Lob und Applaus

Konzept für das Strüngmann-Hotel begeistert Wiesseer Gemeinderat und Publikum

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So soll sich der Strüngmann-Hotelkomplex in die Seepromenade einfügen. Wegen des schwierigen Untergrunds wird eine aufwändige Unterkonstruktion mit Pfählen notwendig. Wo möglich wird aber der Werkstoff Holz zum Einsatz kommen.

Bad Wiessee – Nach intensiven Vorbereitungen hatte kürzlich das Warten auf die Vorstellung des neuen Planentwurfs für das Strüngmann-Hotel an der Wiesseer Seepromenade ein Ende. Bei einer Sondersitzung des Gemeinderats haben vergangene Woche zwei Vertreter der Strüngmannschen Firma Athos Service GmbH das Konzept des mexikanischen Architekturbüros Manuel Cervantes (CC Arqutectos) vorgestellt, das nach zwei Wettbewerben als Sieger hervorging. Nicht nur Bürgermeister Peter Höß war überzeugt, dass sich die lange Planungsphase mehr als gelohnt hat.

„Es ist nach langen gründlichen Überlegungen gelungen, ein Hotel zu entwickeln, das sich außerordentlich gut in die sensible Landschaft einfügt und in seiner Einzigartigkeit weit über das Tegernseer Tal hinausstrahlen wird“, begrüßte der Rathauschef die Gemeinderäte. Gekommen waren auch so viele interessierte Zuhörer wie seit Langem nicht mehr. Auch Investor Thomas Strüngmann hatte sich unter das Publikum gemischt.

Bevor sie den Siegerentwurf des mexikanischen Architekturbüros vorstellten, blicken Athos Geschäftsführer Thomas Maier und Architekt Urs Fridrich nochmal auf die lange und intensive Vorbereitung der Bebauung dieser sensiblen Fläche an der Seepromenade zurück. Dem Siegerentwurf gingen einige skurrile Ideen vor. Bei dem 2017 ausgeschriebenen ersten Wettbewerb wären zwar Häuser herausgekommen, die gut 200 Betten geboten hätten, aber von der Kubatur her eher an ein „Zugunglück“ oder eine „Klosteranlage“ erinnerten, wie Architekt Fridrich rückblickend sagte. Der Siegerentwurf des zweiten Wettbewerbs sieht hingegen auf dem ehemaligen Gelände der Spielbank und des Hotel Lederer einen Hotelkomplex mit 90 Betten vor – deutlich kleiner als ursprünglich gedacht. Dafür passt er sich mit niedrigeren Baukörpern harmonischer an die Umfeldbebauung und das Ortsbild an. „Wir haben uns bemüht, die Wünsche des Gemeinderats umzusetzen und meinen, dass uns das jetzt gelungen ist“, sagte Maier.

Das anspruchsvolle Raumprogramm für das Fünf-Sterne-Plus-Hotel gliedert sich in eigenständige Gebäude. Sie interpretieren die alpenländische Stadl-Bauweise modern, „aber ohne zu jodeln“, wie Fridrich versicherte. Die Bebauung bleibt weitgehend hinter der Hochwasserlinie. Die Tiefgarage kann durch das reduzierte Bettenangebot ebenfalls kleiner werden. Neben dem reinen Hotelkomplex mit öffentlichem Restaurant und Biergarten direkt am See entstehen fünf Gebäude, in denen Service-Appartements als Familien-Suiten sowie Läden und Mietwohnungen untergebracht sind. Maier schloss seine Vorstellung mit den Worten: „Hier entsteht ein offenes, leichtes Hotel, das in seiner Architektur die Tradition Bad Wiessees aufgreift und modern interpretiert.“ Für den Entwurf gab es im Anschluss von allen Fraktionen viel lobende Worte, die zwischenzeitlich durch Applaus aus dem Publikum begleitet wurden. Kurt Sareiter (CSU) gefiel die kleinteilige Planung und er ist überzeugt, dass ein Block wie die Überfahrt in Rottach-Egern nicht zu Bad Wiessee passt: „Allerdings brauchen wir ein Leithotel und dieser Entwurf dafür passt hervorragend zu uns. Außerdem haben wir mit der Familie Strüngmann einen äußert seriösen Investor und ich freue mich, wenn das so positiv weitergeht.“ Robert Huber (SPD) lobte die Mitnahme der Bürger, die die Firma Athos über den langen Zeitraum der Planung im Blick hatte: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist unheimlich wichtig, dann ist auch der Erfolg garantiert. Dieses Hotel wird Wiessee helfen, wieder ein Weltbad zu werden, das in aller Munde ist.“ Die Professionalität von Athos lobte auch Rolf Neresheimer (ranBW): „Ich habe da ein deutlich besseres Gefühl, als bei so manch anderen Projekten im Ort.“

Für Kopfschütteln ihrer Ratskollegen sorgte hingegen die Einlassung von Ingrid Versen (CSU), die sich deutlich mehr Betten gewünscht hätte: „Ein Bär kreißt und heraus kommt eine Maus. Das Projekt ist von 220 auf 90 Betten abgesoffen, da spiele ich nicht mit.“ Dagegen konterte Birgit Trinkl (Wiesseer Block): „Nur Betten produzieren geht an der Sache vollkommen vorbei. Wir brauchen ein ganzheitliches und sinnvolles Konzept und dazu passt der Entwurf hervorragend.“ In Massen- und Tagestourismus sieht auch Klaudia Martini (SPD) nicht die Zukunft Bad Wiessees. Auch möchte sie das Gesamtensemble Seepromenade als „größten Schatz“ und Alleinstellungsmerkmal der Seegemeinde nicht mit einem Hotelklotz verunstaltet sehen: „Tourismus und Baustil müssen aus einem Guss sein und die Proportionen dieser Planung passen hervorragend zu uns. Das soll unser ,Hotel im Kurpark‘ werden.“

Die von Maier skizzierte Zeit­achse sieht vor, dass wenn alles nach Plan läuft, der Abriss der noch vorhandenen Alt-Bebauung bis 2020 erfolgt sein soll. Dann nämlich ist der Baubeginn angepeilt. Die Inbetriebnahme könnte dann 2022/23 sein. Die Beeinträchtigungen durch die Baumaßnahme sollen, wie Maier versicherte, so gering wie möglich gehalten werden. Wer Betreiber des Hotels werden wird, steht noch nicht fest. Wie Maier sagte, kommen sowohl international tätige Hotelbetreiber mit Sitz in München oder Familienunternehmen in Frage. „Dank der soliden Finanzierung können wir uns da noch Zeit lassen. Auch hier gilt, gut Ding braucht Weile.“ Schließlich begrüßt der Gemeinderat die Bereitschaft von Athos, dieses bedeutende Projekt in Bad Wiessee entstehen zu lassen und sprach sich mit einer Gegenstimme dafür aus, das Bebauungsplan-Verfahren einzuleiten. hac

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