Beschluss im Gemeinderat

Ja zur Senkung: Bad Wiessee passt Kurbeitrag an übrige Tal-Gemeinden an

Bad Wiessee
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Bad Wiessee senkt 2022 den Kurbeitrag um 30 Cent pro Gast und Tag. So hat es der Gemeinderat beschlossen.

Bad Wiessee – Bad Wiessee senkt den Kurbeitrag und passt ihn an die anderen vier Gemeinden im Tegernseer Tal an. Zuvor wurde das Thema kontrovers im Gemeinderat diskutiert.

Vor rund zwei Jahren hat Bad Wiessee im Alleingang die Kurtaxe von 2 auf 3,30 Euro erhöht und damit für Unmut bei Vermietern wie auch den anderen Talgemeinden gesorgt. Nun war ein Antrag der CSU-Fraktion, den Beitrag auf das talweite Niveau von 3 Euro zu senken, Anlass für eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat. Dabei stützten sich die Antragsteller auf das Ergebnis einer Umfrage unter den Gastgebern: 75 Prozent der Vermieter hatten sich dabei für die Minderung ausgesprochen.

Es war vor allem der zuvor verabschiedete Haushalt 2021, der den Gemeinderäten die Entscheidung nicht gerade leichter machte. Angesichts umfangreicher Investitionen und rückläufiger Einnahmen als Folgen der Corona-Pandemie sei es ein schwieriger Haushalt mit vielen Fragezeichen, betonte Kämmerer Franz Ströbel. Die Überlegung, den Kurbeitrag zu reduzieren, nannte er vor diesem Hintergrund sportlich.

Grüne fordern einheitliche Erhöhung auf 3,30 Euro

Er sei verwundert, dass man in dieser Lage überhaupt über eine Reduzierung reden müsse, erklärte Johannes von Miller von den Grünen. Jährlich fehlten der Gemeinde damit etwa 120.000 Euro. Solidarität mit den anderen Talgemeinden sah er in einer einheitlichen Erhöhung auf 3,30 Euro: „Die wären heute alle froh, hätten sie die 30 Cent mitgenommen.“ Bad Wiessee steuere schließlich am meisten zum Budget der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) bei, finanziere die kostenlosen Gästetickets des RVO und die Differenz bei der Wallbergbahn mit. Diverse Projekte für Gäste seien bereits angestoßen worden, rechtfertigte von Miller: „Das Geld sprudelt nicht, wir brauchen es.“

Man wisse nicht, was die Zukunft bringe, fand Wilhelm Dörder (FWG). Deshalb falle es ihm extrem schwer, für eine Senkung zu stimmen. Bad Wiessee sei eine hervorragende Gemeinde, betonte Klaudia Martini (SPD). Aber man habe nichts zu verschenken. „Seien wir mutig und lassen wir es, wie es ist“, war auch ihr Appell an die Kollegen.

Kurt Sareiter von der CSU gegen Senkung

Als Kurort habe Bad Wiessee größere Aufgaben zu stemmen als die anderen Gemeinden, sagte Fraktionskollege Bernd Kuntze-Fechner. Als Beispiele nannte er Kurorchester und Jod-Schwefelbad. Die Kurtaxe sei ein Beitrag der Gäste, um das Angebots vor Ort zu finanzieren. Er könne sich sogar vorstellen, moderat zu erhöhen, nicht aber zu senken, da später unweigerlich eine kräftige Erhöhung folgen müsse.

Mit einem Verlust von 150.000 bis 200.000 Euro rechnet Kurt Sareiter von der CSU. Er war der einzige, der den Antrag seiner Fraktion nicht unterschrieben hatte und im Beschluss gegen eine Senkung stimmte. Sareiter verwies vor allem auf die Schuldentilgung beim Neubau des Badeparks. Er regte Gespräche mit den anderen Tal-Bürgermeistern an, das Geld zweckgebunden für die Betriebskosten des Badeparks zu verwenden.

Senkung als deutliches Zeichen an Gastgeber

Er habe das Gefühl, er allein bewerte den Antrag seiner Fraktion positiv, befand Thomas Erler. Es würde sich nicht um eine Senkung, sondern um die Rücknahme einer übermäßigen Erhöhung handeln. „Für Vermieter ist es schwierig, dem Gast zu begründen, warum die Kurtaxe hier höher ist“, argumentierte Erler. Dritter Bürgermeister Rolf Neresheimer (Bürgerliste) befürwortete ebenfalls eine Senkung. Ein niedrigerer Beitrag könne eine Reduzierung von Stornos und früheren Abreisen und damit auch längere Aufenthalte bewirken.

Auch Bürgermeister Robert Kühn stimmte für die Senkung – ein deutliches Zeichen an die Gastgeber: „Was in der Vergangenheit gelaufen ist, war kein Team-Spiel, doch dieser Schritt soll eine Heilung sein.“ Dennoch werde langfristig eine deutliche Erhöhung unvermeidbar sein. Mit 12:8 Stimmen beschloss das Gremium schließlich die Senkung. Diese tritt 2022 in Kraft. ger

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