„Da geht noch mehr“

Klimaneutral bis 2035? Dieses Potenzial hat Gmund zum Energiesparen

Ausschnitte eines gebäudescharfen Wärmekatasters für Gmund
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Der Energienutzungsplan zeigt unter anderem Ausschnitte eines gebäudescharfen Wärmekatasters wie hier für Gmund, um Einsparpotenziale für Hausbesitzer zu visualisieren.
  • vonDaniela Skodacek
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Gmund – Nun liegt der Gemeinde Gmund ein Energienutzungsplan vor. Und der sieht an vielen Stellen Potenzial zum Sparen.

„Es gäbe viele Potenziale, es spricht sich nur sehr zäh herum“, sagte Andreas Scharli vom Kompetenzzentrum Energiewende Oberland (EWO), als es im Gmunder Gemeinderat kürzlich um den Energienutzungsplan für die Kommune und notwendige Investitionen ging. Überdies entschieden die Gemeinderäte, am Energieeffizienznetzwerk teilzunehmen.

Wenn eine Gemeinde erreichen möchte, dass ihre Einwohner Energie einsparen, muss sie wohl mit gutem Beispiel vorangehen. Um die eigene Lage in Bezug auf Optimierungen und Effizienz zu überprüfen, wurde 2019 die EWO beauftragt, einen Energienutzungsplan für Gmund zu erstellen und darin auch die künftig notwendigen Planungen zu erfassen.

Wärmewende hat das größte Potenzial

Bereits in der Märzsitzung wurde den Gemeinderäten das damals fast fertiggestellte Planungsinstrument präsentiert. Ab sofort ist das 118 Seiten umfassende Werk abrufbar unter www.gemeinde.gmund.de.

Energieberaterin Christiane Regauer von der EWO koordinierte das Projekt und erläuterte die wichtigsten Erkenntnisse. Wärme beispielsweise mache mit über 55 Prozent den größten Anteil am Energieverbrauch in der Gemeinde aus. Das sei allerdings ein normaler Verbrauchswert im Vergleich zu anderen Städten. „In der Wärmewende ist der allergrößte Teil in Sachen Energieeinsparung zu machen“, betonte Regauer. Dort liege der Anteil erneuerbarer Energien derzeit bei 6,7 Prozent. Der Einsatz von erneuerbaren Energien beim Strom sei mit 7,4 Prozent noch ausbaufähig. „Da hat sich noch zu wenig getan in der Gemeinde in den vergangenen Jahren. Da geht noch mehr.“ Zu bedenken sei aber auch, dass die Papierfabriken im Ort viel Energie verbrauchen.

Bis 2035 klimaneutral?

Größtes Handlungspotenzial habe die Gemeinde bei den zahlreichen eigenen Liegenschaften wie Bauhof, Feuerwehr, Grundschule, Mehrzwecksaal und Rathaus. Ein Fazit der Untersuchungen lautete: Wenn die Potenziale aller fünf Träger erneuerbarer Energie – von Solarthermie über Stückholz, Pellets bis Erdwärme und langfristig auch Abwärme – genutzt werden, könnten 2035 alle Verbräuche der gemeindlichen Liegenschaften mit erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Andreas Scharli, Energiemanager bei der EWO und selbst gelernter Heizungstechniker, erörterte bereits umgesetzte Arbeiten. Auch künftig werde er mögliche Optimierungen im Gemeindegebiet nahe legen sowie Einsparpotenziale und notwendige Investitionen zu erneuerbaren Energien, Leerrohrverlegung, Gasleitungsbau oder Nahwärmenetz aufzeigen. „Die Potenziale sind da – beim Energieverbrauch wie bei der Energieerzeugung“, sagte Scharli. Ob Photovoltaikfolien auf Flachdächern oder -anlagen auf Carports. Andreas Scharli empfahl den Gemeinderäten daher, den Flächennutzungsplan noch einmal genauer anzuschauen und Potenziale eventuell hinein zu schreiben.

Beitritt zum kommunalen Energieeffizienznetzwerk

Das Argument der Vorbildfunktion und Vorreiterrolle als Gemeindeverwaltung war dann auch eines der griffigsten, um den vorliegenden Energienutzungsplan einstimmig zu befürworten. Auch dem Beitritt zum kommunalen Energieeffizienznetzwerk, organisiert von der Energiewende Oberland und dem Institut für nachhaltige Energieversorgung an der Hochschule Rosenheim, stimmten die Gemeinderäte einhellig zu.

Für das Jahr 2021 wurden dafür Haushaltsmittel in Höhe von 25.250 Euro vorgesehen. Das Bundesumweltministerium fördert 70 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal 20.000 Euro im ersten und jeweils 10.000 Euro im zweiten und dritten Netzwerkjahr. Starten soll das Projekt voraussichtlich im Juli 2021. sko

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