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Das Krankenhaus Agatharied hat mit enormen Mehrausgaben zu kämpfen

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Von: Fridolin Thanner

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Krankenhaus Agatahried Eingang
Das Krankenhaus Agatharied bietet eine hochwertige Gesundheitsversorgung. Nicht nur finanziell ist aber dringend Unterstützung nötig, der Bund soll helfen. © Sandra Hefft

Agatharied – Viele Kliniken sind in ihrem Bestand bedroht. Das wurde bei einem Gespräch im Krankenhaus Agatharied deutlich, das auch mit vielen Problemen kämpft.

Das Kreiskrankenhaus Agatharied kämpft seit Längerem mit erheblichen Schwierigkeiten. Finanziell war im vergangenen Jahr ein trauriger Höhepunkt erreicht worden. Das Defizit erreichte mit 12,5 Millionen Euro einen Rekordwert. Zu den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie gesellt sich unter anderem der Fachkräftemangel. Die Schwierigkeiten waren vor Kurzem auch Thema bei einem Gespräch von Klinik-Vorstand Benjamin Bartholdt, dem Vorsitzenden des Krankenhaus-Freundeskreises, Stavros Kostantinidis, und Landrat Olaf von Löwis mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

„Es war ein Treffen mit gemischten Gefühlen“, heißt es in der Mitteilung aus dem Landratsamt zu der Runde. Einerseits war die Freude groß über den Förderscheck über 3,3 Millionen Euro aus dem Krankenhauszukunftsfonds, den Holetschek den Vertretern aus dem Landkreis Miesbach für den Ausbau der Digitalisierung im Krankenhaus überreichte.

Andererseits stimmen extreme Preissteigerungen die Vertreter mehr als nachdenklich: Energie, Medizinprodukte und Dienstleistungen verteuern sich stark, der Basisfallwert, anhand dessen Krankenhäuser ihre Betriebskosten von den Krankenkassen erstattet bekommen, bleibt aber annähernd gleich. Landrat und Klinik-Vorstand wollten den Gesundheitsminister auf die prekäre wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser aufmerksam machen – „und stießen auf offene Ohren“, teilt das Landratsamt mit.

Der Minister verwies auf die Forderungen aus Bayern, der Bund müsse die Mehrbelastungen auffangen sowie Anschlussregelungen für ausgelaufene Coronahilfen und Schutzschirme schaffen. „Die Verantwortlichkeiten sind klar geregelt“, sagte Holetschek und erklärte: „Die Länder tragen die Kosten für die Klinik-Infrastruktur etwa durch regelmäßige Baumaßnahmen. Der Bund steht bei den Betriebskosten in der Pflicht.“

Olaf von Löwis verdeutlichte die Lage vor Ort: „Unsere Krankenhäuser sind nach über zwei Jahren Pandemie gebeutelt und jetzt lässt die große Politik genau diese Krankenhäuser, die uns durch die Pandemie gerettet haben, mit extremen Preissteigerungen im Regen stehen.“ Die Preise und deren Entwicklungen sind bei klinischen Leistungen gesetzlich festgeschrieben, Kostensteigerungen können also nicht weitergegeben werden. Der Basisfallwert, den die Krankenhäuser erhalten, steigt in Bayern 2023 um zwei bis drei Prozent bei einer gleichzeitigen Kostensteigerung alleine bei den Sachkosten von sechs bis zehn Prozent. Dabei noch nicht berücksichtigt sind Steigerungen bei Personalkosten.

Vorstand Bartholdt sieht die Zukunft einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung unter den derzeitigen Rahmenbedingungen akut bedroht: „Die Corona-Krise hat wie ein Brandbeschleuniger auf bereits bestehende Probleme gewirkt. Die wirtschaftliche Situation der Kliniken, der Fachkräftemangel und die Bürokratie haben sich noch verschärft. Und dabei ist Corona in den Kliniken noch längst nicht vorbei, auch in Agatharied behandeln wir teils unter erheblichem Mehraufwand weiterhin Corona-Patienten.“

Eine zusätzliche Energie- und Inflationskrise werde viele Krankenhäuser im Bestand bedrohen, sagte Bartholdt. „Unser Krankenhaus ist für unsere Region absolut versorgungsnotwendig. Wir behandeln jedes Jahr über 20.000 stationäre und 30.000 ambulante Patienten. Aber alleine schon für den Betrieb der medizinischen Geräte benötigen wir viel Energie. Zudem erhalten wir quasi täglich neue Ankündigungen unserer Lieferanten, die ihre Preise erhöhen müssen. Von Arzneimitteln über Blutprodukte, Lebensmittel, Verbrauchsmaterial – in vielen Bereichen steigen die Sachkosten im zweistelligen Prozentbereich. Ohne ein rasches und beherztes Eingreifen der Bundespolitik wird auch unser Krankenhaus diese Krise nicht allein bewältigen können.“

Das bekräftigte auch von Löwis. „Der Landkreis und der Kreistag stehen voll und ganz hinter unserem Krankenhaus Agatharied. Aber wir brauchen Unterstützung und fordern einen Schulterschluss zwischen Politik, Kliniken und Bevölkerung, um die regionale Gesundheitsversorgung dauerhaft zu gewährleisten.“

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