Investor muss nachbessern

„Ausverkauf unserer Heimat“: Bauprojekt am alten Haushamer Rathaus sorgt für Kritik

Neue Pläne für das alte Rathaus in Hausham
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Gegen die Pläne für die Wohnbebauung auf dem Gelände des alten Rathauses in Hausham regt sich massive Kritik. Nun soll nachgebessert werden.

Hausham – Nach heftiger Kritik am Bauprojekt der Schlierach GmbH am alten Haushamer Rathaus muss der Investor nachbessern.

Die Parkplatzsituation sowie die Größe und Wucht der geplanten Bebauung am alten Rathaus bereiten einigen Haushamern Sorge. In diese Richtung zielten dann auch die von fünf Bürgern schriftlich vorgebrachten Einwände gegen die sieben Wohngebäude. Die Kritik wird, wie Bürgermeister Jens Zangenfeind kürzlich im Gemeinderat sagte, auch ernst genommen und man scheue sich nicht davor.

Daher wurde die eigentlich vorgesehene Abstimmung zum Satzungsbeschluss nicht zur Tagesordnung genommen. Stattdessen wurden bereits der Projektentwicklerin Eva Maria Klappauf Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. Der Rathauschef zeigte sich daher irritiert, dass bei der Sitzung aus den Reihen des Gremiums und der Zuhörer schwere Geschütze gegen das Projekt aufgefahren wurden.

„Komplex mit 94 Wohneinheiten für Münchner“

Mit den Worten „Liebe Frau Klapp­auf“ wandte sich Michael Ertl (SPD) direkt an die Investorin und warf ihr den Ausverkauf „meiner, unserer Heimat“ vor. Bisher hätte er geschwiegen, sagte Ertl, weil er sich bei seinem Protest gegen die neue Ortsmitte den Mund genug verbrannt habe.

Dieses Projekt wurde, wie Ertl erinnerte, von Klappaufs Vater gebaut – und auch das passe nicht zu Hausham. Der Zuspruch aus der Bevölkerung habe ihn nun gestärkt, dennoch Kritik gegen das Bauvorhaben der Schlierach GmbH an der Rathausstraße vorzubringen. Grundsätzlich habe er nichts gegen eine Bebauung, aber nicht in der Art und Weise: „Was hier entsteht ist ein Komplex mit 94 Wohneinheiten für Münchner.“

Bürgerin hält flammende Rede

Sein Appell an Klappauf: „Schauen Sie nicht auf Ihren Geldbeutel, sondern auf unser Oberland.“ Weiter meinte er: „Sie bauen und sind dann weg. Wir müssen uns das dann jeden Tag anschauen.“ Ertl verband seinen Appell mit der Bitte, doch ausnahmsweise die Zuhörerschaft zu Wort kommen zu lassen.

Das ließ das Gremium zu und eine Bürgerin meinte in flammender Rede: „Wir dürfen Hausham nicht verkaufen.“ Hier werde ihrer Einschätzung nach Wohnraum für zahlungskräftige Leute gebaut, damit Geld in den Gemeindesäckl gespült wird. Auch sie sei nicht gegen eine Bebauung, aber nicht in der Form: „Was sollen wir denn noch hier, wenn wir die Berge nicht mehr sehen können?“

Vergleich mit München-Neuperlach

Zweifel an dem Projekt hat inzwischen auch Harda von Poser (Grüne): „Ich glaube, wir haben uns nicht klar gemacht, was wir da bisher beschlossen haben.“ Wohnraum sei wichtig, aber es müsse anders gehen. Der Weg, über 90 Wohneinheiten auf so engen Platz in eine Siedlung zu pressen, erinnere sie an München-Neuperlach: „Da kommt doch keine Sonne mehr rein. Lebensqualität holen wir so nicht nach Hausham.“ Zumindest sollten die vier- respektive fünfgeschossigen Wohnhäuser um eine Etage niedriger werden oder ein Block ganz entfallen. Um sich halbwegs eine Vorstellung von den Dimensionen zu machen, schlug von Poser noch vor, ein Schaugerüst aufzustellen.

Den Einwand Zangenfeinds, dass ein Schaugerüst technisch schwierig sein dürfte, ließ Hubert Lacrouts (CSU) nicht gelten: „In der Schweiz wird das für jede Hundehütte gemacht. Im Süden und nordwärts ist das doch machbar.“ Auch er würde ein Schaugerüst begrüßen: „Dann können sich die Leute zumindest eine grobe Vorstellung machen.“ Zangenfeind sagte zu, das prüfen zu lassen, und bekräftigte nochmals, die Kritik ernst zu nehmen.

Investor soll neue Vorschläge machen

Daher wurde die Schlierach GmbH bereits beauftragt, baldmöglichst Vorschläge zu unterbreiten, die auf die von der Öffentlichkeit vorgetragenen Konfliktsituationen eingehen. Außerdem soll ein neues maßstabsgetreues Modell mit Darstellung der Höhenentwicklung und einer Computeranimation angefertigt werden.

Entschieden wies Zangenfeind den Vorwurf zurück, dass es sich bei dem Projekt um eine Geldbeschaffungsmaßnahme der Gemeinde handele: „Ein Drittel der Wohnungen wird unterhalb des Marktpreises vermietet. Damit erreichen wir genau die Einkommensgruppe der Normalverdiener, die sich das sonst nicht leisten kann.“ hac

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