Kleinod in Gefahr

Grüne und SGT fordern mehr Schutz für das Grea Wasserl in Kreuth

Diese Aufnahmen des Grea Wasserl aus den Jahren 2000, 2012, 2014 und 2020 zeigen laut SGT und den Grünen, wie sich das Biotop an der B318 verändert hat.
+
Diese Aufnahmen des Grea Wasserl aus den Jahren 2000, 2012, 2014 und 2020 zeigen laut SGT und den Grünen, wie sich das Biotop an der B318 verändert hat.

Kreuth – Das Grea Wasserl an der B318 zwischen Bad Wiessee und Kreuth ist als Biotop streng geschützt. Dennoch gibt es nun Kritik von einem neu gegründeten Aktionsbündnis.

Eher unscheinbar liegt das Grea Wasserl nahe der Ortsgrenze von Kreuth und Rottach-Egern an der Bundesstraße 318. Dabei trägt das Gewässer den Status überragender Schutzwürdigkeit und ist deshalb nun in den Fokus der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) und des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen im Tegernseer Tal gerückt.

Drei Punkte bemängeln die Mitglieder des Bündnisses. Erstens habe der Landwirt, der die angrenzende Wiese pachtet, Anfang Juni rund 0,4 Hektar gemäht und gedüngt – und zwar bis an die Gewässerkante. „Eine naturschutzfachliche Todsünde“, findet Gunther Mair. Der Grund: Beim Grea Wasserl handelt es sich um einen nährstoffarmen Quellsee mit umgebenden Streuwiesen. Das Areal darf daher maximal einmal pro Jahr im Herbst gemäht und auf keinen Fall gedüngt werden.

Nahe der B318 zwischen Bad Wiessee und Rottach Egern beziehungsweise Kreuth liegt das Grea Wasserl.

Das Grea Wasserl als Biotopkomplex sei für das Tegernseer Tal aufgrund seiner Seltenheit überaus wertvoll, bestätigt auch die zuständige Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Miesbach. „Die enge Verzahnung verschiedener Biotoptypen wie Flachmoor, Streu- und Feuchtwiesen, Hoch­staudenfluren, Großseggenrieder, Schilfröhricht, Auwälder und anderen ergibt in Verbindung mit der heute noch ausgeübten extensiven Nutzung einen Lebensraum, der für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten im ansonsten sehr intensiv genutzten Tal-Raum ein wichtiges Rückzugsgebiet darstellt“, erläutert Sprecherin Sophie-Marie Stadler.

Zudem habe vor etwa zwei Jahren ein Pächterwechsel stattgefunden. „Dem neuen Pächter war nach eigener Aussage nicht bewusst, dass hier wertvolle Flächen beeinträchtigt werden“, heißt es weiter. „Auch bei Abschluss des Pachtvertrags wurde nicht auf die Schutzwürdigkeit der Flächen hingewiesen.“ Dem Pächter tue das Versäumnis leid und er werde die naturschutzfachlichen Vorgaben künftig beachten sowie die Fläche wieder herstellen. Ob ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird, werde derzeit noch geprüft.

Im zweiten Punkt geht es den Mitgliedern des Bündnisses um Ausgleichsflächen, die im Bebauungsplan für das Gewerbegebiet „Barthweg“ ausgeschrieben sind. Dafür wurde fast ein halber Hektar Grünland festgelegt, der nicht gedüngt und maximal zweimal im Jahr gemäht werden darf. Etwa 866 Quadratmeter davon liegen im Biotop. Doch wer kümmert sich darum, dass die Ausgleichsflächen realisiert werden? Und wer überwacht das?

Zuständig ist die Gemeinde Rottach-Egern. „Seit der Rechtskräftigkeit des Bebauungsplans im Juli 2013 darf und ist diese Fläche nicht mehr gedüngt worden“, erklärt Bauamtsleiterin Christine Obermüller. „Unseres Wissens ist dagegen auch nicht verstoßen worden.“ Der Grundstückseigentümer habe die Landwirtschaft vor Jahren aufgegeben, sodass die Ausgleichsflächen mit den Auflagen verpachtet wurden. Sowohl der Eigentümer als auch die Gemeinde überprüfen, wie die Ausgleichsflächen bewirtschaftet werden.

Drittens geht es der SGT und den Grünen um eine Ausgleichsmaßnahme an der neu errichteten Splitthalle an der B318. „Diese liegt am Unterlauf des Grea Wasserl, einem weiteren ausgewiesenen Biotop“, erklärt Gunther Mair. „Aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, wurde als wichtigste Ausgleichsmaßnahme das Entfernen der Aufschüttung ins Biotop hinein festgelegt.“

Dies müsse spätestens ein halbes Jahr nach der Fertigstellung, aber aus Naturschutzgründen nur zwischen August und Dezember durchgeführt werden. Insofern muss zunächst abgewartet werden, ob dort zu gegebener Zeit etwas passiert. ksl

Auch interessant

Meistgelesen

So soll der neue Fernwanderweg von Wörnsmühl nach Thiersee aussehen
So soll der neue Fernwanderweg von Wörnsmühl nach Thiersee aussehen
Michael Weber ist seit 57 Jahren begeistert vom Maschinenring
Michael Weber ist seit 57 Jahren begeistert vom Maschinenring
„Ihr Küchenparadies“ feiert 20-Jähriges Jubiläum
„Ihr Küchenparadies“ feiert 20-Jähriges Jubiläum
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Was in Bussen und Bahnen zu beachten ist
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Was in Bussen und Bahnen zu beachten ist

Kommentare