Holzkirchen und Irschenberg verlängern Engagement

Projekt Öko-Modellregion geht weiter - diese gute Idee steckt dahinter

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Stephanie Stiller managt die Öko-Modellregion und warb für das Projekt.

Holzkirchen/Irschenberg - Öko-Modellregion - hinter dem fad klingenden Begriff verbirgt sich ein interessantes Projekt, das uns alle betrifft. Das steckt dahinter:

Seit Juni dieses Jahres ist Stephanie Stiller Managerin der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland. Etwa zeitgleich begann sie mit ihrer Vortragstour durch die 17 Gemeinden des Landkreises, um die Ratsgremien zu bitten, sich ab Oktober 2020 weitere drei Jahre an dem Projekt zu beteiligen. Ihr Referat überzeugte kürzlich auch in Holzkirchen und Irschenberg.

Wie in den dreizehn anderen Gemeinden zuvor fiel die Entscheidung pro Öko-Modellregion auch dort einstimmig. Ziel der Öko-Modellregionen ist es, bäuerliche Familienbetriebe zu erhalten, die regionale Wertschöpfung zu steigern und dank einer kleinteiligen landwirtschaftlichen Struktur die Kulturlandschaft des Oberlandes zu erhalten.

Die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland umfasst den Landkreis Miesbach und ist mit gut 30 Prozent an Bio-Bauern die Region mit dem höchsten Bio-Anteil in Deutschland. Das war ein Grund, warum das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine Förderung für weitere drei Jahre angeboten hat. Zu dem Bruttobudget in Höhe von 100.000 Euro jährlich schießt das Ministerium degressiv 60, 40 und schließlich 20 Prozent zu. Von den verbleibenden Kosten übernimmt der Landkreis jeweils 50 Prozent. Den Rest sollen die Gemeinden tragen. Im Durchschnitt sind das 1764 Euro jährlich pro Gemeinde, unabhängig von deren Größe.

In ihrem Vortrag stellt Stiller einen Rückblick und die geplanten weiteren Schritte ihres Teams vor. Als großen Erfolg wertet sie die Ausgabe von Genussscheinen, mittels derer sich Bürger finanziell an landwirtschaftlichen Betrieben beteiligen konnten. Die Rückzahlung erfolgt mittels Fleischpaketen über einen festgelegten Zeitraum. Auch der inzwischen fast vergriffene Einkaufsführer „Wos Guads ausm Miesbacher Oberland“, in dem 80 Betriebe, Bio-Märkte und viele andere Anlaufstellen mit den Menschen dahinter vorgestellt werden, kam gut an und soll nächstes Jahr in einer erweiterten Neuauflage gedruckt werden.

Außerdem soll in der Region der Bio-Tourismus mittels Wander- und Radwegen forciert werden und die Zusammenarbeit mit der Biostadt München intensiviert werden: „München hat eine hohe Kaufkraft, von der wir profitieren können“, erklärt Stiller.

In Zusammenarbeit mit Kräuterpädagogen und Jägern soll zudem die Produktpalette Wildkräuter und -fleisch gestärkt werden. Wie Stiller sagt, ist da die Zertifizierung noch schwierig, wird aber mit dem federführenden Ministerium in Angriff genommen. „Denn es gibt doch kaum ökologischere Produkte als die, die direkt aus der Natur entnommen werden“, sagt Stiller.

Nicht nur deswegen gefielen dem Holzkirchner Grünen-Fraktionssprecher und Förster Robert Wiechmann Stillers Ausführungen: „Das Konzept, dass die Ideen auch von unten nach oben getragen werden und dann von Ihnen koordiniert und vernetzt werden und wenn möglich Hilfestellungen gegeben werden, finde ich sehr gut. So wird nicht nur die Wertschöpfung, sondern – was unheimlich wichtig ist – auch die Wertschätzung für unsere Landwirte gesteigert.“

Auch Ratskollege Martin Taubenberger (FWG) – selber konventioneller Landwirt – fand anerkennende Worte: „Ich gebe zu, ich war skeptisch. Aber solange mindestens 50 Prozent konventionelle Landwirte mitgenommen werden, sehe ich das inzwischen positiv. Schließlich tragen auch die einen sehr hohen Anteil, unsere Kulturlandschaft zu erhalten.“

Ähnlich äußerten sich die Räte in Irschenberg: „Es ist halt schon ein Nischenprodukt. Dadurch dürfen sich auch nicht die nicht an der Öko-Modellregion beteiligten Landwirte auf den Schlips getreten fühlen“, sagte Klaus Waldschütz (CSU). „Als Bauernverbandsobmann musste ich da schon das eine oder andere Mal Aufklärungsarbeit leisten. Trotzdem, ein Lob meinerseits: Gute Arbeit!“

Wichtig war Stiller zum Schluss festzustellen, dass es keinesfalls im Interesse der Öko-Modellregion sei, die konventionelle Landwirtschaft schlecht zu reden: „Auch wenn nicht jeder bio ist, wir wissen sehr genau, dass alle sehr umweltverträglich arbeiten. Aber wird dürfen halt nur einen Anteil von 50 Prozent aufnehmen.“ hac

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