Was THW, Katastrophenschutz und BRK leisten

Rundgang durch das geheime Corona-Zentrallager des Landkreises

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Aus den Hochlagern stellen THW-Kräfte die Pakete für die Bedarfsträger im Landkreis Miesbach zusammen.

Landkreis – Es sind die stillen Helden, die in der Corona-Krise alles geben. Ehrenamtliche von THW, Katastrophenschutz und BRK organisieren das Zentrallager des Landkreises. Ein Rundgang:

Eine große Lagerhalle im Landkreis Miesbach dient als Umschlagplatz für die vom Landratsamt beschaffte Schutzausrüstung. In Hochlagern warten dort verschiedene medizinische und Katastrophenschutzartikel, um dem Coronavirus Herr zu werden. Während andernorts Menschen ohne Rücksicht auf Schutzabstände und Passanten auf die Straße gehen, um gegen die von der Staatsregierung angeordneten Schutzmaßnahmen zu demonstrieren, organisieren dort bereits seit Wochen größtenteils Freiwillige von THW, Katastrophenschutz und BRK hoch motiviert die Beschaffung, Lagerung und Verteilung von inzwischen rund 200 verschiedenen Artikel an gut 200 Bedarfsträger, um Leben zu retten und zu schützen. Das ist umso schwieriger, als dass gerade bei FFP3-Masken und Schutzkleidung noch immer Mangel herrscht. Bei einem Lokaltermin haben kürzlich die drei Organisationen über die Arbeitsweise in dem geheim gehaltenen Lager informiert.

Wie Christian Pölt, Leiter Einsatz des Krisenstabs, bei der Begrüßung mitteilt, waren seit Feststellung des K-Falles am 16. März bisher rund 3.200 freiwillige Kräfte im Einsatz, um Material zu besorgen, zu kommissionieren und zu verteilen. Inzwischen hat sich der anfangs riesige Zeitaufwand etwas minimiert, wobei freie Tage aber oft noch Fehlanzeige sind. Sorgen bereitet Pölt und dem Team vor allem der Engpass an FFP3-Masken. 3.000 würden wöchentlich gebraucht, 100 konnten in Eigenregie beschafft werden. Der Zulauf aus dem Lager des Landesgesundheits­amtes liege bei Null. Nicht viel besser sieht es bei OP-Kitteln und Handschuhen aus.

Christian Pölt bemängelt die fehlende Zuweisung von FFP3-Masken und Schutzanzügen durch den Freistaat.

Um der Unterdeckung entgegenzuwirken, verschafft sich die Arbeitsgruppe um Andreas Pohl, Zugführer in der Unterstützungsgruppe örtlicher Einsatzleiter (UG-ÖEL), anhand eine Excel-basierten Gesamtbedarfsplanung für den Landkreis laufend einen Überblick. Anhand dessen werden direkt in Asien oder Bedarfsgemeinschaften Angebote eingeholt. Ebenso wird dort die Übersicht der zur Verfügung stehenden stationären Aufnahmefähigkeit geführt.

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Bei all dem leistet der erst wenige Tage vor dem K-Fall in Betrieb genommene neue Kommandowagen des Katastrophenschutzes mit dem Rufnahmen „Kater 13/1“ hervorragende Dienste: „Das ist eine perfekte Maschine, um sofort mit drei Computerarbeitsplätzen im geschützten Raum arbeiten zu können“, sagt Pohl und erklärt, dass dort auch die Anfragen der Bedarfsträger für ihren jeweiligen Wochenbedarf bearbeitet werden. Bearbeitet werden Anfragen von Krankenhäusern, Allgemein- und Zahnärzten Alten- und Pflegeheimen. Private Anfragen sind hingegen zwecklos.

Die Bedarfe werden dann mit Florian Mayer als ärztlichem Leiter des Krisenstabs priorisiert. Dass es keine leichte Entscheidung ist, wer bei den Mangelartikeln am Schluss leer ausgehen muss, ist Pohl anzumerken. Insgesamt aber stellt er fest, dass inzwischen ein relativ guter Lagerbestand vorhanden ist und von einem anfangs Dreischichtbetrieb auf einen Einschichtbetrieb heruntergefahren werden konnte, der aber jederzeit wieder hochgefahren werden kann.

Um die Kommissionierung der durch die OG-ÜEL festgelegten Chargen kümmert sich das Technische Hilfswerk (THW). In rund 6.000 Einsatzstunden haben die freiwilligen Helfer bis zu 150 Aufträge täglich bearbeitet. Dazu musste allerdings erst einmal ein funktionierendes Lager- und Buchungssystem aus dem Boden gestampft werden. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet Johannes Kaußler, der eigentlich Veranstaltungstechniker ist und mit Lagerhaltung bisher nichts am Hut hatte. Solche Herausforderungen und der Teamgeist machen den Dienst beim THW aber so spannend, sagt der 28-Jährige und meint noch augenzwinkernd: „Bis jetzt habe ich trotzdem noch nicht von dem Lager geträumt.“

Teamgeist wird groß geschrieben: Johannes Kaußler, Benedikt Thamm und Klaus Führer beim Einsortieren von Hubsi-Masken.

Neben der Zusammenstellung der Ware ist auch die Eingangsbuchung Sache des THW. Dass viele der Artikel aus China kommen und entsprechend beschriftet sind, macht es oft nicht leichter. Da musste das eine oder andere Mal auch schon der Google-Translator zu Hilfe genommen werden. Die genaue Zuordnung ist auch wichtig, weil ein Teil der Waren nicht unbegrenzt haltbar ist und dementsprechend früher verbraucht werden muss. Es kamen aber auch schon Pakete an, auf denen neben den chinesischen Schriftzeichen „Wünsche Deutschland einen frühen Sieg im Kampf gegen Epidemien“ zu lesen war. Eine wirklich schöne Geste, wie Sebastian Mayer vom THW-Ortsverband Miesbach feststellt, so traurig und schwierig die Lage auch zwischendurch ist.

In Verantwortung des THW war auch die Verteilung des sogenannten Aiwanger-Vlieses. Neun Rollen mit jeweils 400 Laufmetern wurden in Chargen für 100 Masken zurechtgeschnitten und an die hiesigen Schneidereien verteilt. Diese fertigten daraus 21.350 FFP2-Masken. Auch diese mussten im Lagersystem eine eindeutige Benennung bekommen. Auch da zeigte sich das THW-Team kreativ und war um eine Zuordnung nicht verlegen. Seither werden die Artikel unter „Mund-Nasenschutz Eigenbau Hubsi“ gebucht.

Jeweils drei THWler betreiben pro Schicht das Lager, drei Crews stehen dafür parat. Wie Klaus Führer sagt, würde es ohne das Entgegenkommen der Arbeitgeber nicht funktionieren: „Das ist essentiell, damit wir als Team unser Potenzial voll ausspielen können, das im Erfahrungsschatz vieler Leute aus unterschiedlichen Fachbereichen liegt.“

Die vom THW fertig gemachten Pakete landen schließlich in einem Regal und werden dort täglich, um 13 Uhr, vom Fahrdienst des BRK in Empfang genommen, um dann landkreisweit verteilt zu werden. Was nicht direkt beim Empfänger abgegeben werden kann, wird bei den Polizeiinspektionen in Bad Wiessee, Holzkirchen und Miesbach hinterlegt, um dann spätestens am nächsten Tag bei den Bedarfsträgern zu sein. Bei diesen vielen Fahrten durch den Landkreis kamen allein im April 5.000 Kilometer zustande, sagt BRK-Fahrdienstleiter Manfred Edenhofer. hac

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