Jubiläum bei Zivilcourage Miesbach / „Kommen aus dem Herzen der Bevölkerung“

Bürger mit Mut

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Das Jubiläum der Zivilcourage Miesbach ließ sich die Landkreispolitik abseits aller Parteigrenzen nicht entgehen. Die richtigen Töne fand – neben den Rednern des Abends – auch der Zusammenschluss aus der „Junge Reida Musi“ und der „Tewkesbury Town Band“.

Niklausreuth – Keine Gentechnik auf den Feldern und Äckern, keine Pflanzengifte, keine Patente auf Pflanzen und Tiere, keine Abhängigkeiten von Agro-Konzernen – stattdessen bäuerliche Landwirtschaft, gesunde Lebensmittel, Regionalität und faire Erzeugerpreise. Für diese Ideale kämpfen die ehrenamtlichen Mitglieder der Zivilcourage durch Informations- und Aufklärungsarbeit. Vergangene Woche feierte das überparteiliche Aktionsbündnis sein zehnjähriges Bestehen.

Das große Festzelt in Niklausreuth war gut gefüllt, trotz Stark­regens kamen rund 650 Zuhörer zum Jubiläum, das von der Jungen Reida Musi gemeinsam mit der Tewkesbury Town Band aus dem englischen Partnerlandkreis musikalisch abwechslungsreich begleitet wurde. Die Kindergruppe des Trachtenvereins zeigte bei Plattlern und Tänzen ihr Können. Bei einer kleinen Ausstellung kamen Gäste mit Vertretern von rund 30 Verbänden ins Gespräch. Zivilcourage-Koordinator und Biobauer Georg Hahn verlas ein Grußwort des bayerischen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner: „Das Engagement der Zivilcourage ist vorbildhaft, denn eine lebendige Demokratie braucht engagierte Bürger vor Ort. Mit der Wertschätzung regional erzeugter gesunder Lebensmittel liegen Sie voll im Verbrauchertrend.“

Auch Landrat Wolfgang Rzehak überbrachte unter großem Applaus klare Botschaften: „Mit Agro-Gentechnik gehen unsere Strukturen kaputt, es entstehen Monokulturen. Patente auf Leben sind eine Versündigung an der Schöpfung. Wir hier im Landkreis wollen nicht, dass unsere kleinen Familienbetriebe kaputtgehen, wir tun was für unsere Kulturlandschaft und stehen hinter unseren Bauern.“ Hans Schönauer, Bürgermeister von Irschenberg und Schirmherr der Veranstaltung, sagte: „Zivilcourage heißt Bürgermut, sich einsetzen, nicht wegschauen. Ihr seid die Gegenbewegung von ,Geiz ist geil‘, euch gebührt Dank und tiefe Anerkennung.“ Die Landwirte, sagte Schönauer, haben „ein Recht auf faire Preise. Und die Verbraucher haben ein Recht auf gesunde Lebensmittel. Den Bauern muss mehr Respekt für ihre Arbeit entgegengebracht werden.“

Landwirtschaftsberater Christoph Fischer aus Söchtenau ist der Gründer der Zivilcourage-Bewegung. Mit einer Fotoschau blickte er auf die vergangenen Jahre zurück. Der charismatische Querdenker ist ein geübter Redner, verpackt seine Botschaften geschickt in Emotionen. Fischer berichtete über die Gründung der Zivilcourage Rosenheim in Rohrdorf, Miesbach folgte bald danach. „Bei der Zivilcourage sitzen Verbände mit dabei, die im normalen Leben wie Hund und Katz sind, aber hier ziehen alle an einem Strang. Das ist gelebte Demokratie.“ Fischer wurde stutzig, als die Konzernmultis mit dem „Heilsversprechen Gentechnik“ warben. Laut Fischer nur heiße Luft: „Bodenfruchtbarkeit, Artenvielfalt, Insektenbestand – alles wurde dramatisch schlechter“. Dazu entwickelten manipulierte Pflanzen Resistenzen, es entstanden teure Patente und finanzielle Abhängigkeiten. GVO-verändertes Saatgut verteilt sich bis 30 Kilometer Entfernung, es werden Lizenzzahlungen fällig, auch wenn man es selbst nie angebaut hat, sagte Fischer. „Es war höchste Zeit, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen.“ Die Aktiven der Zivilcourage fanden schnell Gehör in der Politik, „sie kommen aus dem Herzen der Bevölkerung, sind keine Spinner, sondern angesehene Persönlichkeiten.“ Fischer appellierte an die Zuhörer: „Wir haben diese Erde nur von unseren Kindern geliehen. Es liegt an uns, mit welchen Hypotheken belastet wir sie an die nächsten Generationen weitergeben.“

Christoph Then, Geschäftsführer des unabhängigen Forschungsinstituts Testbiotech, informierte über Patente auf Leben und große Erfolge, die durch hartnäckigen Widerstand, durch Demos und neutrale Aufklärungsarbeit erreicht wurden. Während in Deutschland in diesem Jahr kein Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erfolgte, gibt es laut Then in den USA und Südamerika „ein Wettrüsten auf dem Acker, das die Landwirte nur verlieren können. Man versucht, der Natur Gewalt anzutun.“ Im Festzelt erntete diese Art von Landwirtschaft nur Kopfschütteln, die Besucher ließen sich deshalb umso mehr die ausschließlich im Landkreis erzeugten Brotzeiten und Getränke schmecken.

ole

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