Probleme mit Brandschutz

Schlaflager der Tegernseer Hütte geschlossen

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In exponierter Lage auf 1650 Metern Höhe liegt die Tegernseer Hütte zwischen Roß- und Buchstein.

Kreuth - Weil der Brandschutz nicht ausreicht, hat das Landratsamt kurzfristig das Schlaflager der Tegernseer Hütte dicht gemacht. Beim DAV wird nun an einer Lösung gearbeitet.

Eindrucksvoll steht die Tegernseer Hütte auf dem Grat zwischen Roß- und Buchstein nahe Kreuth. Von dort aus bietet sich eine atemberaubende Aussicht bis weit hinein auf den Alpenhauptkamm und das Karwendel bis zur Zugspitze sowie aufs Alpenvorland, den Starnberger See bis hin nach München. Wer möchte das nicht mal bei Sonnenauf- oder -untergang erleben? Doch auf der Hütte in exponierter Lage zu übernachten, ist derzeit nicht möglich.

„Das Landratsamt Miesbach – hier: das Staatliche Bauamt – hat am 29. August einen Bescheid erlassen“, erklärt Sprecher Birger Nemitz vom Landratsamt. Die Betreiber werden darin aufgefordert, das Dachgeschoss der Tegernseer Hütte vorerst nicht weiter als Bettenlager oder Schlafraum zu nutzen. „Das Dachgeschoss wurde wegen einer aktuellen Anfrage eines Planers überprüft“, sagt Nemitz. Dabei hat sich gezeigt, dass die Hütte grundsätzlich als Bettenlager genutzt werden kann. Allerdings muss dafür modernisiert werden, vor allem in Sachen Brandschutz. „Zwei Rettungswege müssen mangelfrei vorhanden sein“, sagt Nemitz. „Eine Rauchgasdetention muss sichergestellt werden.“ Sobald dies der Fall ist, kann im Dachgeschoss wieder übernachtet werden.

Doch so einfach wie das klingt, ist es nicht. Für die Hütte verantwortlich ist die Sektion Tegernsee des Deutschen Alpenvereins (DAV). „Die Sektion arbeitet gerade mit Hochdruck daran, in enger Abstimmung mit der DAV-Bundesgeschäftsstelle, dem Landrats­amt und allen Beteiligten ein Planungskonzept mit dem erforderlichen Brandschutznachweis sowie einen Finanzierungsplan zu erstellen“, erläutert Rainer Toepel, der 1. Vorsitzende der Sektion. „Zu diesem Zweck wurden ein Architekt und ein Brandschutzsachverständiger hinzugezogen.“

Die gute Nachricht: Trotz der exponierten Lage der Hütte und des wenigen Platzes darin können die geforderten Brandschutzbestimmungen eingehalten werden. Die schlechte Nachricht: Dafür sind umfangreiche und aufwendige Baumaßnahmen erforderlich, die eine entsprechende Vorlaufzeit brauchen. „Insbesondere der Materialtransport für die verschiedenen Gewerke ist eine logistische Herausforderung“, sagt Toepel.

Im Zeitraum 2005/06 ist die Tegernseer Hütte zum letzten Mal umfangreicher modernisiert und erweitert worden. Damals ist unter anderem ein Anbau mit modernen sanitären Anlagen, einem Trockenraum und einem Schlafzimmer für die Wirtsfamilie hinzugekommen. Im gleichen Zug sind größere Wassertanks, eine Photovoltaik- und eine solarthermische Anlage installiert worden. „Dabei wurde mit dem Fluchtsteg vom ostseitigen Dach zum Buchstein auch der Brandschutz für das Schlaflager im Dachgeschoss verbessert“, sagt Toepel.

Zudem hat die DAV-Bundesgeschäftsstelle 2018 angeregt, dass die Sektion Tegernsee unabhängig vom Brandschutz eine komplette bauliche Bestandsaufnahme der Hütte veranlasst. Dadurch hat sich gezeigt, dass nach dem aktuellen Stand der Technik die bestehenden Brandschutzvorkehrungen nicht mehr ausreichen.

„Nach der Jahreshauptversammlung der Sektion Tegernsee im März 2019 begann der neue ehrenamtliche Vorstand daher unverzüglich, mit wirkungsvollen Sofortmaßnahmen die Brandschutzmängel zu beheben“, erklärt der 1. Vorsitzende. „Unter anderem für den bereits erfolgten Einbau eines neuen normgerechten Notausstiegsfensters und die Ertüchtigung des zweiten Fluchtwegs über das Dach sind im Jahr 2019 Kosten in Höhe von zirka 15.000 Euro angefallen.“

Seit dem 1. September ist das Schlaflager nun geschlossen. Daher mussten 99 Buchungen für über 400 Übernachtungen im Zeitraum September bis Saisonende Anfang November storniert werden. Über 2.600 Gäste übernachten im Schnitt jedes Jahr auf der Hütte. Wann das Schlaflager der Tegernseer Hütte wieder geöffnet werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab und ist daher noch unklar. „Der Vorstand der Sektion Tegernsee strebt jedoch an, bei günstigem Verlauf aller Arbeiten den Hüttenbetrieb ab der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder uneingeschränkt aufzunehmen“, sagt Toepel. ksl

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