Vor Gericht in München

ALB in Miesbach: Landkreis klagt gegen drohenden Kahlschlag

So sieht er aus – ein ausgewachsener Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB). Der beschäftigt die Stadt Miesbach seit August 2019.
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So sieht er aus – ein ausgewachsener Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB). Der beschäftigt die Stadt Miesbach seit August 2019.

Miesbach – Das Landratsamt Miesbach geht nun auf eigenen Weise gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) vor – und fechtet die Allgemeinverfügung vor Gericht an.

Schlechte Nachricht Anfang August 2019: An einem Ahornbaum wurde ein Asiatischer Laubholzbockkäfer entdeckt. Seitdem ist nichts mehr so wie es war in Miesbach. Nachdem die Stelle längere Zeit beobachtet wurde, erließen die Landesanstalten für Landwirtschaft (LfL) sowie Wald und Forstwirtschaft (LWF) Allgemeinverfügungen: Innerhalb eines 100-Meter-Radius um die befallenen Bäume sollen Gehölze von 17 Gattungen abgeholzt werden.

„Das ist unverhältnismäßig“, meint der fachliche Naturschutz. „Eine Fällung der sogenannten Big Five Ahorn, Kastanie, Birke, Pappel und Weide reicht aus.“ Grundsätzlich habe auch der Landkreis Miesbach keine Zweifel an der Vorgehensweise, um den gefährlichen Schädling zu bekämpfen, betont Sprecher Birger Nemitz. Nach Kenntnis des fachlichen Naturschutzes gebe es aber nur ausreichende Beweise, welche die Fällung und damit Vernichtung des Holzes der fünf genannten Baumgattungen rechtfertigen.

„Der Kreis hat daher Anfechtungsklage erhoben gegen die Allgemeinverfügungen der LfL“, erklärt er. Die Aufnahme einiger Pflanzengattungen in die Liste der spezifizierten Pflanzen sei fehlerhaft und nicht ausreichend fachlich fundiert. Der Landkreis Miesbach ist betroffen, da er Eigentümer mehrerer Flächen in der Quarantänezone mit zwei Kilometer Durchmesser ist.

Die Untere Naturschutzbehörde hat bereits Ausnahmeanträge gestellt, unter anderem für eine riesige Buche im Innenhof des Landratsamtes, die ein Naturdenkmal ist. In Miesbach sollen insgesamt rund 5.000 Gehölze in einem 100-Meter-Radius der Befallszonen gefällt werden. Zudem sind umfangreiche und aufwendige Monitoringmaßnahmen geplant. Dagegen gibt es Widerstand.

„Die vorbeugenden Fällungen bestimmter Gattungen über die Big Five hinaus ist zu einer effektiven Ausrottung des ALB nicht erforderlich“, sagt Martina Lewald-Brudi, Sachverständige für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Gehölzen. Gleichzeitig entstünden unverhältnismäßig hohe wirtschaftliche Schäden durch die Kosten für Fällungen, Entsorgung und Nachkontrolle. Der ökologische Schaden sei groß durch den Verlust von Lebensräumen und Arten, die Auswirkung auf das Ortsbild einschneidend. „Es ist für uns nicht ausreichend wissenschaftlich erwiesen, dass der gefährliche Schädling den ganzen Entwicklungszyklus auf diesen Baumarten durchlaufen kann.“

Die zuständige Abteilungsleiterin Umwelt, Regierungsrätin Christina Eder, ist zuversichtlich, dass die Klage vor dem Verwaltungsgericht in München Erfolg haben wird. „Unsere Anfechtungsklage ist begründet, da die Allgemeinverfügung teilweise rechtswidrig ist“, meint die Juristin. „Der Landkreis Miesbach wird in seinen Eigentumsrechten verletzt und es entstehen erhebliche Kosten, die fachlich nicht zu begründen sind.“ ksl

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