Sicherheitsbericht vorgestellt

Holzkirchner Polizei zum Corona-Jahr 2020: Cyber-Kriminalität auf Vormarsch

Johann Brandhuber, Leiter der Polizeiinspektion Holzkirchen
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Trotz gesunkener Aufklärungsquote zieht Johann Brandhuber, Leiter der Polizeiinspektion Holzkirchen, ein positives Resümee zum Sicherheitsbericht 2020.

Holzkirchen – 2020 war ein Ausnahmejahr für die Holzkirchner Polizei. Sie musste sich wegen Corona um Infektionsschutz kümmern. Doch auch Cyber-Kriminalität boomt.

Beim Vorstellen des Sicherheitsberichts 2020 zog Johann Brandhuber, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Holzkirchen, kürzlich eine durchwachsene Bilanz des Jahres 2020. So ist die Zahl der Straftaten deutlich gestiegen, die Aufklärungsquote hingegen zurückgegangen. Dafür machte Brandhuber in erste Linie die massive Zunahme von Delikten aus dem Bereich Cyber-Crime, Callcenter-Betrug sowie Sachbeschädigung verantwortlich.

Hinzu kam das völlig neue Aufgabenfeld im Rahmen der Kontrolltätigkeiten gemäß dem Infektionsschutzgesetz. Zum Vergleich: Im Landkreis Miesbach wurden 2020 insgesamt 3.856 Straftaten festgestellt. Mit 1.636 Straftaten entfielen mehr als 42 Prozent in den Zuständigkeitsbereich der PI Holzkirchen.

Cyber-Kriminalität: Schaden von über 1 Million Euro

„2020 war ganz klar ein Ausnahmejahr und zeigt keine typische Tendenz“, stellte Brandhuber gleich zu Beginn fest. Die Statistik nehme Delikte in den Gemeinden Holzkirchen, Otterfing, Warngau, Weyarn und Valley auf. Ein sattes Plus von 33 Prozent auf 1.636 Fälle (Vorjahr: 1.231) zeigt die Bilanz. Dabei sank die Aufklärungsquote auf 63, 8 Prozent (Vorjahr: 69,1).

Vor allem sei dafür, wie Brandhuber erklärte, der Anstieg im Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte auf 443 Fälle im Jahr 2020 (Vorjahr: 320) schuld. Dabei stiegen die Anzeigen mit Internetbezug im Vergleich zu 2019 um 54 Prozent. Oft säßen dabei die Täter im Ausland. Das erschwere die Ermittlungsmöglichkeiten erheblich und dadurch lasse sich die gesunkene Aufklärungsquote belegen. Insgesamt entstand in diesem Deliktbereich bei der PI Holzkirchen 2020 ein Schaden von über 1 Million Euro.

Telefonbetrug: Gut ausgebildete Verbrecher

Gerade im Bereich Telefonbetrug handle es sich um gut ausgebildete Verbrecher, von denen viele in der Türkei oder in Indien säßen und die sich ein genaues Bild über die Orte und Menschen machen, die sie planen zu berauben. „Es kommt dann gehäuft zu Anrufen falscher Polizisten oder Microsoft-Mitarbeiter. Außerdem funktioniert der Enkeltrick leider immer wieder“, stellte Johann Brandhuber fest.

Das Geld oder die Wertsachen würden dann von sogenannten Läufern vor Ort abgeholt. „Wir können nur auf Aufklärung setzen und immer wieder zur Vorsicht mahnen“, sagte der Leiter der Polizeidienststelle und warnte zudem vor ominösen E-Mails oder Internetgeschäften: „Diese Verbrecher kennen keinerlei Skrupel.“

Exorbitanter Anstieg bei Sachbeschädigungen

Einen Anstieg auf 181 Fälle (Vorjahr: 128) gab es bei Drogendelikten. Die konstant hohen Fallzahlen begründete Brandhuber unter anderem mit der infrastrukturellen Situation im Nordlandkreis und verstärkten Kontrollen. Dabei konnte die Aufklärungsquote um ein knappes Prozent auf 98,4 Prozent leicht gesteigert werden.

Exorbitant gestiegen sind Sachbeschädigungen, die 199-mal (Vorjahr:108) aufgenommen wurden. Dabei sind vor allem Schmierereien zu nennen. Die Gesamtschadensumme in diesem Bereich liege bei gut 140.000 Euro.

Rückgang im Bereich häuslicher Gewalt

Einen deutlichen Rückgang um 29 Prozent gab es hingegen im Bereich häuslicher Gewalt. Brandhuber teilt dabei die Einschätzung von Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr – selbst ehemaliger Polizeibeamter –, wonach wegen geschlossener Gaststätten seltener Alkohol als enthemmender Auslöser im Spiel war. Da die Leute verstärkt im Homeoffice arbeiten, sind schwere Diebstähle und Wohnungseinbrüche um fast 20 Prozent gesunken.

Mit 664 (Vorjahr: 798) Verkehrs- und Kleinunfällen gingen auch die Unfallzahlen zurück, wobei aber drei tödliche Unfälle (Vorjahr: 1) zu verzeichnen waren. Als Haupt­unfallursachen machte Brandhuber 211 Unfälle beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie 151 Unfälle mit zu geringem Sicherheitsabstand aus.

Außerdem wurden 50 Unfälle mit überhöhter Geschwindigkeit registriert. Bei acht Unfällen standen die Verursacher unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Gefahren sieht Brandhuber bei der zunehmenden Zahl von E-Bikes. „Oft unterschätzen sowohl Fahrer als auch andere Verkehrsteilnehmer deren Geschwindigkeit“, erklärte er.

Corona als neues Aufgabengebiet

Als neues Aufgabengebiet tauchen in der Statistik erstmals Verstöße gegen Corona-Auflagen auf. Insgesamt 655 Anzeigen wurden ans Landratsamt Miesbach weitergeleitet. Ein Denunziantentum mochte Brandhuber nicht bestätigen: „Gut 90 Prozent der Verstöße haben wir im öffentlichen Raum festgestellt, meist wegen der Maskenpflicht, nur ganz selten wegen der Ausgangssperre.“

Dabei fallen laut Brandhuber schon mal kritische Töne: „Aber wer außer der Polizei soll es denn sonst kontrollieren?“ Zwar sei wegen der personellen Besetzung der PI noch Luft nach oben, aber die Holzkirchner Bürger können sich auf die Polizei verlassen und sicher fühlen. hac

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