bauherren oder Bauwerber wie bei der Konzeptvergabe an der Maitz, können damit ihre Ideen vorlegen, wie beim Bau ihrer Immobilie der Verkehr reduziert werden kann. Angewendet werden soll das Verfahren bei Bauvorhaben mit mehr als zehn Wohnungen. Mit dem Formular kann die Plausibilität der Maßnahmen schnell und relativ einfach überprüft werden, gleichzeitig soll es Transparenz garantieren. Findet der Vorschlag bei der Gemeinde Zustimmung, können Stellplätze und damit Geld eingespart werden. Wobei die letztendliche Entscheidung aber immer eine Ermessenssache der Gemeinde bleibt.

Holzkirchen bevorzugt günstigeren Wohnraum

Ein schlüssiges Car-Sharing-Modell kann zum Beispiel zu einer Reduzierung von 30 Prozent der bisher geforderten Stellflächen führen. Außerdem könnte durch ausgewiesene Fahrradstellplätze und bereitgestellte Miet­räder an neuen Wohnquartieren der Radverkehr innerörtlich und im Nahbereich des ÖPNV gefördert werden und deshalb auch zu einem geringeren Stellplatzschlüssel führen. Wobei das aber laut Bittner auch kontrolliert werden muss: „Reparatur und Wartung müssen gesichert sein, zwei Krücken und ein Lastenfahrrad mit platten Reifen sind kein Bike-Sharing-Konzept.“ Welche rechtlichen Schritte in so einem Fall möglich sind, ließ Beisse offen. In jedem Fall sollte die Vereinbarung als Anlage zur Baugenehmigung genommen werden.

Bei dem Berechnungsschlüssel monierte Josef Sappl sen. (CSU), dass Parkflächen für Handwerker und Pflegedienste nicht berücksichtigt würden. Diese wurden laut Bittner tatsächlich nicht betrachtet. Wie Doris Hötzendorfer vom Bauamt sagte, muss das, wie bisher auch schon, im öffentlichen Raum stattfinden.

Hervorragendes Steuerelement für günstigen Wohnraum

Die Bedenken Sappls teilte zwar Wolfgang Huber (SPD), aber er war von dem Entwurf trotzdem angetan: „Da steckt eine Menge Hirnschmalz drin.“ Simon Ammer (SPD) hätte gerne die Bindungsfrist von 20 Jahren herausgenommen. Bürgermeister Christoph Schmid warb dafür aber um Verständnis: „Wir wissen nicht, wie sich die Mobilität in der Zukunft verändert, aber wir haben uns viele Gedanken gemacht. Falls nötig müssen wir halt nachjustieren.“

Begeisterung rief die neue Satzung bei Robert Wiechmann (Grüne) hervor: „Mit der Satzung haben wir ein hervorragendes Steuerelement für günstigen Wohnraum und wir pushen neue, ökologische Wohnformen. Der Zielkorridor ist genau richtig, an Stellschrauben können wir immer noch drehen.“

Zugleich Belebung der Holzkirchner Ortsmitte

Mehr Bürgerfreundlichkeit bestätigte der Satzung auch Sebastian Franz (CSU). Dass sie zudem durch einen um ein Drittel reduzierten Parkplatzschlüssel für Arztpraxen, den Einzelhandel und die Gastronomie eine Erleichterung und Belebung der Ortsmitte mit sich bringen kann, sei zudem ein gutes Zeichen.

Einstimmig beschloss das Gremium schließlich, die bisherige, aus dem Jahr 1995 stammende Satzung aufzuheben und mit dem neuen Werk zu ersetzen. hac

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