Günstiger, per App und wieder im Tal

Landkreis Miesbach entwickelt Angebot weiter: Wie das AST attraktiver werden soll

Schild für Anruf-Sammel-Taxi (AST)
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Wie dieses Schild ist das gesamte AST-System nicht mehr ganz frisch. Der Landkreis Miesbach möchte es wieder in Schwung bringen.
  • vonFridolin Thanner
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Landkreis – Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) im Landkreis Miesbach soll wieder ansprechender werden. Bessere Preise und eine App sollen es richten.

Der Landkreis Miesbach möchte dem Anruf-Sammel-Taxi (AST) neuen Schwung geben: Mit reduzierten Preisen und besserem Service soll das AST mindestens bis zum Beitritt des Landkreises zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) weiterfahren. Es könnte dann auch die Basis für ein künftiges On-demand-System sein.

Der Kreisentwicklungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das AST bis 2024 weiterzuführen und neu auszuschreiben. Die bestehenden Verträge laufen Ende 2021 aus. Der bedarfsgerechte Verkehr zeige sich gerade in Corona-Zeiten doch als eine wichtige Alternative zum ÖPNV, sagte Landrat Olaf von Löwis.

Er gab aber auch zu, dass es für das AST reichlich Kritik gegeben habe. Als es 2001 startete, war es ein innovatives System. „Wir haben leider versäumt, es weiterzuentwickeln“, sagte Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Mobilität beim Landratsamt.

Tegernseer Tal seit 2014 nicht mehr bedient

Die vier AST-Inseln im Landkreis zählen gut 1.400 Haltestellen, wovon allerdings nur noch rund 1.000 aktiv sind. Die Insel Tegernseer Tal wird mangels interessierter Betreiber seit 2014 nicht mehr bedient. Zumindest besteht aber wieder eine Verbindung ins Tal. Gmund wurde 2015 an die AST-Insel Miesbach angeschlossen.

Bedarfsorientiert ergänzt das AST die Linienverbindungen von Bus und Bahn im Landkreis und fungiert zudem als Zubringer zu deren Haltestellen. Trotz des guten Ansatzes wird das Angebot allerdings nicht besonders angenommen und zählt pro Jahr nur etwa 4.500 Nutzer.

Sinkende Preise und eine App

Komplett aufgeben möchte Landrat von Löwis das System aber nicht. „Wir brauchen irgendwas“, sagte auch Schiffmann und erklärte, dass der Aufwand sehr hoch sei, etwas ganz Neues zu entwickeln. „Einen Rückschritt können wir uns nicht leisten“, betonte Elisabeth Dasch (SPD). Da waren sich die Ausschussmitglieder weitgehend einig.

Um das Sammeltaxi attraktiver zu machen, soll der Preis sinken – von 60 auf 30 Prozent des Taxitarifs. Zudem soll das AST auch wieder im Tegernseer Tal fahren und zusätzlich per App online buchbar sein. Für den künftig verbesserten Service und mehr Fahrten rechnet der Kreis mit 250.000 bis 300.000 Euro. Fördermöglichkeiten werden geprüft.

Eine Gegenstimme zu neuen AST-Plänen

„Das Gute ist, wir bezahlen nur, was auch genutzt wird“, nannte Schiffmann einen Vorteil gegenüber zusätzlichen Linien. Am Ende stimmte das Gremium gegen die Stimme von Josef Bogner (FW), dem die Kosten in Relation zum Nutzen zu hoch waren, für die Weiterführung des Anruf-Sammel-Taxis.

Einstimmig beschloss der Ausschuss zudem, für die Zeit ab 2024 ein Konzept für einen in den MVV integrierbaren Bedarfsverkehr zu entwickeln. Dass dafür das AST als Basis dienen kann, machte Mobilitätsmanagerin Mona Dürrschmidt klar: „Wir stecken nicht jetzt Arbeit und Geld rein und danach ist das vom Tisch.“

Markt Holzkirchen geht voran

Arbeit und Geld investiert auch die Marktgemeinde Holzkirchen in ein eigenes On-demand-System. Dass dieses wahrscheinlich nicht mit dem Landkreissystem kompatibel sein wird, sorgte für Verwunderung und Kritik. „Keine Doppelstrukturen“, forderte etwa Anastasia Stadler (CSU).

Eine gemeinsame Lösung zu finden, sei der Grundgedanke, erklärte Schiffmann, der mit der Marktgemeinde in Kontakt ist. Holzkirchen strebe noch günstigere Preise und mehr Flexibilität an, sagte er. „Diese Vorstellungen integrieren wir soweit wie möglich in unsere Ausschreibung.“ Der Markt Holzkirchen teile die Ergebnisse seiner Workshops dem Landkreis mit. ft

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