Kein Anrecht auf schöne SichtKein Anrecht auf schöne Sicht

„Grünes Wasserl“: Ortstermin des Landratsamtes / Kritik durch Nachbars-Ehepaar

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Thomas Eichacker (l.) erklärte beim Pressetermin grundlegend, wie das „Sanierungskonzept“ des Lagerplatzes am „Grünen Wasserl“ aussehen solle. Details wollte er noch nicht nennen.

Kreuth – Eigentlich ist das „Grüne Wasserl“ ein idyllisches Fleckchen am Ringsee. Doch um das Biotop auf dem Gemeindegebiet Kreuth ist ein Streit entbrannt: Dort, genauer auf dem angrenzenden Lagerplatz an der Bundesstraße, soll eine Splitthalle für das nahe Kieswerk entstehen (wir haben berichtet). Um die Zufahrt zum Werk zu gewährleisten, musste ein Stück des Grünen Wasserls aufgeschüttet werden, als Ausgleich lässt das Landratsamt laut eigener Aussage die fünffache Fläche dieses Stücks renaturieren. Unterstützung gibt es für das Vorhaben vonseiten der Talbürgermeister und des Landratsamts. Dem gegenüber stehen das Nachbars-Ehepaar Pagenberg und Naturschützer. Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, was das begonnene „Sanierungskonzept“ des Platzes beinhaltet, lud das Landratsamt am Freitag vergangener Woche zum Ortstermin.

Es bestehe öffentliches Interesse daran, dass die Halle gebaut werde, sagte Thomas Eichacker, Abteilungsleiter Umwelt am Landratsamt. Zwar beziehen die Talgemeinden bereits Splitt aus dem Kieswerk, jedoch sei dies nur mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt möglich, „im Winter ist alles zusammengefroren“, erklärte Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider. Das Material müsse dann von weiter her beschafft werden, was durch die zurückgelegten Kilometer der Transporter zu Lasten der Umwelt gehe. Um Kapazitäten zu schaffen und damit die Gemeinden keine Plätze für Lagerflächen finden müssen, haben sich die Talbürgermeister in ihrem Schreiben an das Landratsamt von 2015 (wir haben berichtet) für den Lagerplatz direkt am Kieswerk ausgesprochen, erklärte Bierschneider. Ein weiteres Plus: Die Halle könne Lärm-

emissionen durch die Laster abfangen, die bereits über den Lagerplatz, am Haus der Familie Pagenberg vorbei über deren Grundstück, in Richtung Kieswerk fahren. Die Halle solle so gestaltet werden, „dass sie das Ortsbild nicht verschandelt“, sagte Bierschneider. Heißt: Die Längsseite führt entlang des Radweges und läuft quasi parallel zum Haus der Pagenbergs. Die hingegen sprechen sich entschieden gegen den Bau aus. Die Beeinträchtigungen fallen geringer aus, werde die Halle parallel zur Bundesstraße gebaut, führte Birgitt Pagenberg an. „Nein!“, widersprach Thomas Eichacker und machte deutlich: „Ein Recht auf eine schöne Aussicht gibt es nicht.“ Dass diese für das Ehepaar gemindert werde, „stelle ich nicht in Abrede“, sagte er. Jedoch sei die Halle von öffentlichem Interesse. Mit dem Bau der Halle, der Renaturierung eines Teils der Lagerfläche, der Festschreibung ihres Status Quos und der Entzerrung von Radweg und Zufahrt sei eine Gesamtlösung gefunden worden, „von der alle profitieren“, sagte Eichacker. Doch warum wird die Halle nicht direkt auf dem Gelände des Kieswerks gebaut? So könne verhindert werden, dass die Laster durch das Landschaftsschutzgebiet fahren müssen, erklärte Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz auf Nachfrage. Diese Aussage lässt Jochen Pagenberg nicht gelten. Er gibt zu bedenken, dass die Halle auf dem Lagerplatz ja auch vom Kieswerk aus befüllt werden müsse, womit es auch zu Fahrten durch das zu schützende Gebiet komme. Die lautstärksten Aktionen seien ohnehin das Be- und Entladen. Zudem zeigte sich Pagenberg, der gegen den Bau bereits Klage eingereicht hat, von der begonnenen Renaturierung nicht überzeugt. Bislang zeugt von dem Vorhaben ein Graben am Rande des Lagerplatzes. Dort hinein soll sich das „Grüne Wasserl“ ausbreiten können. „Das ist keine Renaturierung im schönen Sinne, sondern nur die Hoffnung, dass wieder was blüht“, sagt Pagenberg. Seine Hoffnung wiederum liegt auf einem Ortstermin seitens des Verwaltungsgerichts. „Der Vorwurf der Naturzerstörung ist nicht nachvollziehbar“, findet Eichacker. „Die Natur wird sich den Bereich zurückholen.“ Das derzeitige Konzept mit Renaturierung und Hallenbau stelle einen guten Kompromiss für die Interessengruppen dar.

Wer grundlegend für das Anlegen des Lagerplatzes, der sich im Laufe der Zeit immer weiter ins Biotop ausgebreitet hat, verantwortlich sei, könne nicht mehr nachvollzogen werden, erklärte Eichacker. Eine Bemängelung gebe es seitens des Landratsamtes bereits seit den 80er Jahren, jedoch sei die Behörde „nie konsequent eingeschritten“, sagte Eichacker. Dies ändere sich nun.she

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