Treffen werden zum Marathon

Holzkirchner Gemeinderäte von stundenlangen Sitzungen genervt

Abstimmung im Gemeinderat
+
Den Holzkirchner Gemeinderäten dauern die Sitzungen zu lange.

Holzkirchen – Die Sitzungen in Holzkirchen sind mittlerweile so umfangreich, dass es sogar den Gemeinderäten zu lange geht. Nun wird nach Lösungen gesucht.

Kürzlich standen im Sitzungskalender der Marktgemeinde Holzkirchen gleich zwei Sitzungen in einer Woche. Wer dachte, dass dies den Empfehlungen geschuldet war, die Treffen in Corona-Zeiten möglichst kurz zu halten, wurde bitter enttäuscht. Sage und schreibe viereinhalb Stunden dauerte die erste Sitzung, mit über drei Stunden war auch die zweite nur unwesentlich kürzer. Das Kuriose dabei: Die Gemeinderäte beschwerten sich am Ende des zweiten Sitzungsmarathons über ihr eigenes Diskussionsverhalten. Da hatten aber längst alle Zuhörer die Flucht ergriffen.

„Wir drehen uns doch nur im Kreis. Jeder erzählt immer wieder das Gleiche. So geht das nicht. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet und muss das auch morgen wieder tun. Deswegen gehe ich jetzt heim“, sagte Josef Sappl sen. (CSU) nach dreieinhalb Stunden Sitzung, setzte seinen Hut auf und verließ den Ratssaal. Zuvor hatte der Marktgemeinderat über eine Stunde über einen Beschluss zum Auslobungsentwurf für den städtebaulichen Wettbewerb am Bahnhofsareal debattiert. „Ein Irrsinn!“, wie Martin Taubenberger (FWG) nach der Sitzung meinte. Einen Beschluss zu dem Wettbewerb gab es übrigens nicht, weil einige Marktgemeinderäte eine nochmalige Detaildiskussion wünschten.

Bei der zweiten Sitzung ging es nicht viel anders zu: Die meisten Tagesordnungspunkte wurden angeregt und lange diskutiert. Zum Ende der Sitzung bat Sappl dann darum, künftig einen Zeitpunkt festzusetzen, wann dies beendet werden soll: „Da kommt doch sonst nichts mehr raus.“ Bürgermeister Christoph Schmid schlug vor, künftig um 22 Uhr zu fragen, ob die Sitzung fortgesetzt oder vertagt werden solle. Üblicherweise ist in Holzkirchen um 18.30 Uhr Sitzungsbeginn. Dafür bekam Schmid aus der Runde zustimmendes Kopfnicken.

Was folgte, war eine Diskussion, warum denn die Sitzungen überhaupt so lange dauern. So gab Wolfgang Huber (SPD) Sappl recht: „Ich höre hier Themen schon in aller Ausführlichkeit zum dritten Mal, obwohl die eigentlich in den Ausschüssen schon umfänglich behandelt wurden.“ Für Robert Wiechmann (Grüne) ist das nicht verwunderlich: „Ich habe schon bei der konstituierenden Sitzung vor zu kleinen Ausschüssen gewarnt und diese Entwicklung vorhergesagt.“

Für die Grünen-Fraktionssprecherin Ulrike Küster liegt das Manko in zu umfangreichen Tagesordnungen: „Es ist nun mal unsere Aufgabe, darüber zu reden.“ Der Rathaus­chef sieht da hingegen wenig Spielraum: „Viele der Themen begleiten uns schon sehr lange und müssen entschieden werden.“ Außerdem, so Schmid, gebe es immer noch eine Welle von Themen aus der Corona-Anfangszeit abzuarbeiten: „Wir können nichts wegfallen lassen. Ich versuche jedenfalls, in der Situation aus meiner Sicht das Beste zu geben.“ hac

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus der Kurve geflogen: Polizei findet eindeutige Spuren und sucht nach Unfallauto
Aus der Kurve geflogen: Polizei findet eindeutige Spuren und sucht nach Unfallauto
Verheerender Brand im Alten Rathaus in Sauerlach: Bewohner tot aufgefunden
Verheerender Brand im Alten Rathaus in Sauerlach: Bewohner tot aufgefunden
Weiterer Corona-Ausbruch in Seniorenheim im Tegernseer Tal
Weiterer Corona-Ausbruch in Seniorenheim im Tegernseer Tal

Kommentare