ALB in Miesbach

Baumreferent Michael Lechner: „Brutales, ernüchterndes Bild“

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Baumreferent Michael Lechner zeigt die betroffenen Linden am Waitzinger Keller in Miesbach, die hoffentlich erhalten bleiben.

Miesbach – Die Stadt Miesbach wird sich verändern – so viel steht fest. In den kommenden Monaten sollen per Verfügung um die 5.000 Bäume in der Innenstadt gefällt werden, um den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) zu bekämpfen. Wir haben mit Baumreferent Michael Lechner gesprochen:

Herr Lechner, was bedeutet die erlassene Verfügung für die Stadt Miesbach?

Mit dem Erlass ist ein Verfahren in Gang gesetzt worden, womit wir die Fällungen ausschreiben können. Etwa 5000 Bäume müssen gefällt werden. Wenn sie weg sind, wird das ein brutales, ernüchterndes Bild ergeben. Für mich als Baumreferent ist es traurig, wie sich die Stadt dann präsentieren wird. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich wieder ein prägender Baumbestand entwickeln kann.

Bis wann werden die Bäume gefällt sein?

Ich gehe davon aus, dass es das klare Ziel ist, die Fällungen bis Ende März durchzuführen.

Zumindest für den Waitzinger Park soll es eine Ausnahmeregelung geben, um einen Teil der Bäume zu erhalten.

Ja, vonseiten der Stadt haben wir gute Argumente geliefert, warum die Bäume aus ökologischer, aber auch gesellschaftlicher Sicht einen Schutzstatus verdienen. Es geht vor allem um die neun Linden am Waitzinger Keller, die den Biergarten einrahmen. Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass wir dort nur die sogenannten Big Five – also Ahorn, Birke, Kastanie, Pappel und Weide – fällen müssen. Noch gibt es da aber keine Entscheidung.

Ist auch der Fritz-Freund-Park von den Fällungen betroffen?

Nein, der Kernbereich des Parks ist nicht betroffen. Aber der Grüngürtel am Harzberg. Dort müssen die 16 betroffenen Baumarten gefällt werden.

Könnten die Käfer nicht auch mit Pheromonfallen bekämpft werden, damit die Bäume bleiben können?

Die Pheromonfallen können das Problem nicht lösen, sondern geben nur einen Hinweis darauf, wie groß die Population ist. Es ist aber nicht möglich, alle vorhandenen Käfer in die Fallen zu locken. Fällen ist die einzige sichere Variante. Ich kann daher nur an die Grundstückseigentümer appellieren, daran teilzunehmen. Zwingen können wir sie aber nicht.

Was werden die Maßnahmen kosten, um den Käfer wieder loszuwerden?

Da kommen schnell 300 bis 400 Euro zusammen, um einen befallenen Baum zu fällen. Die Summe bewegt sich auf jeden Fall im sechsstelligen Bereich. Die Bäume müssen auf Befall kontrolliert, gehäckselt und noch am selben Tag verbrannt werden. Das ist eine sehr aufwendige Logistik.

Müssen Privateigentümer alleine für die Kosten aufkommen?

  • Die Informationsveranstaltung zum weiteren Vorgehen in Miesbach findet am Mittwoch, 27. November, um 19 Uhr, im Saal des Waitzinger Kellers statt.
  • Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) informiert online zum ALB in Miesbach.

Für die Fällungen nicht; die werden von der Stadt beauftragt, die in Vorkasse geht und dann nach derzeitigem Stand das Geld vom Freistaat zurückerhalten wird. Für die Nachpflanzungen werden die Eigentümer dann wohl selbst verantwortlich sein. Aber vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass sich Privateigentümer an Sammelbestellungen der Stadt anschließen können, um günstigere Konditionen zu erhalten. Das werden wir sehen, wenn es so weit ist. Vielleicht ist auch eine Aktion mit Baumpaten oder etwas ähnliches möglich.

Ab wann können denn neue Bäume nachgepflanzt werden, damit die Stadt wieder grüner wird?

Das kommt drauf an. Baumarten, die nicht ALB-verdächtig sind, zum Beispiel alle Nadelbäume, können jederzeit nachgepflanzt werden. Auch Eichen sind in der Regel nicht betroffen, was uns in der Riviera hilft, wo es einige Eichen gibt, die wir wahrscheinlich erhalten können. Um die 16 besonders betroffenen Arten nachzupflanzen, muss vier Jahre gewartet werden, bis sicher ist, dass der Käfer erfolgreich bekämpft wurde. Dazu gibt es eine Broschüre, die wir auch beim Infoabend ausgeben werden.

ksl

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