Rzehak: „Dankbar und stolz, dass ihr diese Ausnahmesituation so hervorragend gemeistert habt“

K-Fall im Landkreis Miesbach ist aufgehoben

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Die Führungsgruppe Katastrophenschutz bei der letzten Lagebesprechung.

Landkreis – Elf Tage lang haben insgesamt 8481 Einsatzkräfte gegen die Schneemassen gekämpft, bis das Landratsamt am heutigen Donnerstag endlich die Aufhebung des K-Falls im Landkreis Miesbach verkünden konnte. Zurück bleiben erschöpfte Helfer aus dem Landkreis und ganz Bayern – „und das befriedigende Gefühl, durch den gemeinsamen Einsatz den Landkreis und seine Bürger vor großem Schaden bewahrt zu haben“, berichtet das Landratsamt.

Als erster von fünf Landkreisen rief der Landkreis Miesbach am 7. Januar den Katastrophenfall aus. „Dass die rechtzeitige Feststellung allerdings absolut gerechtfertigt war, zeigte der weitere Verlauf: Tausende Einsatzkräfte, darunter Hilfskontingente aus ganz Bayern und die Bundeswehr, kämpften seitdem mit den Schneemassen“, erklärt das Landratsamt. Nicht die Schneehöhe, sondern die besonders schwere, nasse Beschaffenheit des Schnees bereiteten Probleme.

Schwerwiegende Schäden blieben aus, „was neben einer großen Portion Glück auch an der frühzeitigen, professionellen Organisation lag“, heißt es weiter. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz trat am 7. Januar bei der unteren Katastrophenschutzbehörde unter der Leitung von Verwaltungsdirektor Martin Pemler zusammen und organisierte seitdem alle Einsätze im 24-Stunden-Schichtbetrieb. In der Führungsgruppe Katastrophenschutz waren durchgehend alle beteiligten Organisationen vertreten, so konnte eine gemeinsame Strategie für alle betroffenen Bereiche entwickelt werden. „Das ist der Vorteil der Feststellung des K-Falls: Nur unter einer gemeinsamen Leitung kann man dem großen Koordinierungsbedarf an Einsätzen und Einsatzkräften gerecht werden“, heißt es aus dem Landratsamt.

Die Örtliche Einsatzleitung übernahm Kreisbrandrat Anton Riblinger. Vertreten wurde er durch die Kreisbrandinspektoren Karl Limmer und Andreas Schwabenbauer. „Wir haben alles gerettet, was zu retten war“, sagt Kreisbrandrat Riblinger. Kein Wohnhaus sei zusammengebrochen, kein Menschleben verloren. „Die Arbeit der Einsatzkräfte besonders auf den Dächern ist sehr gefährlich. Ich bin froh, dass nichts passiert ist.“

Einzig ein Fahrradunterstand am Bahnhof Bayrischzell stürzte ein. Die Polizeiinspektionen verzeichneten 93 Verkehrsbehinderungen, drei eingeschneite Verkehrsteilnehmer, acht Verkehrsunfälle mit Personenschaden (kein tödlicher Verkehrsunfall) und 106 Verkehrsunfälle mit Sachschäden. 17 Einsatzkräfte verletzten sich. Alle konnten nach einer ambulanten Behandlung aber wieder entlassen werden. Über 200 Menschen wurden kurzfristig evakuiert, konnten aber nach der Dachräumung wieder in ihre Häuser zurück. Die vorbereiteten Notunterkünfte für 1100 Menschen in den Turnhallen mussten nur für die externen Einsatzkräfte, nicht für Evakuierte, genutzt werden.

Durch den Schnee gab es gleichzeitig mehrere Problemlagen: Zuerst verstopfte der schwere Schnee die Straßen und musste aufwendig gefräst und wegtransportiert werden. Viele Straßen mussten wegen Schneebruch gesperrt werden. Der Schienenverkehr wurde eingestellt. Sichere Schulwege konnten nicht mehr gewährleistet werden. Als Konsequenz musste an sieben Schultagen der Unterricht an allen Schulen im Landkreis entfallen.

Zusätzlich mussten die Spitzingstraße, die Sudelfeldstraße und die Bundesstraße 307 bei Wildbad Kreuth wegen Lawinengefahr immer wieder gesperrt werden. Am Spitzing und am Sudelfeld gingen mehrere Lawinen ab und verschütteten immer wieder die Straße.

Als größtes Problem stellte sich die Schneelast auf den Dächern heraus. Nach Begutachtung durch die Baufachberater des THW mussten zig Dächer abgeräumt werden. Zuerst wurden die großen Dachflächen und Flachdächer abgeschaufelt, die bei großer Last besonders gefährdet sind. „Bei manchen Dachflächen waren Hundertschaften tagelang beschäftigt, um die schweren, nassen Schneemassen zu entfernen“, schreibt das Landratsamt.

Große Sorge bereitete den Einsatzkräften die Dachlasten in Bayrischzell: „Hier mussten ungefähr 400 Dächer abgeschaufelt werden. Allein in den vergangenen drei Tagen waren in Bayrischzell 2300 Einsatzkräfte mit Schaufeln beschäftigt.“ Zur Koordinierung der Einsatzkräfte wurde in Bayrischzell eine extra Einsatzleitung stationiert. „Noch ist diese Schadenslage nicht abgearbeitet. Bis zum Ende des Einsatzes am Wochenende gilt hierfür zwar nicht mehr der K-Fall nach Artikel 6 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetztes, aber Artikel 15 KSG (für Schadenslagen an der Grenze zur Katastrophe)“, erklärt das Landratsamt.

Landrat Wolfgang Rzehak zeigte sich tief beeindruckt von der Kameradschaft und den Zusammenhalt der Einsatzkräfte im Landkreis: „Als Landrat bin ich dankbar und stolz, dass ihr diese Ausnahmesituation so hervorragend gemeistert habt.“ Die Anspannung war enorm für alle Beteiligten. Er sei froh, dass der Landkreis von größerem Schaden verschont geblieben ist. „Was die Führungsgruppe und die Einsatzkräfte in den letzten elf Tagen geleistet haben, ist der Wahnsinn. Danke für euren Einsatz!“, sagte Rzehak, kurz bevor er den Katastrophenfall für den Landkreis Miesbach um 16.57 Uhr aufhob. she

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