Positives Resümee

„Marktplatz Gute Geschäfte“ verbindet Vereine und Unternehmen nachhaltig

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Begeistert von Erfolg und Nachhaltigkeit der „Marktplatz-Methode“ im Landkreis Miesbach sind (vorne v.l.): Konrad Buckel (Raiffeisenbank), Schirmherr Olaf von Löwis und Regina Schliephake (SMG) sowie (h.v.l.) Gerda Mayer und Ali Sene (Hilfe für die Straßenkinder in Mbour e.V.), Johann Holzinger (SMG), Annika Walther (Markt Holzkirchen) und Christian Köck (Kreissparkasse).

Miesbach/Landkreis – Der Spruch „Eine Hand wäscht die andere“ hat oft einen negativen Beigeschmack und steht dann für undurchsichtige Vetternwirtschaft. Durch die „Marktplatz-Methode“ bekommt die Redewendung aber die genau gegenteilige und korrekte Bedeutung. Beim zweiten landkreiseigenen „Marktplatz Gute Geschäfte“ im Frühjahr in Holzkirchen ging der gemeinnützige Tauschhandel zwischen regionalen Unternehmen und Vereinen munter weiter – 59 Vereinbarungen wurden getroffen. Wohlgemerkt, ohne dass ein Cent als Gegenleistung fließt. Dieser Tage trafen sich einige „Handelspartner“ bei der Standort Marketinggesellschaft (SMG) in Miesbach und zogen ein überaus positives Resümee.

Die „Marktplatz-Methode“ bringt Unternehmen und gemeinnützige Organisationen aus einer Stadt oder Region für eine ungewöhnliche Begegnung zusammen. Wie auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander und es werden gemeinsame Projekte für das Gemeinwesen vereinbart. Den Formen des Engagements sind dabei keine Grenzen gesetzt, lediglich Geld ist tabu. Am 20. März fand im Holzkirchner „Oberbräu“ der zweite „Marktplatz Gute Geschäfte Landkreis Miesbach“ statt und hat die Erwartungen nicht nur von SMG-Regionalmanagerin Regina Schliephake mehr als erfüllt: „Es wächst, es wird bekannter, die Unternehmen und die Vereine haben Lust drauf.“ In diesem Jahr beteiligten sich bereits 16 gemeinnützige Organisationen (Vorjahr zwölf) und 22 (17) Firmen. Dabei wurden 59 (40) Vereinbarungen getroffen mit insgesamt 2400 (860) Stunden ehrenamtlichen Engagements und 24 (zehn) Sachleistungen. Weil das Ganze so unkompliziert abläuft, wurden pro Unternehmen und Verein sogar mehr Kooperationen als noch 2018 beschlossen.

Schirmherr Olaf von Löwis freut dieser Erfolg sichtlich: „Besser kann man nicht zeigen, wie Firmen und gemeinnützige Ideen zusammenpassen. Am meisten verblüfft hat mich der Spaßfaktor, mit welcher Freude alle mitgemacht haben.“ Bürgermeister von Löwis war in diesem Jahr erstmals auch als Vertreter der Marktgemeinde Holzkirchen präsent, die vor allem ökologische sowie soziale Projekte vereinbarte, darunter mit dem Bund Naturschutz (BN) und der SG

Integrativ Hausham. Den BN beispielsweise haben Gemeindemitarbeiter beim Bau von Insektenhotels unterstützt. Als Gegenleistung übernimmt der BN die Kinderbetreuung von Gemeindemitarbeitern und Besuchern beim Tag der offenen Tür, berichtete Rathaussprecherin Annika Walther.

Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee war ebenfalls zum ersten Mal dabei und hat gleich vier Vereinbarungen getroffen. Geschäftsstellenverbundleiter Christian Köck berichtete begeistert von gelungenen und kreativen Kooperationen, die bereits ein ganzes Netzwerk bilden würden. Für das BRK Miesbach etwa wurden die Mitarbeiter aller Geschäftsstellen im Landkreis zu einer Kleidersammlung aufgerufen. So kamen über 50 Säcke mit gut erhaltener Kleidung zusammen, die nun sogar dem gesamten Landkreis zugute kommt. Das BRK hat die Sparkassen-Mitarbeiter dafür kürzlich zu einer Bootsfahrt mit Grillen eingeladen.

Von einer Win-win-Situation sprach auch der Vorstands­vorsitzende der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing, Konrad Buckel. Die Bank hat, wie schon 2018, ein Projekt mit dem Holzkirchner Weltladen vereinbart. Heuer soll in der Otterfinger Filiale nach der Sparwoche ein Produktverkauf stattfinden. Dafür legt der Weltladen die Raiffeisen-Flyer zum Thema Nachhaltigkeit aus.

Nachhaltigkeit sei ohnehin die gute Botschaft des Marktplatz-Gedankens in Zeiten von Verschwendung und Co. „Wenn wir alle zusammenarbeiten, mache ich mir eigentlich keine Sorgen um die Zukunft“, betonte Olaf von Löwis. Dass sich gerade die Unternehmen ihrer Vorbildfunktion bewusst sind, belegt seit kurzem auch eine Bachelor-Arbeit über das Konzept „Marktplatz Gute Geschäfte“ der SMG, die an der Münchner Hochschule für Angewandte Sozialwissenschaften eingereicht wurde. Erfunden hat die SMG die „Marktplatz-Idee“ indes nicht – sie stammt aus den Niederlanden.

Auch für Algaf Sene, bekannt als Ali, und Gerda Mayer vom Holzkirchner Verein Hilfe für die Straßenkinder in Mbour (Senegal) lohnt sich der „Marktplatz“ im Landkreis Miesbach auf alle Fälle. Es entwickle sich immer etwas. Vom Transporter-Verleih, um zum Afrika Festival in Österreich fahren zu können, bis zur Broschüre zum zehnjährigen Bestehen, die der Verein mithilfe des Know-hows der SMG auflegen konnte. „Persönliche Kontakte entstehen und sind viel besser. Eine Hand wäscht die andere“, sagte Ali Sene begeistert. „So eine Aktion verbindet die Menschen auch. Eine gute Idee – Respekt und weitermachen!“

Wenn es nach „Marktplatz“-Managerin Schliephake geht, dürfte die „Schallmauer“ von 99 Vereinbarungen nächstes Mal durchbrochen werden. Inzwischen gibt es auch genug Referenzbeispiele, wie gemeinnütziger Tauschhandel im Landkreis gelingt. Der dritte „Marktplatz Gute Geschäfte“ ist jedenfalls gesetzt und für das Frühjahr 2020 vorgesehen. sko

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