Rückkehr zur Normalität

Ende der Ausgeh- und Besuchsverbote in Heimen im Landkreis Miesbach gefordert

Anton Grafwallner setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach ein – auch in Zeiten von Corona.
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Anton Grafwallner setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach ein – auch in Zeiten von Corona.

Landkreis – Mit einem offenen Brief setzt sich Anton Grafwallner, Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach, für eine Rückkehr zur Normalität in Heimen ein.

Das Gröbste bei der Corona-Pandemie scheint zunächst überwunden. Doch eine Sache fehlt: Die Beauftragten für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach fordern, dass auch mehr Regeln in Pflege- und Behinderteneinrichtungen gelockert werden.

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Seit fast zwei Wochen gibt es keine Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Landkreis Miesbach, wie das Landratsamt mitteilt. Der bundesweite Reproduktionsfaktor liegt laut Robert-Koch-Institut unter 1. Das heißt, eine Person steckt weniger als eine weitere Person an. Ein entscheidender Fakt im Kampf gegen das Coronavirus. Angesichts dieser Sachlage fordern Bewohner von Pflege-und Behinderteneinrichtungen sowie deren Angehörige, dass das Besuchs- und Ausgehverbot deutlich gelockert und an die aktuelle Situation angepasst wird, erklärt Anton Grafwallner, Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach. „Nach zehn Wochen massivster Einschränkungen in den Heimen – das bedeutet keine Physiotherapie, Ergotherapie, Logotherapie oder Fußpflege, kein Friseur, kein Pfarrer, Iman oder Rabbi, kein gemeinsames Singen oder Malen, kein Freundeskreis, kein kleiner Spaziergang, kein körperlicher Kontakt mit Angehörigen – muss nun Stück für Stück die Rückkehr zur Normalität erfolgen unter Berücksichtigung bestimmter Voraussetzungen“, sagt er.

Gemeinsam mit der Politik, den Fachbehörden, den Heimleitern, der Heimaufsicht, der kbo-Lech-Mangfall-Klinik, dem Gesundheits­amt, den Bewohnern und Angehörigen sei zwingend eine verträgliche Lösung für den Landkreis Miesbach zu suchen. „Spazierengehen außerhalb des Pflegeheimes muss auch im Landkreis Miesbach wie bereits in einigen anderen Pflegeheimen in Bayern möglich sein“, sagt Anton Grafwallner, der selbst im Rollstuhl sitzt. Das Risiko, sich mit dem Coronavirus an der frischen Luft zu infizieren, ist gering, wenn allgemeine Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden, teilt die Servicestelle Corona der bayerischen Staatsregierung mit.

Dieses Konzept schlägt Anton Grafwallner vor:

  • Wöchentliche Tests von Personal und Bewohnern auf das Coronavirus.
  • Berührungslose Messung der Temperatur beim Betreten eines Heimes.
  • Nachdem alle Bewohner mittlerweile seit fast einem Vierteljahr isoliert seien, könne man davon ausgehen, dass sie nicht infektiös sind. Deshalb sollten sie beim Verlassen der Einrichtung eine FFP2-Maske tragen, damit sie sich nicht anstecken oder Viren ins Heim bringen.
  • Kein Besuch in Restaurants beziehungsweise geschlossenen Räumen.
  • Um das Eintragen des Virus in ein Seniorenheim zu vermeiden, sollen Besuche dort nur von ein bis zwei Personen erlaubt und auf ein Minimum beschränkt werden.
  • Rollstuhlfahrer, die Schieber benötigen, brauchen beide einen Mund-Nasen-Schutz.
  • Für Begleiter und Besucher gelten die üblichen Abstands-und Desinfektionsregeln.
  • Gute Zusammenarbeit mit den Helferkreisen.
  • Sich streng an den Vorgaben und Verfügungen der zuständigen Behörden und Gesundheitsexperten orientieren und danach richten.

„Heimbewohner, insbesondere Menschen, die an Demenz erkrankt sind, brauchen dringend die Zuwendung ihrer Angehörigen, damit sie nicht vereinsamen und noch depressiver werden“, erklärt Anton Grafwallner. „Besuche hinter Plexiglas sind dafür nicht geeignet.“ Die soziale Isolation der Heimbewohner müsse endlich gelockert werden. Risikopatienten und deren Angehörige würden sehr wohl die Gefahren des Coronavirus kennen und dieses sehr ernst nehmen. „Wir hoffen, dass die Politiker und Fachbehörden endlich intelligente Konzepte vorlegen, damit man zu einer neuen Normalität zurückkehren kann“, sagt er. ksl

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