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Landratsamt Miesbach: Preise für Bau steigen enorm – Zeitplan entzerrt

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Von: Fridolin Thanner

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Ersatzbau Landratsamt Miesbach
Die vorbereitenden Arbeiten für den Ersatzbau des Landratsamtes laufen. Die beiden Gebäude, die weichen müssen (links), werden im Frühjahr abgerissen. © Fridolin Thanner

Miesbach – Im Kreistag besteht kein Zweifel, dass der Ersatzbau für das Landratsamt kommen muss. Trotz der enorm gestiegenen Kosten hält das Gremium an den Plänen fest.

Einige der Kreisräte übten Kritik an der Tiefgarage, die in dem Zuge des Ersatzbaus für das Landratsamt ebenfalls entstehen soll. Auf sie entfallen mehr als 13 Millionen Euro der 60 Millionen Euro Gesamtkosten für das Vorhaben an der Münchner Straße in Miesbach.

„Es ist unabdingbar, dass sich die Raumsituation bessert“, sagte Abteilungsleiterin Maria Rode. Sie verdeutlichte einmal mehr, dass der Ersatzbau für die Behörde dringend nötig ist. Das sehen die Kreisräte ebenfalls und sprachen sich klar dafür aus, das Projekt umzusetzen. Erste Arbeiten wie die Verlegung der Infrastruktur laufen bereits, erklärte Rode.

Landratsamt Miesbach: Ersatzbau soll Ende 2025 fertig sein

Anfang kommenden Jahres werden die beiden Gebäude abgerissen, die für den Ersatzbau weichen müssen. Dieser soll Ende 2025 fertig sein, wie Planerin Jessica Lauterbach vom Landratsamt erläuterte. Der zweite Bauabschnitt, die beiden Wohngebäude und die Tiefgarage, rückt weiter nach hinten. „Baubeginn ist 2027“, sagte Lauterbach. Geschuldet ist das den hohen Kosten und der Finanzlage des Landkreises. „Wir können es uns einfach nicht leisten“, erteilte Landrat Olaf von Löwis einem strafferen Zeitplan eine Absage.

Kreiskämmerer Gerhard de Biasio hofft, dass es günstiger wird. „Die Baupreise sind momentan jenseits von Gut und Böse“, betonte er. „Aber der Bausektor beginnt langsam zu lahmen“, hat er erkannt und erwartet, „dass wir die Auswirkungen in den nächsten Jahren sehen“. Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung glaubt de Biasio: „Es müssten auch die Baupreise zurückgehen.“ Rohstoffpreise fallen bereits, „aber es kommt noch nicht bei uns an“. Als weiteren Vorteil bei einem erst späteren Wohnungs- und Tiefgaragenbau nannte er, „dass wir uns mit der Baustelleneinrichtung leichter tun“. Sollten sich die Rahmenbedingungen verbessern, „können wir den Bau auch wieder vorziehen“. Laut derzeitigem Plan sollen der Wohnungsbau und die Tiefgarage 2029 fertig werden. Letztere lehnen einige Räte in ihrer geplanten Form ab.

Während der Ersatzbau des Landratsamtes trotz der hohen Kosten auf breite Zustimmung stößt und auch der Wohnungsbau als dringend nötig gesehen wird, geriet die geplante Tiefgarage im Kreistag in die Kritik. Nördlich der Riezlerstraße, auf der derzeit als Parkplatz genutzten Fläche, sollen zwei große Gebäude mit insgesamt 24 Mietwohnungen entstehen. Autos für die Bewohner, ebenso wie für Mitarbeiter und Besucher des Landratsamtes, sollen darunter Platz finden.

Kreiskämmerer de Biasio: „exorbitante Preissteigerung“

Weil jedoch Stahl und Beton derzeit sehr teuer sind – Kreiskämmerer de Biasio sprach von einer „exorbitanten Preissteigerung“ – wird die Tiefgarage mit 166 Stellplätzen richtig kostspielig. „Wir zahlen 13 Millionen für Autos und 8 Millionen für Wohnungen“, kritisierte nicht nur Anastasia Stadler (CSU) diese Gewichtung. Auch für ihren Fraktionskollegen Georg von Preysing „steht das nicht im Verhältnis, da müssen wir uns Gedanken machen“. Dafür sprach sich Robert Wiechmann (Grüne) ebenfalls aus, der mutmaßte, dass in zehn Jahren vielleicht gar nicht mehr so viele Stellplätze wie angenommen benötigt werden. „Da kann es doch nicht sein, dass wir jetzt 13 Millionen in die Tiefgarage stecken“, sagte er. Mehrere der Kreisräte sind für eine reduzierte Stellplatzzahl.

Florian Hupfauer (FDP) hielt dagegen: „Die „Parkplatznot“ in Miesbach sei bekannt, betonte der Kreis- und Miesbacher Stadtrat. Für ihn steht fest: „Wir werden den Platz auch weiterhin benötigen.“ Dass die Stellplätze wichtig sind, sagte auch Gerhard Braunmiller (CSU). Der Bürgermeister verwies auf die Entscheidung des Stadtrats, der für den sozialen Wohnungsbau bereits mit einem reduzierten Stellplatzschlüssel einverstanden war – für den Ersatzbau des Landratsamtes jedoch auf die übliche Zahl bestand.

Neben der Tiefgarage sorgte bei einigen Kreisräten auch der fehlende Dachüberstand für Kritik, ebenso wie im Miesbacher Bauausschuss. Dennoch zeigte sich der Kreistag generell einverstanden mit dem Vorhaben, es soll auf Basis der präsentierten Planungen vorangebracht werden. ft

Netto-Brutto-Verwechslung

Ein Rechenfehler eines Planungsbüros hat ebenfalls zu einer höheren Summe beim Ersatzbau des Landratsamtes beigetragen. Wie in der Kreistagssitzung am Dienstag (25. Oktober) deutlich wurde, gab ein Büro den Netto- statt Bruttopreis an. Deshalb steht nun nochmal eine Million mehr auf dem Papier. Einen Schadenersatz anzustreben hält Kreiskämmerer Gerhard de Biasio für wenig aussichtsreich. „Es ist kein wirklicher Schaden entstanden“, sagte er. Hätte der Planer richtig gerechnet, wäre ja der Betrag herausgekommen, der nun eben auch in der Kostenberechnung steht. ft

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