Kommunalwahl 2020: Getrennte Wege bei Jahreshauptversammlung besiegelt

Bruch zwischen FWG und FW im Landkreis Miesbach

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Die neu gewählte Führung der Kreis-FWG (v.l.): Johannes Lohwasser, Andreas Hallmannsecker, Jens Zangenfeind, Ria Röpfl, Norbert Kerkel, Andreas Hagleitner und Anton Lentner. Nicht auf dem Bild sind Klaus Thurnhuber und Alfons Besel.

Agatharied/Landkreis – Der Graben zwischen der unabhängigen Freien Wählergemeinschaft (FWG) und der Partei FW im Landkreis Miesbach ist tief. Statt gemeinsam zur Kommunalwahl 2020 anzutreten, geht man offensichtlich getrennte Wege. In ihrer Jahreshauptversammlung votierten fast alle stimmberechtigten FWGler dafür, eine eigene Kandidatenliste aufzustellen. Genau das aber wollte der FWG-Kreisvorsitzende Norbert Kerkel eigentlich vermeiden.

„Es schien alles in trockenen Tüchern“, erklärte Kerkel und erinnerte an die Sitzung der FWG-Ortsvorsitzenden am 12. September, bei der auch die FW-Kreisvorsitzende Gisela Hölscher aus Waakirchen und deren Stellvertreterin Birgit Eibl aus Holzkirchen vertreten waren. Bekanntlich war bei diesem Treffen vonseiten der FWG mehrheitlich die Bereitschaft bekundet worden, dem 1998 verlassenen FW-Landesverband wieder beizutreten. Dieser Schritt wäre quasi der Preis für die Parteiunabhängigen gewesen, gemeinsam mit der FW auf Listenplatz drei bei der Kommunalwahl antreten zu können. Mit einem eigenen Wahlvorschlag erhält indes die FWG einen weiter hinten gelegenen Platz.

Bei der Kommunalwahl 2014 waren die FWG – sie führte die Regie – und die FW-Partei gemeinsam angetreten. Auch im nächsten Jahr hätte es wieder so ablaufen können, „wenn es nicht ein Nachtarocken gegeben hätte“, machte Kerkel deutlich. Er berichtete, in einem vom FW-Vorstand unterzeichneten Schreiben sei gefordert worden, dass sowohl der FW als auch der FWG jeweils die Hälfte der 60 Listenplätze zustehe – und zwar im Wechsel. Darüber hinaus habe die FW noch vor der FWG-Jahreshauptversammlung Fragen geklärt wissen wollen: Wer wird Listenführer und Landratskandidat, wer führt die Kreistagsfraktion nach der Wahl? Ferner habe es Fragen zu Werbung, Wahlkampfabrechnung und -themen gegeben. Zudem sei es darum gegangen, wie speziell junge Kandidaten und Frauen positioniert werden sollen. Vom besagten Schreiben des FW-Vorstands zeigte sich Klaus Fresenius aus Rottach-Egern wenig überrascht: „Parteien sind oft bereit, mit allen Mitteln ihre Ziele durchzusetzen.“ Daraus resultiere die Parteiverdrossenheit. Deshalb sollte sich die FWG von den Parteien abgrenzen, war Fresenius der Meinung. Eine eigene Liste aufzustellen – dafür sprach sich auch Georg Rabl aus. Unabhängigkeit sei schließlich der Markenkern der FWG. „Egal, auf welchem Listenplatz unsere Kandidaten stehen, sie sind bekannt und gefragt“, hob Rabl hervor. Mit 46:2 Stimmen fiel schließlich die Entscheidung, eine Liste der Freien Wählergemeinschaft im Landkreis Miesbach – auf dieser können auch FW-Mitglieder kandidieren – zu bilden.

Dennoch wurde auf Antrag des Valleyer Bürgermeisters Andreas Hallmannsecker der Beitritt zum FW-Landesverband beschlossen – und zwar aus formalen Gründen. Wie Hallmannsecker erläuterte, gehe es darum, Beschlüsse rechtlich unangreifbar zu machen. Bei der FWG-Versammlung auf der Tagesordnung standen auch Neuwahlen der Vorstandschaft. Dabei wurde Norbert Kerkel in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Jens Zangenfeind bleibt weiterhin Stellvertreter, Anton Lentner Schatzmeister und Ria Röpfl Schriftführerin. Beisitzer sind wie bisher Andreas Hallmannsecker, Andreas Hagleitner und Klaus Thurnhuber. Erstmals zu neuen Beisitzern gewählt wurden Johannes Lohwasser und Alfons Besel. Wie Kerkel verkündete, sei der nach einem Stierangriff verletzte Thurnhuber inzwischen „auf dem Weg der Besserung“. Ob der Warngauer Bürgermeister als Landratskandidat der FWG antrete, dafür wolle man ihm noch ein paar Wochen Zeit lassen.

Die am Versammlungsabend laut gewordenen Vorwürfe, sie halte sich nicht an Absprachen, wehrte die anwesende FW-Vorsitzende Gisela Hölscher ab und stellte stattdessen fest: „Ich werde hier persönlich angegriffen.“ Die FW und FWG hätten sich wie bei einem Flug zwar auf die Strecke geeinigt, doch: „Wer ist der Steuermann?“. Wie Hölscher auf Nachfrage erklärte, seien im Schreiben der Kreis-FW keine Forderungen, sondern lediglich Fragen gestellt worden. Ferner habe man alle Absprachen schriftlich niederlegen wollen, „um somit für beide Seiten Handlungssicherheit zu haben und ein professionelles Arbeiten zu ermöglichen.“ Über das weitere Vorgehen in Sachen Wahlkampf wolle die FW-

Vorstandschaft so bald wie möglich in einer Sitzung beraten.

Wir haben ganz klar gesagt, FW und FWG sind gleichberechtigt“, unterstrich die Zweite Vorsitzende der Freien Wähler, Birgit Eibl, auf Nachfrage und machte deutlich: „Eine gemeinsame Liste geht nur, wenn man zusammenhält.“ Auf den von der FW-Vorstandschaft verfassten Brief angesprochen, meinte auch Eibl: „Von Forderungen kann nicht die Rede sein. Wir wollten lediglich verschiedene Punkte, unter anderem die Frage bezüglich der Wahlkampfabrechnung, geklärt wissen.“ rei

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