Verkehrs- und Mobilitätskonzept

Sicherheit und Lebensqualität für Kreuth

Ralf Kaulen (r.) präsentiert zusammen mit Bürgermeister Josef Bierschneider das Verkehrs- und Mobilitätskonzept für die Gemeinde Kreuth.
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Ralf Kaulen (r.) präsentiert zusammen mit Bürgermeister Josef Bierschneider das Verkehrs- und Mobilitätskonzept für die Gemeinde Kreuth.

Kreuth - Ein 100 Seiten umfassendes Verkehrs- und Mobilitätskonzept stellte  Ralf Kaulen vom gleichnamigen Stadt-Verkehrsplanungsbüro vor.

Ein zahlreiches und interessiertes Publikum erschien am Donnerstagabend vergangener Woche in der Kreuther Turnhalle, wo Kaulen das Verkehrs- und Mobilitätskonzept präsentierte. Die darin enthaltenen Vorhaben richten sich sowohl an Anwohner, als auch an Touristen und umfassen verschiedene Ansätze zur Verringerung der hohen Verkehrsdichte, die mit dem Titel der Gemeinde Kreuth, die sich seit 2018 offiziell Bergsteigerdorf nennen darf, in Widerspruch steht. 

Einführend wurde das Thema Fußverkehr behandelt. Die grundsätzlich idealen Wanderbedingungen müssten durch mehr behindertenfreundliche Elemente und Querungen im Bereich von Gefahrenstellen, wie etwa an der Naturkäserei, verbessert werden. Die Kehrseite der vielfältigen Wandermöglichkeiten sei die Anfahrt vieler Touristen in Privatfahrzeugen. Dem will man im neuen Konzept durch die Förderung des Verleihangebots begegnen, sodass Mitbringsel wie Kinderwagen und Fahrräder künftig nicht mehr antransportiert werden müssen. Im Besonderen wurden Alltagsradfahrer, die das Rad etwa für Einkäufe verwenden, im Verkehrskonzept bedacht. Hier gebe es noch eine Vielzahl an Netzlücken, erklärte Kaulen. Schließen wolle man diese mit Schutzstreifen, wie kürzlich eingerichtete in Bad Wiessee und Gmund, die von Autofahrern nur im Ausnahmefall genutzt werden sollen. In diesem Zusammenhang wies Kaulen auch auf die seiner Meinung nach sehr anstrebenswerterMitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ hin. Die Gemeinde Gmund sei bereits Mitglied, Bad Wiessee werde aufgenommen und Rottach-Egern und Tegernsee würden eine Mitgliedschaft anstreben, „mit Kreuth wäre der Tegernsee dann komplett“, sagte Kaulen. Vorteile der Mitgliedschaft wären unter anderem eine starke Lobby für den Ausbau fahrradfreundlicher Strukturen, entsprechende Seminare und natürlich die offizielle Auszeichnung, die ein Ort erhält, der es schafft, die Aufnahmevoraussetzungen zu erfüllen. 

Im Bereich des öffentlichen Nahverkehres will man zwischen den Buslinien im Tegernseer Tal, der Talllinie, der Seelinie und dem Kreuther Bergsteigerbus klar differenzieren und die Taktung so verbessern, dass in Kreuth im Viertelstundentakt Busse kommen sollen. Dies soll in Kombination mit einer Steigerung der Nutzerfreundlichkeit durch verbesserte Anzeigen an den Haltestellen und einer entsprechenden Buszeitenapp die Touristen, aber auch die Einheimischen, animieren, vermehrt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Langfristig müsse man sich in diesem Bereich auch in Richtung autonom fahrender, öffentlicher Verkehrsmittel orientieren. Computergesteuerte Busse würden in fünf bis zehn Jahren zum Alltag gehören, schätzt Kaulen. Der Blick in die Zukunft zeigt sich auch in der geplanten Förderung von elektrischen Leihwagen, ein entsprechendes Fahrzeug können man bereits in Tegernsee am Bahnhof leihen, in Kombination mit einer höheren Zahl von Leih-E-Bikes müsse man den Touristen so erleichtern, vom Bahnhof zu den Wanderparkplätzen zu gelangen. Zur aktiven Eindämmung des Verkehrs sieht das Konzept den Ausbau von 30er-Zonen innerorts und 70er-Zonen außerorts vor. 

Die Frage, warum ein verringerter Verkehrsfluss die ohnehin stauresistenten Touristen umstimmen soll, blieb jedoch unbeantwortet. Unterstützend sollen Blitzer zum Einsatz kommen, die Parkgebühren gesteigert und die Zahl der Parkplätze verringert werden. Anwohner sollten ersatzweise mit entsprechenden Ausweisen parken dürfen. Die Gesamtkosten der geplanten Maßnahmen belaufen sich auf etwa 7 bis 8 Millionen Euro, wobei umfangreiche Fördergelder zur Verfügung stünden und einige der Maßnahmen auch durch den bayerischen Staat finanziert würden, erläuterte Kaulen.    mfi

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