Asiatischer Laubholzbockkäfer in Miesbach

Warum Miesbach sich beim Vorgehen gegen den ALB nochmal umentscheidet

Die Stadt Miesbach möchte viele Bäume retten und beantragt nun, wie für den Waitzinger Park, auch für den Hallenwald und die Riviera 
+
Die Stadt Miesbach möchte viele Bäume retten und beantragt nun, wie für den Waitzinger Park, auch für den Hallenwald und die Riviera Ausnahmegenehmigungen.

Miesbach – Was lässt sich in puncto ALB retten? Die Stadt will es wissen und beantragt nun doch Ausnahmegenehmigungen für Riviera und Hallenwald.

Lasst es uns da versuchen, wo es eine realistische Chance gibt – so lautete bisher die Mehrheitsmeinung im Miesbacher Stadtrat. Und nun? Jetzt probiert die Stadt doch, neben dem Waitzinger Park auch Ausnahmegenehmigungen für die Riviera und den betroffenen Hallenwald zu erwirken. Mit gesellschaftlicher, kultureller und ökologisch besonderer Bedeutung lässt sich dies begründen. Die Voraussetzungen sah der Stadtrat bisher nur beim Waitzinger Park erfüllt. Ob überhaupt eine Ausnahmegenehmigung im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) erteilt wird und somit Bäume von der Fällung verschont bleiben, ist offen.

Die Miesbacher sorgen sich um die zahlreichen Bäume, denen ein Ende durch die Motorsäge droht. Das zeigen diverse Anträge, die im Rathaus eingingen, wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz berichtete. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagte sie im Stadtrat. Und ergänzte: Man dürfe „nicht außer Acht lassen, dass wir die Schädlingsbekämpfung durchführen müssen“. Wird ein neuer ALB gefunden, werden neue 100-Meter-Radien gezogen und die vierjährige Quarantäne beginnt von vorne.

Pongratz begrüßt die Klage des Landkreises, die Stadt könne so etwas aber nicht leisten. Dazu fehle die fachliche Kompetenz, die der Kreis mit der Unteren Naturschutzbehörde und Mitarbeiterin Martina Lewald-Brudi vorweisen könne. Sie greift die Zusammenstellung der Liste der zu fällenden Bäume an und versucht so, etwa Linden und Rotbuchen zu retten.

Letztere stehen zahlreich am Harzberg. Dort ist der untere Bereich des Hallenwalds betroffen, 33 Bäume auf städtischem Grund müssten weg, wie Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen, erklärte. Allerdings, gab er auch zu bedenken, müsse dann die veränderte Situation bedacht werden. So stünden plötzlich Bäume frei und gegen den Wind, die vorher geschützt waren. Das könne durchaus für den einen oder anderen zum Problem werden. Aus Sicherheitsgründen müssten auch so schon ein paar Bäume mehr gefällt werden. Eine Instabilität des Hangs befürchtet er nicht, weil massives Wurzelwerk im Boden verbleibe und nur langsam verrotte. „Wir könnten schnell nachpflanzen“, sagte Webert. Tanne, Eibe und Eiche seien geeignet.

Die Verkehrssicherheit wollte der Stadtrat in jedem Fall gewährleistet haben. Deshalb beschloss das Gremium einstimmig – wie von Markus Seemüller (FWG) gefordert – Bäume, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, vom Ausnahmeantrag auszunehmen. Ebenfalls einstimmig legte der Stadtrat fest, dass angeholzte Flächen wieder bepflanzt werden. „Wald soll Wald bleiben“, hatte Franz Mayer (CSU) gesagt.

Dass da Teile von einer Fällung verschont bleiben, würde auch Michael Lechner (FWG) begrüßen. Doch der Baumreferent ist skeptisch. Als Paul Fertl (SPD) schon vor Monaten umfassende Ausnahmeanträge gefordert hatte, wollte sich Lechner nur auf den Waitzinger Park konzentrieren. Diesmal trug er die Entscheidung für die Riviera und den Hallenwald zwar mit, doch die Chancen schätzt er noch immer gering ein. „Ich bin Realist“, sagte Lechner. Die Entscheidung, welche Bäume in der Liste der zu fällenden Gehölze geführt werden, müsse die EU treffen. „Aber schauen wir, dass wir noch was retten können“, sagte Lechner.

Noch pessimistischer ist Manfred Burger (Grüne), der auf den geringen Spielraum verwies. „Das Entscheidende ist eine Reduktion der Baumarten“, sagte er mit Blick auf die Liste der spezifizierten Pflanzen. EU und Julius-Kühn-Institut seien dafür verantwortlich. Dass Burger gegen die Ausnahmeanträge für Riviera und Hallenwald argumentierte, sorgte letztendlich für Tumult im Sitzungssaal. Marinus Bracher von der IG Fritz-Freund-Park, dem das Gremium zugestanden hatte, die Sicht von Harzberg-Anwohnern darzulegen, wetterte aus dem Zuhörerraum. Dass ihn Bürgermeisterin Pongratz zur Ruhe rief, ignorierte er, packte seine Jacke, schimpfte weiter und verließ den Saal.

Dabei war es am Ende nur Burger, der dagegen stimmte, die Ausnahmeanträge zu stellen. Ebenfalls gegen seine Stimme hat der Stadtrat den Antrag von Claus Fahrer (FDP) befürwortet, auf Kosten der Stadt eine genetische Untersuchung der Larven durchführen zu lassen, aufgrund derer der Harzberg im Fällradius liegt. ft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unfall auf der B318 bei Marschall und herrenlose Schildkröte in Föching
Unfall auf der B318 bei Marschall und herrenlose Schildkröte in Föching
Hühnerhof Schliersee soll um 14 Ferienwohnungen erweitert werden
Hühnerhof Schliersee soll um 14 Ferienwohnungen erweitert werden
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zahl der Neuinfektionen steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zahl der Neuinfektionen steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Testzentrum zieht um
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Testzentrum zieht um

Kommentare