Triple für die Kreisstadt

Landkreis Miesbach: Verleihung der Denkmalschutzmedaillen / Ehrenauszeichnung für Pawlovsky

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Die diesjährigen Preisträger der Denkmalschutzmedaillen-Verleihung und die ausführenden Architekten. Durch die Veranstaltung führte Christian Boiger (l.). Mit einer Ehren-Denkmalschutzmedaille wurde Ex-Kreisbaumeister Werner Pawlovsky (6.v.r.) ausgezeichnet.

Holzkirchen/Miesbach – Im Fools-Theater des Kultur im Oberbräu in Holzkirchen sind am vergangenen Mittwoch die diesjährigen Denkmalschutzmedaillen des Landkreises verliehen worden. Die Auszeichnungen gingen heuer an drei Objekte, die allesamt in der Kreisstadt stehen. Über die Medaillen freuten sich die Bauherren des „Schwarzmichlanwesens“ und „Beim Jager“. Außerdem ging eine der begehrten Medaillen an die Stadtwerke München, die dem Einödhof „Beim Hofer“ eine dezente Restaurierung zukommen ließ. Eine Ehren-Denkmalschutzmedaille wurde dem ehemaligen Kreisbaumeister Werner Pawlovsky verliehen. Er hatte 2012 die Prämierung ins Leben gerufen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Boiger, der als neuer Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde einen Teil der Aufgaben eines Kreisbaumeisters übernommen hat.

In seinem Grußwort erinnerte Landrat Wolfgang Rzehak daran, dass es sicher oft einfacher wäre, ein altes Bauwerk abzureißen und gegen ein modernes einzutauschen. „Jedes Haus erzählt aber auch seine eigene Geschichte, die Teil unser aller Historie ist und mit einem Abriss unwiederbringlich verloren geht.“ Er dankte den Preisträgern für ihre Bereitschaft, mit dem Erhalt ihrer Gebäude zur kulturellen Identität des Landkreises beizutragen.

Als Hausherr überlegte Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis in seiner Ansprache laut, ob heute im Landkreis Miesbach noch Gebäude entstehen, die von späteren Generationen als mögliches Denkmal klassifiziert werden können. Von Löwis warb mit einem Augenzwinkern schon mal für die jüngst entstandene römisch-katholische Kirche St. Josef in Holzkirchen.

Als erster Preisträger des Abends wurde das „Schwarzmichlan­wesen“ und sein Bauherr Ulrich Hirmer vorgestellt. Das kleine Stadthaus am Marktplatz 18 in Miesbach ist, wie Laudator Bernhard Mayer vortrug, ein „schlichtes, ländlich anmutendes Handwerkerhaus“, das nach dem Stadtbrand 1783 wiedererrichtet wurde. Dann aber kam es in die Jahre und wurde für die Eigentümer eine Last und dem Stadtbild keine Zierde. Bis Hirmer sich ein Herz fasste und dem Gebäude mithilfe des Schlierseer Architekten Johannes Wegmann und seiner Mitarbeiterin Theresa Könekamp seinen ursprünglichen Charme und Charakter wieder zurückgab.

Als zweites Projekt wurde die Generalsanierung des Anwesens „Beim Jager“ in Miesbach ausgezeichnet. Laudator Werner Pawlovsky wusste zu berichten, dass Teile des Blockbaus bis auf das Jahr 1658 zurückgehen. Zur Wahrung des charakteristischen Denkmalbestandes wurde eine mehrjährige Planungs- und Instandhaltungsgeschichte notwendig. Die haben die Bauherren Veronika und Armin Pilger, wie Pawlovsky schmunzelnd erzählte, mit Bravour überstanden und das Haus schließlich als ein „eigensinniges und durchaus auch anspruchsvolles Familienmitglied“ angenommen. Begleitet wurden sie dabei von Architekt Udo Rieger.

An den Einödhof „Beim Hofer“ ging schließlich die dritte Auszeichnung. Der Hof war insgesamt in einem „leicht verwittertem Zustand“, wie Laudator Frank Seehausen vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege berichtete. „Hier wurde mit sehr behutsamen denkmalpflegerischen Maßnahmen zu Werke gegangen. Das hatte zur Folge, dass das Anwesen nicht wie geleckt dasteht, sondern ihm seine Würde gelassen wurde“, lobte Seehausen die Arbeit, die, wie er meinte, in ihrer Art auch ein Vorbild sein kann. Nicht zuletzt war dies wohl auch nur möglich, weil die Stadtwerke München als Besitzer keinen besonderen Nutzungsdruck auf das Gebäude hatten.

Zu guter Letzt wurde der ehemalige und mittlerweile im Ruhestand befindliche Kreisbaumeister Werner Pawlovsky für seine Lebensleistung und für seinen Einsatz für den Denkmalschutz mit einer Ehren-Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Der meinte: „Fünf Minuten hätte ich noch gerne.“ Seinen leidenschaftlichen Appell für den Denkmalschutz beendete Pawlovsky mit den Worten: „Wenn ich den Satz ,Was wollt ihr denn mit dem alten Glump?‘ nicht mehr hören muss, hat sich die Arbeit gelohnt.“

Gastredner Werner Tscholl, seines Zeichens Italiens Architekt des Jahres 2016, stellte einige seiner gewagten neuen Bauwerke vor, die, wie er sagte, „statisch an der Grenze des Machbaren sind“. Aber auch vielen mutmaßlich unwichtigen und nutzlosen Ensembles hauchte der Südtiroler Architekt nach seinem Motto „Altes bleibt alt, Neues wird neu“ neues Leben ein. Außerdem zeichnete sich Tscholl unter anderem auch für den Umbau der Burg Sigmundskron bei Bozen zu einem der Museen von Bergsteigerlegende Reinhold Messner und dem Benediktinerstift Marienberg in Mals verantwortlich. Den Landkreis beglückwünschte er zur Einführung der Medaille: „Es ist vollkommen richtig, die Bauherren zu ehren. Sie tragen die Bürde und die Kosten, wir Architekten sind doch nur ausführende Gehilfen.“hac

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