Kein Verständnis für Kuh-Urteil

Meinung zu Bienen-Bürgerbegehren und Wolf sowie Wahlen bei den Almbauern

+
Das bewährte Team setzt seine Arbeit fort: Georg Mair(r.), Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, und Geschäftsführer Hans Stöckl (l.) gratulierten Bezirksalmbauer Klaus Schreyer (2.v.r.) und seinem Stellvertreter Martin Lechner zur Wiederwahl.

Aurach – Auf ein ereignisreiches Jahr blickte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) bei der Versammlung der Bezirksalmbauernschaft Miesbach in Aurach zurück. Dabei ging es um Highlights wie die Hauptalmbegehung und den Almbauerntag in Schliersee 2018, aber auch um aktuelle Problemfelder in der Almwirtschaft. Auf der Tagesordnung standen zudem Neuwahlen, die im Fünfjahres-Turnus angesetzt sind.

Der Artenschutz war wieder ein großes Thema: Dabei fand Bezirksalmbauer Klaus Schreyer, es sei erstaunlich, dass die Almbauern mit ihrer naturnahen Bewirtschaftung reglementiert würden. „Ich weiß keine Nitratbelastung bei uns,“ führte er als Beispiel an. Dementsprechend forderte Schreyer eine Sonderverordnung für den Almbereich. Dieser solle als Biofläche berücksichtigt werden, da er vielfach auch so bewirtschaftet werde, empfand der AVO-Vorsitzende Georg Mair. Was das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen!“ angehe, wolle man sich gerne in die Diskussion einbringen und habe diesbezüglich auch einiges zu bieten. Es sei jedoch auch die Bevölkerung gefordert. „Es soll kein moderner Ablasshandel werden, dass man ein Kreuz macht und gut ist es“, meinte Mair.

Ein Dauerthema der Almwirtschaft bleibt der Wolf. Der Bayerische Wolfsaktionsplan würde einerseits von Umweltverbänden abgelehnt, andererseits sei auch der AVO nicht mit diesem einverstanden. Dort sei zwar ein Bekenntnis zur Weidewirtschaft festgeschrieben. „Aber wir brauchen großflächige Weiden,“ erklärte Mair. Eine Aufteilung in kleine Segmente bringe nichts. Der Wolf gehöre in das Jagdrecht, forderte Mair ebenso wie großflächige wolfsfreie Gebiete, wie dies in Skandinavien etwa zum Schutz der Rentiere der Fall sei.

Auch ein österreichisches Gerichtsurteil war Thema. Im Nachbarland kam eine Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war, durch den Angriff einer Kuh ums Leben. Der Almbauer wurde zu einer Geldstrafe und zur Zahlung einer Rente an die Hinterbliebenen verurteilt. Die Strafe sei so nicht nachvollziehbar, meinte Mair, appellierte an die Eigenverantwortlichkeit der Wanderer und erklärte, dass es speziell durch mitgeführte Hunde immer wieder zu Problemen käme. In Österreich habe nun der Bund eine Generalhaftpflicht für Tierhalter abgeschlossen - eine Idee, die auch hierzulande aufgenommen werden könnte. Dabei wies der AVO-Vorsitzende darauf hin, dass es etwa in Tirol kein allgemeines Betretungsrecht wie in Bayern gebe: „Und der Tourismus wird immer mehr, und in manchen Gegenden ufert er aus.“

Mit dem abgelaufenen Almjahr war Mair zufrieden. Die Anzahl der aufgetriebenen Tiere sei oberbayernweit ebenso stabil wie die Almflächenmenge. Durch den Sommer sei es auf einigen Almen zur Wasserknappheit gekommen. „Für die Zukunft ist es ratsam, in die Wasserversorgung zu investieren,“ war daher sein Rat. Aufgrund von Stürmen und Schneedruck stünden heuer erst einmal umfangreiche Aufräumarbeiten an.

Als absoluten Höhepunkt der Vereinsaktivitäten sah Mair die Ausrichtung der Internationalen Almwirtschaftstagung in Garmisch-Partenkirchen durch den AVO, die von 350 Teilnehmern besucht wurde. Auch die Hauptalmbegehung in Schliersee sei mit knapp 1000 Gästen „bestens gelungen“. Der folgende Almbauerntag wurde mit dem Kirchzug und im Festzelt würdig begangen: „Man hatte den Eindruck, bodenständiges Brauchtum wird gelebt.“

Im Rahmen der Veranstaltung stellte sich auch Landschaftspflegeverbands-Geschäftsführer Mathias Fischer vor. Dabei freute er sich auf eine Zusammenarbeit mit den Almbauern: „Mit der Erhaltung der Artenvielfalt haben wir viele Parallelen.“

Bei den Wahlen wurde Klaus Schreyer aus Fischbachau als Bezirksalmbauer bestätigt. Sein Stellvertreter Martin Lechner aus Schliersee wurde ebenso einstimmig wiedergewählt. maf

Auch interessant

Meistgelesen

Braunmiller will Miesbacher Bürgermeister werden
Braunmiller will Miesbacher Bürgermeister werden
Offener Brief wegen Zukunft der Netto-Filiale in Bad Wiessee
Offener Brief wegen Zukunft der Netto-Filiale in Bad Wiessee
Delegierte des CSU-Kreisverbandes Miesbach bestätigen Führungsspitze
Delegierte des CSU-Kreisverbandes Miesbach bestätigen Führungsspitze
Bestes Wetter an Fronleichnam / Prozessionen auch am Sonntag
Bestes Wetter an Fronleichnam / Prozessionen auch am Sonntag

Kommentare