Es wird weiter stinken

Leader-Projekt zur geruchsarmen Gülleausbringung in Holzkirchen ist eingestellt

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Aus dem Leader-Projekt zur geruchsarmen Gülle-Ausbringung wird nichts. Grund dafür ist eine Studie, von der bisher offenbar niemand etwas wusste.

Holzkirchen – Im Dezember hat der Marktgemeinderat Holzkirchen mit großer Mehrheit beschlossen, mit finanzieller Unterstützung aus dem Leader-Programm gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und acht Landwirten aus dem Gemeindegebiet ein Forschungsprojekt zur geruchsarmen Gülleausbringung zu starten. Dieser Beschluss wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig wieder kassiert. Grund dafür sei, dass Leader aussteige, weil es dazu bereits eine Forschungsarbeit gibt.

Bürgermeister Olaf von Löwis zeigte sich von dem Leader-Rückzug enttäuscht. Für ihn ist es eine vertane Chance, um das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und den Landwirten zu verbessern. Um den Güllegestank zu reduzieren, erklärten sich die an der Studie teilnehmenden Landwirte bereit, ihre Gülle mir Mikroorganismen zu versetzten. Gekostet hätte das Projekt rund 89.000 Euro, die Hälfte davon wäre aus Mitteln der Leader-Förderung gekommen. Die Marktgemeinde hätte zehn Prozent und die Landwirte den Rest getragen.

Nun aber wurde bekannt, dass am Wissenschaftszentrum Weihenstephan bereits eine Masterarbeit über geruchsarme Gülleausbringung vorliegt. Da Gelder aus dem Leader-Programm aber nur für Projekte fließen, die noch nicht wissenschaftlich begleitet wurden, sind die Voraussetzungen für eine Förderung des Holzkirchner Versuchs entfallen.

FWG-Marktgemeinderat Martin Taubenberger, selbst einer der Landwirte die an der Studie teilgenommen hätten, sprach von einer „vertanen Chance zu zeigen, das Bürger, Bauern und Kommune an einem Strang ziehen.“ Ohne die Förderung sieht Taubenberger für das Projekt schwarz: „Keiner hat 20.000 Euro übrig, um die in die Güllegrube zu schmeißen.“ Interessant wäre der Versuch aus seiner Sicht auch gewesen, um eine Alternative zu Düngeverordnung aufzuzeigen. Diese verpflichtet die Bauern, bald ihre Gülle in Bodennähe auszubringen. Wie Taubenberger weiter sagte, führt dieses Verfahren aber vor allem bei höheren Temperaturen zu einer viel höheren Futterverschmutzung als die bisher übliche Breitverteilung. „Das ist auch nicht im Sinne des Tierwohls. Mit Hilfe der Bakterien in der Gülle hätten wir die bodennahe Gülleausbringung vielleicht umgehen können.“

Als „befremdlich und seltsam“ stufte Ulrike Küster (Grüne) die Entscheidung von Leader ein, auf Grund einer einzigen Studie die Fördergelder zu streichen. Wie sie sagte, hat sie auf ihre Nachfragen auf Inhalte und Grundlagen der Masterarbeit keinerlei Informationen bekommen. Der Rathauschef versprach, sich darum zu kümmern und allen Beteiligten die Erkenntnisse der Masterarbeit mitzuteilen.

Das vorgesehene Geld sollte jetzt aber auf Vorschlag von Christoph Schmid (CSU) dennoch eingesetzt werden, um „das gedeihliche Miteinander und die Kommunikation von Landwirten und der Bevölkerung weiter zu verbessern.“ Dazu soll das hiesige AELF mit ins Boot geholt werden. Die Idee wurde in den Beschlussvorschlag aufgenommen und einstimmig abgesegnet.  hac

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