„Können die Sorgen verstehen“

Orthopädische Klinik: Ver.di organisiert „aktive Mittagspause“ / Klagen „Spekulation“

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„Wir sind es wert“, „Mia san im Tal dahoam“ und „Solidarität mit uns und den Versicherten“: Die Beschäftigten der Orthopädischen Klinik bei ihrer „aktiven Mittagspause“.

Tegernsee – Alles auf Anfang und zurück ans Reißbrett hieß es 2014 für die Verantwortlichen nach dem Neubau-Aus der Orthopädischen Klinik in Tegernsee. Im Oktober 2015 stellten die Deutsche Rentenversicherung (DRV) und die Stadt Tegernsee ihren so genannten Drei-Stufen-Plan für das Areal vor (wir haben berichtet). Entwickeln und erhalten war das Motto – entwickelt hat sich seither jedoch nicht viel, die Planung geriet ins Stocken. Das macht der Klinik-Belegschaft Angst, sie fürchtet um ihre Jobs. Um auf die Nöte der Angestellten hinzuweisen, rief die Gewerkschaft ver.di am Donnerstag vergangener Woche im Zuge einer Tagung der DRV-Vorstandschaft in der Klinik zur „aktiven Mittagspause“ auf.

„Die ver.di-Vertrauensleute der Klinik Tegernsee appellieren an den Vorstand der DRV Bayern Süd, dass die Klinik Tegernsee bei den Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen bei der DRV Bayern Süd an erster Stelle stehen und damit auch die Arbeitsplätze von 130 Beschäftigten gesichert werden müssen“, erklärte ver.di Bayern in einer Pressemitteilung. Für Karin Seifert (ver.di Bayern) lag das Ziel der „aktiven Mittagspause“ darin, dass „sich der Vorstand der Situation stellt und zu den Beschäftigten spricht.“ Die Verantwortlichen sollten bekunden, dass sie hinter dem Unternehmen stehen und die Klinik weiter betreiben wollen. Das taten sie auch. Vorstandsvorsitzende Verena Di Pasquale versicherte: „Wir halten am Stufenplan fest.“ Sie erklärte: „Ich hätte es auch gerne schneller, aber auf manche Verfahren hat man eben keinen Einfluss.“ Auch Klagen seien noch möglich. „Ob das passiert, wissen wir aber nicht“, sagte Di Pasquale. Jan Paeplow, DRV-Pressesprecher Bayern Süd beteuerte: „Wir können die Sorgen der Mitarbeiter verstehen, die ganze Sache dauert schon lange.“ Mögliche Klagen seien jedoch „Spekulationen“.

Konkreter Gegenwind droht derweil von der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT): Ihr gehe es „im Fall des Neubaus nicht um Totalverweigerung“, sondern um einen „sensiblen Umgang mit dem, was unsere Heimat prägt“. Die SGT argumentiert in einer Mitteilung: „Dieser Standort und sein Erscheinungsbild gehören zu den schönsten Plätzen am See und würden durch die jetzige Planung massiv verändert und damit auch die Attraktivität des Tegernsees als Premium-

Ferienregion.“ Die Schutzgemeinschaft befürchtet die Schaffung eines Präzedenzfalles, mit dem die Investoren „ähnlich mit Arbeitsplätzen“ argumentieren könnten, „während man gleichzeitig Arbeitsplätze im Touristik-Bereich erheblich gefährdet“.

Doch was passiert, wenn es für die Klinik in Tegernsee nicht weitergeht? Um für diesen Fall gewappnet zu sein, ist die DRV auf der Suche nach einem Alternativstandort am Tegernsee. Für diese Möglichkeit spricht sich auch die SGT aus. Möglich wäre zum Beispiel die ehemaligen May-Klinik in Kreuth. Di Pasquale erklärte während der Versammlung, der Vorstand habe sich das Gelände am Morgen angeschaut. Von Arbeitnehmerseite scheint die Meinung klar: „In Kreuth sind wir willkommen“, hieß es auf einem Schild. 

she

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