Zweiter Platz bei Abwasserpreis

Innovative Klärtechnik: Darum wird Irschenberg für seine neue Anlage ausgezeichnet

Kläranlage in Irschenberg
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Für das Konzept zum Neubau der Kläranlage erhält die Gemeinde Irschenberg eine außerordentliche Förderung des bayerischen Umweltministeriums.

Irschenberg – Ausgezeichnete Klärtechnik plant die Gemeinde Irschenberg aktuell. Die Anlage muss für rund 6,5 Millionen Euro erneuert werden. Dabei gibt es nun unerwartet Hilfe.

Die Kommune Irschenberg hat Grund zur Freude: Sie bekommt eine außerordentliche Förderung für ihre neue Kläranlage. Planungen für das Projekt laufen bereits seit drei Jahren. Deren Ergebnis wurde nun als sehr gut bewertet und mit dem Abwasserinnovationspreis des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz honoriert. Das bedeutet für die Gemeinde auch: Sie erhält einen Zuschuss, wofür sonst keiner vorgesehen ist.

Sicherlich gut bei einem Vorhaben, das unumgänglich ist. Die bestehende Einrichtung ist bereits über 40 Jahre in Betrieb, die Technik nicht mehr auf dem nötigen Stand. Also kann die Reinigungsleistung nicht mehr erbracht werden. Bald wird die Kläranlage gar nicht mehr funktionsfähig sein. „Es ist bisher keine Notsituation“, erklärt die gemeindliche Geschäftsführerin Irmgard Dinges. Man sei aber frühzeitig in die Planungen gegangen, um eben eine Notsituation zu verhindern.

Dabei ergab sich eine Möglichkeit, am alten Standort zu bleiben, dies auch bei einer Kapazitätserhöhung von 5.000 auf 7.000 Einwohnergleichwerte. „Die neue Anlage ist technisch wieder auf 40 Jahre ausgelegt“, sagt Dinges dazu. Das größere Volumen biete Sicherheit für künftige Entwicklungen der Kommune über diesen Zeitraum.

Individuelle Lösung überzeugt Umweltministerium

Das Verbleiben am alten Standort war der knifflige Teil der Planung. Dafür sprach, dass die Ableitung des geklärten Wassers so am einfachsten zu bewältigen ist. Dennoch muss es in den Schwamhamer Graben eingeleitet werden, der wenig Wasser führt. Eine verträgliche Gestaltung war nötig.

Dafür konzipierte das Miesbacher Ingenieurbüro Schreff ein der Kläranlage nachgeschaltetes Bodenfiltersystem. Durch dieses kann das Wasser besser als jemals zuvor gefiltert sowie Mikroplastikverunreinigungen und Mikroschadstoffe verringert werden. Weitere Komponente der Planung ist eine Teilhygienisierung.

Zweiter Platz bei Abwasserinnovationspreis

Diese individuelle Lösung überzeugte das bayerische Umweltministerium, das im Zweijahresturnus besonders gelungene kommunale Kläranlagenkonzepte mit dem Abwasserinnovationspreis auszeichnet. Den erhielten diesmal die Stadt Neu-Ulm, die Gemeinde Irschenberg und der Abwasserverband Selbitztal. Irschenberg belegte dabei den zweiten Rang und kann mit einer Förderung von bis zu 500.000 Euro rechnen.

Dazu reicht die Kommune nun weitergehende Planungen ein und wird dann die genaue Höhe der Fördersumme erfahren. Weitere Unterstützung für die Irschenberger Kläranlage gibt es seitens des Freistaates nicht, wie die Gemeindegeschäftsführerin bedauert. „Im Abwasserbereich wird nur der Leitungsbau gefördert.“

Baubeginn für 2022 anvisiert

Das bedeutet beim Gesamtvolumen des Projekts in Höhe von 6,5 Millionen Euro, dass die Kommune einen hohen Kostenpunkt zu schultern hat. „Wir wollen die Bürger so wenig wie möglich belasten“, betont Dinges. Die Gemeindeordnung des Freistaats schreibe jedoch ein kostendeckendes Wirtschaften im Bereich Wasser und Abwasser vor.

Derzeit werden verschiedene mögliche Finanzierungsszenarien durchgerechnet. Eines wäre ein einmaliger Sockelbetrag seitens der Bürger kombiniert mit einer Gebührenerhöhung. „Falls nur eine der beiden Optionen gewählt wird, ergäbe sich entweder ein sehr teurer Einmalbetrag oder ein sehr hoher Wasserpreis“, zeigt die Geschäftsführerin auf. Dabei verweist sie darauf, dass noch nichts entschieden sei und weitere Abwägungen – auch in Absprache mit dem Landratsamt – erfolgen würden. Der Baubeginn des Vorhabens sei für 2022 anvisiert, die Fertigstellung bis 2024. maf

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