Maximilian: Grünen-Rätin Helga Wagner wettert

„Eine Farce“

+
Statt Büroräume sollen nun zwei Arztpraxen ins Ober- und Dachgeschoss des Maximilians kommen.

Gmund – Es hat gekracht im Sitzungssaal des Gmunder Rathauses. Als am Dienstagabend der Ortsplanungs-Ausschuss tagte, brach ein heftiges Gewitter los: Grünen-Rätin Helga Wagner redete sich in Rage und warf mit Vorwürfen um sich.

Zunächst fing alles ganz harmlos an. Auf dem Ratstisch lag ein Tekturantrag des Brauhauses Tegernsee für den denkmalgeschützten Maximilian. Es ging dabei um den Bau eines Lastenaufzugs im hinteren Bereich der Parkplätze sowie um die Errichtung eines 2,50 mal 2,80 Meter großen Windfangs am Eingang zum Biergarten. Letzterer soll ein 12,30 mal 3,60 Meter großes Salettl erhalten – zum Schutz und für eine gemütliche Atmosphäre. Wie Bauamtsleiterin Christine Lang erklärte, betrifft eine weitere Änderung das Ober- und Dachgeschoss des ehemaligen Gasthauses. Waren bisher auf 600 Quadratmetern Büroräume angedacht, so wollen sich hier nun zwei Arztpraxen niederlassen. Umgeplant wurde auch die Dachgestaltung: Statt eines durchgängigen Lichtbandes sind jetzt auf beiden Seiten der Dachflächen jeweils neun kleine Dachfenster vorgesehen. Diese stünden mit der Ortsgestaltungssatzung „im Einklang“, sagte Lang. Windfang und überdachter Freisitz bedürften allerdings einer Abweichung von den Festsetzungen im Bebauungsplan. Mit den Arztpraxen ändere sich auch der Stellplatzbedarf. Lang: „Statt 20 sind künftig nur 17 Stellplätze erforderlich.“ Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) befürwortete die Änderungen. Der Windfang sei eine „gute Lösung“ und das Salettl eine „gute Ergänzung zum Biergarten“. Zudem fand Rabl: „Die Dachflächenfenster sind mit Sicherheit sinnvoller als das Lichtband.“ 

Dann war es vorbei mit der Ruhe am Ratstisch. Helga Wagner legte so richtig los.„Es ist nur noch eine Steinfläche, die übrig bleibt. Ich denke, ihr habt alle keine Ahnung von einem bayerischen Biergarten“, zog sie vom Stapel. Vize-Bürgermeister Rabl verwies auf zwei eingeplante große Bäume, doch Wagner wetterte weiter: „Das ist doch eine Farce. Das ganze Gelände ist eine einzige Betonwüste.“ Die dann von der Grünen-Rätin gestellten Fragen in punkto Kellergewölbe, Stuckdecken oder Dachstuhl ließen vermuten, dass sie über die laufenden Sanierungsarbeiten nur unzureichend informiert ist. Bürgermeister Georg von Preysing versuchte, zu beruhigen: „Alles, was das Landesamt für Denkmalpflege als erhaltungswürdig eingestuft hat, bleibt erhalten.“ Wagner hegte Zweifel: „Ich bin unsicher, weil ich nicht weiß, ob das alles so stimmt, was Sie sagen.“ Gmunds Gemeindeoberhaupt wies erneut darauf hin, dass das Landesamt für Denkmalpflege „sehr akribisch“ vorgehe. Darüber hinaus zeigte sich der Rathauschef froh darüber, dass die Brauerei so viel Geld in den Bau investiere. „Ich finde es schade, dass nur negative Kommentare zu hören sind“, stellte CSU-Sprecher Franz von Preysing enttäuscht fest. Man solle dankbar sein, dass sich mitten im Zentrum zwei neue Arztpraxen ansiedeln. Es sei gut, was hier entstehe. 

Wagner meldete sich erneut zu Wort – noch wütender. Das Restgrundstück sei so zubetoniert und der Maximilian derart eingebaut, dass es nicht im Mindesten schön sei. „Die Abwicklung des Verkaufs an Ten Brinke stinkt von vorne bis hinten“, wetterte Wagner. Ten Brinke sei ein Immobilienspekulant, der über Leichen gehe. Ihren Kollegen im Ortsplanungs-Ausschuss und dem Bürgermeister warf Wagner vor, den Maximilian verraten zu haben. 

Peter Heerklotz (CSU) wurde das zu viel. Er wies die Vorwürfe zurück und kritisierte Wagners Verhalten. Auch Bürgermeister von Preysing hatte genug und bat die Grünen-Rätin, sich zurückzuhalten. Gegen die Stimme Wagners wurde schließlich den beantragten Änderungen stattgegeben. 

rei

Auch interessant

Meistgelesen

„Kreistag ist ein Kollegialorgan“
„Kreistag ist ein Kollegialorgan“
Miesbacher Bäder-Dialog
Miesbacher Bäder-Dialog
Pferdestärken am See
Pferdestärken am See
Rahmen mit Spielraum
Rahmen mit Spielraum

Kommentare