„Keine größere Überplanung“

Schliersee: Flächennutzungsplan soll bleiben / Aufschub bei Ostergrabenbrücke

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Keinen dringenden Handlungsbedarf sieht der Gemeinderat in Schliersee bei der Brücke über den Ostergraben. Jetzt sollen zuerst nochmal alle Möglichkeiten intensiv geprüft werden.

Schliersee – Der Flächennutzungsplan, der die die städtebauliche Entwicklung der Marktgemeinde Schliersee steuert, ist in die Jahre gekommen. Tatsächlich ist er von 1978, erklärte Franz Schnitzenbaumer in der jüngsten Gemeinderatssitzung. An Aktualität habe er laut Bürgermeister deshalb noch lange nicht verloren. Michael Dürr (PWG) fordert seit Jahren eine Überarbeitung und Digitalisierung des Flächennutzungsplans.

Während die Digitalisierung bereits läuft, stößt eine neue Überplanung Schliersees nicht auf Begeisterung im Gemeinderat. Seit seiner Erstellung wurde der Plan rund 30 Mal punktuell und anlassbezogen geändert. Der Bürgermeister empfiehlt, lieber weiterhin über einzelne Projekte zu entscheiden, als jetzt falsche Signale nach außen zu senden. „Ich warne davor, in eine größere Überplanung einzusteigen“, sagte der Rathauschef.

Michael Dürr hielt dagegen. Sogar der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München habe laut Dürr eine Überarbeitung empfohlen. Schnitzenbaumer sieht das anders: „Es gibt keinen Empfehlungsbeschluss, es war nur eine Arbeitssitzung.“ Gerhard Krogoll (CSU) möchte keinesfalls ein Büro von außen etwas planen lassen und er wundert sich auch nicht, dass das ein Planungsbüro empfiehlt, da sich ja sehr viel Geld damit verdienen lasse.

Dürr ging noch einen Schritt weiter. Er möchte die Bürger von Schliersee in den Prozess mit einbeziehen. Florian Guggenbichler (DS) setzte dagegen: „Ich sehe das genau andersherum – eine Überplanung weckt unglaubliche Begehrlichkeiten.“ Er findet den Plan nicht schlecht und hat Angst davor, dass gewachsene Strukturen kaputt gemacht werden. Jürgen Höltschl (CSU) warnte davor, eine Planung aus der Hand zu geben. Auch Robert Mödl (DS) und Wolfgang Schauer (Ausschussgemeinschaft PWG) möchten weiterhin an projektbezogenen Änderungen festhalten. Einen neuen Flächennutzungsplan wird es in naher Zukunft in Schliersee sicher nicht geben.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung war die Sanierung der Ostergrabenbrücke. Das Vorhaben an sich schon beschlossen, die geplante Maßnahme aber zu teuer, hatte der Marktgemeinderat das Ingenieurbüro Dippold & Gerold beauftragt, nach einer günstigeren Alternativlösung zu suchen (wir haben berichtet). Als Möglichkeiten wurden vom Gemeinderat im November eine Fertigbrücke oder ein Stahlrohrdurchlass in den Raum gestellt. Michael Schütte vom Ingenieurbüro erklärte, dass ein Stahlrohrdurchlass technisch sehr schwierig umzusetzen wäre, da durch den großen Durchmesser des Rohres der Kanal tiefergelegt werden müsse und die Brücke nach oben herausragen würde. Auch kostentechnisch sei das keine Option.

Aber zusätzlich zu der in der November-Sitzung vorgestellten Variante für etwa 400.000 Euro mit Bohrpfählen, hatte Schütte zwei weitere Möglichkeiten gefunden: beides Fertigteilkonstruktionen. Mit etwa 13 Prozent liegen die Alternativen günstiger, aber auch bei der zuerst vorgestellten Möglichkeit mit den Bohrpfählen sieht Schütte durchaus noch Einsparungspotenzial.

Wolfgang Schauer (Ausschussgemeinschaft PWG) fragte, ob Schütte denn auch die Streckenführung der Brücke nochmal überprüft hätte, wie vom Gemeinderat gewünscht. Hier erklärte der Experte, dass durch eine geänderte Brückenführung sich die Brückenfläche vergrößern würde und die Kosten somit steigen. Ein weiteres Problem sieht er mit den Eigentumsverhältnissen. „Das muss man zuerst einmal mit den Grundeigentümern klären“, sagte Schütte.

Nachdem es keinen besonderen Druck durch einen sehr schlechten Zustand der Brücke gibt, möchte es der Gemeinderat langsam angehen und erst einmal die Ergebnisse der Statik abwarten. Für eine Beauftragung der Statikberechnung und eine Berechnung der Mehrkosten durch eine geänderte Straßenführung entschloss sich der Gemeinderat einstimmig. 

jw

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