Applaus für Kritiker

Was die ALB-Fällungen in Miesbach für Betroffene bedeuten

Die kontrollierten Bäume im Miesbacher Stadtgebiet haben alle eine Nummer erhalten.
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Die kontrollierten Bäume im Miesbacher Stadtgebiet haben alle eine Nummer erhalten.

Miesbach – Rund 200 Interessierte haben jüngst den Saal im Waitzinger Keller gefüllt. Thema war der ALB in Miesbach. Der sorgt nun auch für eine Beschwerde bei der EU.

Es gibt viele offene Fragen – und so manche davon kann heute noch nicht klar beantwortet werden. Es gibt kein Richtig oder Falsch, um gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in Miesbach vorzugehen. Es gibt aber ein Vorgehen, das sich bereits als erfolgreich erwiesen hat – und dafür haben die Experten von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bei einer Informationsveranstaltung vergangenen Mittwoch im Waitzinger Keller geworben.

Doch dieses Vorgehen sorgt auch für Kritik, denn demzufolge sollen rund 5.000 Bäume im Stadtgebiet gefällt werden. So hat sich eine rege Diskussion mit den etwa 200 interessierten Bürgern entwickelt, nachdem die vier eingeladenen Experten etwa anderthalb Stunden lang alles Wissenswerte über den Käfer und das geplante Vorgehen in Miesbach vorgetragen haben.

Das sorgt vor allem für Unmut. Als überzogen empfinden einige das Fällen der etwa 5.000 Gehölze, da sich Miesbach durch diese Aktion sehr verändern wird. Vor allem der frühere Stadtrat Karl Brutscher sprach sich gegen diese Maßnahme aus und erhielt dafür viel Applaus vom Publikum. Er wolle sogar soweit gehen, eine Petition zu starten und sich bei der EU-Kommission über das Vorgehen in Miesbach zu beschweren, kündigte er an. Er ist zudem der Meinung, dass eine Ausnahmeregelung mit engmaschigem Monitoring für alle Bäume im Stadtgebiet möglich sei, statt diese zu fällen und so unwiederbringlich auf Jahrzehnte zu verlieren.

So einfach ist es aber nicht, wie Frank Nüßer von der LfL erklärte, denn die angesprochene Ausnahmeregelung gelte nur für Gewächse, die einen besonderen gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Wert haben. Dies treffe jedoch nur für den Bestand im Waitzinger Park zu, wo derzeit noch entschieden wird, ob die Bäume auch weichen müssen oder bleiben dürfen. „Fällen ist das einzig probate Mittel, um den Käfer loszuwerden“, sagt Frank Nüßer. Das hätten andere Befallsgebiete in Neukirchen und Neubiberg gezeigt, wo auch zunächst sanftere Maßnahmen angewandt worden sind – mit wenig Erfolg.

Fragen zum ALB beantwortet die LfL auf folgenden Wegen:

  • online im Internet,
  • an fünf Tagen pro Woche über die Hotline 08161/715730 (Montag bis Mittwoch und Freitag, 9 bis 12 Uhr, sowie Donnerstag, 13 bis 16 Uhr),
  • über die E-Mail-Adresse ALB@LfL.bayern.de.

Neben den Fällungen generell hat auch das geplante Vorgehen bei manchem Grundstückseigentümer für Unverständnis gesorgt. Mehrere Anwohner der Carl-Fohr-Straße sprachen ein Problem an, das sie vor allem betrifft, da ihre Grundstücke von einer dichten Hainbuchenhecke umgeben sind – als Sichtschutz und gegen den Straßenlärm. Ist das überhaupt zumutbar für Anwohner, wenn sie nach dem Fällen alleine gelassen werden? Denn, wer das Recht am eigenen Baum an die Stadt abgibt, bekommt zwar die Fällung bezahlt, aber nicht das Entfernen des Wurzelstocks. „Da der Käfer den Wurzelstock nicht befällt, gibt es dafür keine Förderung“, erklärt Frank Nüßer. Also müssen sich die Eigentümer selbst kümmern, ebenso wie um die Nachpflanzungen und eventuelle Auswüchse des Wurzelstocks, die regelmäßig auf erneuten Befall kontrolliert werden müssen. Ein Budget in Höhe von 100.000 Euro sei bereits bewilligt, um die Fällungen zu finanzieren, heißt es. Genügen wird diese Summe nicht, um alle Kosten abzudecken. Daher wird nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten gesucht.

Große Sorgen machen sich auch die Anwohner am Zwergerweg unterhalb des Fritz-Freund-Parks. Dort im Wald am Hang des Harzbergs muss ebenfalls ein Teil der Bäume gefällt werden. Zum einen halten diese den Hang, zum anderen schützen diese auch die Bäume weiter hinten. „Wir haben nach jetzigem Stand keine Sorge, dass der Hang in Bewegung kommt“, erklärt Christian Webert vom AELF in Holzkirchen. Starkregen könnte jedoch Probleme bereiten. Und wie die hinteren Bäume reagieren, wenn sie plötzlich schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert sind, ist auch noch abzuwarten. Diese Thematik wird jedoch von den Experten beobachtet.

Und auch nicht jeder Baum, der eine Nummer trägt, wird gefällt, konnte der Experte zudem beruhigen. Die Nummern sind dafür da, dass die Gutachter den Überblick behalten, welche Bäume sie bereits kontrolliert haben und welche noch nicht. Eine weitere gute Nachricht gab es noch: Wer Brennholz im Garten lagert, ist nicht betroffen. „Der ALB geht nur in gesundes, vitales Holz“, sagte Diplom-Forstingenieur Andreas Kirchmeier von der LfL. ksl

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