Theater rüttelt auf in Miesbach

„Anders als du glaubst“ thematisiert Gott und die Welt vor vollem Haus

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Die Berliner Compagnie begeisterte im Gymnasium Miesbach mit dem Theaterstück "Anders als du glaubst".

Miesbach – Ein Theaterstück polarisiert auch in Miesbach und rüttelt auf. Die Berliner Compagnie zeigte „Anders als du glaubst“ im Gymnasium vor vollem Haus.

Tagtäglich hören, sehen und lesen wir die Schreckensnachrichten unserer Welt. Angesichts all der Kriege und Ungerechtigkeiten fragt sich so mancher: „Wenn es Gott gibt, wie kann er das alles zulassen?“. Eine Antwort auf diese Frage sucht das alternative Tourneetheater Berliner Compagnie in seinem Stück „Anders als du glaubst“.

Vergangene Woche waren die fünf Schauspieler aus Berlin zu Gast in der Aula des Miesbacher Gymnasiums. „Es war ein Wagnis“, sagt Max Niedermeier, der mit Lisa Braun-Schindler den unvergesslichen Abend ermöglicht hat. Denn im Vorfeld mussten die Initiatoren mit vielen Bedenken kämpfen: „Das Stück ist zu schwer – das wird zu teuer – da kommen keine 50 Leute…“.

Doch der Integrationsbeauftragte des Landkreises und das Netzwerk Integration gaben nicht auf. Und konnten schließlich erleichtert feststellen, dass das Haus komplett ausverkauft war. Niedermeier brachte auf den Punkt, was das Erstaunlichste war: Jung und Alt waren gekommen, Männer und Frauen, Christen und Muslime, Menschen vieler Hautfarben… Die Politik war mit Bürgermeisterin Ingrid Pongratz, Stellvertreter Paul Fertl und SPD-Landratskandidatin Christine Negele vertreten, die Pfarrer aller Konfessionen waren anwesend, ebenso die Mitveranstalter von VHS, Kreisbildungswerk, Amnesty International, Studienzentrum Josefstal sowie Mitglieder vieler Vereine, ja sogar hoher Besuch aus dem interkonfessionellen und interkulturellen Bereich der Stadt München und der Erzdiözese.

Max Niedermeier überreichte Lisa Braun-Schindler, die mit ihm das Theater organisiert hatte, Blumen.

Sie alle wurden nicht enttäuscht, denn das Stück – abwechslungsreich, wortgewaltig und mit gekonnter Spielfreude in einem schlichten Bühnenbild dargeboten – ging unter die Haut. Die Geschichte beginnt mit einem Attentat. Zu ihrer Überraschung finden sich die fünf Personen, die dabei getötet werden, in einem Raum wieder, der irgendwo zwischen Himmel und Hölle liegt: Eine fromme Muslima, eine gläubige Christin, ein gottesfürchtiger Jude, ein linker Atheist und ein eingefleischter Skeptiker finden schnell heraus, dass Gott persönlich sie für eine Aufgabe auserwählt hat. Als Kinderstimme aus dem Off erklärt er ihnen, dass sie die Chance haben, noch einmal zu leben, wenn sie eine Aufgabe erfüllen.

Schon diese erste Szene setzte die Zeichen für das hohe Niveau und den großen Anspruch des Stückes. Obwohl die hervorragenden Schauspieler es den Zuschauern leicht machten, dem komplexen Text zu folgen, war klar: Diese Afrikareise der unsichtbaren Fünf wird kein Vergnügen. Gott hat existenzielle Situationen ausgesucht. So gilt es etwa, in Burkina Faso die Ermordung von Thomas Sankara zu verhindern und einen Gefangenen in einem Al-Qaida-Lager vor der Hinrichtung zu bewahren, Flüchtlinge in einem lecken Boot zu retten, einer verzweifelten Krankenschwester in der Sahelzone Mut zu machen und die weitere Besetzung des Westjordanlandes zu verhindern.

Jede einzelne Szene sorgt für Gänsehaut, denn auf der Bühne prallen nicht nur die Religionen und politischen Überzeugungen aufeinander. Im Lauf der 90 Minuten, die das Stück dauert, erkennt der Zuschauer, dass die eigentlichen Aufgaben der Menschheit sich nicht mit Sprüchen aus Bibel und Koran oder Sätzen von Karl Marx lösen lassen. Nur wahre Mitmenschlichkeit, ehrliches Verständnis für die persönliche wie wirtschaftliche Lebenssituation anderer und die Erkenntnis, dass jede Handlung Konsequenzen hat, können den Weg weisen.

Das verstehen auch die fünf Probanden zu guter Letzt. Und werden zur Belohnung wieder hinunter geschickt. Auf die Erde beziehungsweise in die Hölle, zu der wir selbst unseren Planeten teilweise gemacht haben. Unter anderem auch in Penzberg ist das Stück bereits aufgeführt wordenvwo

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