70 Jahre Freundschaft

Gebirgsschützen erneuern historischen Handschlag zwischen Bayern und Tirol

+
Gerhard Müllner (l.) und Florian Baier wiederholen den historischen Handschlag zwischen den Tiroler und bayerischen Gebirgsschützen.

Kreuth/Rottach-Egern - Aus dem Volk heraus ist diese nunmehr 70-jährige Freundschaft 1949 entstanden - einfach aus dem Wunsch nach Frieden.

„Wir sind Patrioten, die ihre grenz­übergreifende Partnerschaft positiv in die Zukunft tragen wollen“ – das war der Leitgedanke zum historischen Ereignis der Gebirgsschützen vor 70 Jahren, das jüngst an zwei Orten gefeiert wurde. An der Grenze zwischen Tirol und Bayern begrüßte Gerhard Müllner, Obmann der 1. Andreas-Hofer-Schützenkompanie Schwaz aus Tirol, die Gebirgsschützenkompanie aus Bayern, angeführt von Hauptmann Florian Baier.

Aus dem Volk heraus sei diese nunmehr 70-jährige Freundschaft im Jahre 1949 entstanden, ohne wirtschaftliche und politische Interessen, vielmehr aus dem Wunsch nach Frieden und Freundschaft heraus. Erst 43 Jahre später sei es soweit gewesen, dass die Politik mit der Gründung der EU im Jahre 1992 ein gemeinsames Europa im Vertrag von Maastricht festgelegt hatte. Der Bedeutung entsprechend hätte der zweiteilige Festakt nicht würdiger ausfallen können.

Vor 70 Jahren: Historischer Handschlag zwischen Hartl Hagn zum Schlemm (l.) und Hubert Hochmut.

Unter den hochkarätigen Festgästen aus Politik und öffentlichem Leben war der Landeskommandant des Tiroler Schützenbundes, Major Fritz Tiefenthaler, ebenso zu sehen wie der Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen, Martin Haberfellner, sowie Amtsvorgänger Karl Steininger. Ein besonderer Willkommensgruß galt den Nachfahren der mutigen Gebirgsschützen von 1949: Hartl Hagn zum Schlemm (Bayern) und Hubert Hochmut (Tirol), die von weither angereist waren.

Beide Kompanien marschierten aufeinander zu und trafen sich am ehemaligen Schlagbaum, wo die Geistlichkeit aus beiden Ländern – Magister Martin Müller und Monsignore Walter Waldschütz – gemeinsam eine Dankandacht hielten. Im Namen des Stadtrats von Schwaz überreichte anschließend deren Bürgermeister Hans Lintner mit Vertretern des Gremiums an Hauptmann Florian Baier aus Rottach-Egern die silberne Verdienstmedaille der Silberstadt Schwaz – eine hohe Ehre, die Baier total überraschte. „Wir wollen keine Asche anbeten, sondern das Feuer weitergeben“, so die Motivation der Tiroler Kommune für die Verleihung.

Dann wurde der historische Handschlag zwischen dem Obmann der 1. Andreas-Hofer-Schützenkompanie Schwaz und dem Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie Tegernsee am Originalschauplatz am Schlagbaum mit musikalischer Begleitung wiederholt und erneuert. Tief berührt verfolgte Kreuths Altbürgermeister Sepp Hatzl die Szene: Als 18-jähriger Trommler war der heute 88-Jährige schon 1949 mit dabei.

Nach den Ehrensalven und dem Abspielen der Hymnen folgte der zweite Teil des Festaktes nach der Busfahrt zur Rottacher Gebirgsschützenhütte. Zur Erinnerung an das 70-jährige Bestehen überreichte Hauptmann Florian Baier an die Tiroler Kameraden eine eindrucksvolle Schützenscheibe. Für jeden Anwesenden hatte der Förderverein unter Vorsitz von Hasi von Sigriz dekorative Festzeichen anfertigen lassen, die großen Anklang fanden.

Die Kompaniemedaille in Silber überreichte Florian Baier an den Tiroler Obmann Gerhard Müllner sowie den Ehrenhauptmann Gerhard Gründler. Als Symbol der Freundschaft übergaben die Tiroler Gebirgsschützen zwei handgeschnitzte Figuren auf einem gemeinsamen Holzbrett, einfache bayerische und Tiroler Schützen darstellend. Damit schloss sich der Kreis.

„Wir dürfen heute in Frieden leben, wofür wir dankbar sein müssen“, bekannte in seinem Grußwort der Rottach-Egerner Bürgermeister Christian Köck, der selbst aus einer Gebirgsschützenfamilie stammt. Schon Großvater Georg Köck habe ihm die Pflege von Brauchtum und Tradition vermittelt, wozu auch christliche Werte gehören. Erst gegen Mitternacht trennten sich die Wege der Freunde aus Tirol und Bayern nach einem rundum gelungenen, feucht-fröhlichen Festabend wieder. iv

Auch interessant

Meistgelesen

So prächtig war die Leonhardifahrt in Reichersdorf - mit Bildergalerie
So prächtig war die Leonhardifahrt in Reichersdorf - mit Bildergalerie
Netzwerk frühe Hilfen und Kinderschutzbund feiern runden Geburtstag mit Familienmesse
Netzwerk frühe Hilfen und Kinderschutzbund feiern runden Geburtstag mit Familienmesse
Schwerer Unfall im Leitzachtal: Motorradfahrer (60) stirbt
Schwerer Unfall im Leitzachtal: Motorradfahrer (60) stirbt
„Berater oft selbst betroffen“
„Berater oft selbst betroffen“

Kommentare