Ausstellung im Waitzinger Keller

Von Miesbach nach München: Enkelin des Strompioniers Oscar von Miller zu Gast

+
Eröffnen die Ausstellung: (v.l.) Marie von Miller, Sabine Köhl, Ingrid Pongratz und Sibylle Kobus vor der Schlafhaube Oscar von Millers.

Miesbach - Der ersten Stromübertragung über Land zwischen Miesbach und München widmet sich eine tiefgründige Ausstellung im Waitzinger Keller. Zur Eröffnung kam sogar die Enkelin Oscar von Millers.

Im oberen Foyer des Waitzinger Kellers in Miesbach ist noch bis Samstag, 16. November, eine höchst bemerkenswerte und unterhaltsame Ausstellung zu sehen. Das Thema: Die erste Stromübertragung der Welt.

Im Oktober 1882 gelang das bis dahin für unmöglich Gehaltene: Oscar von Miller und Marcel Déprez ließen Strom fließen – von Miesbach nach München. Dieses spektakuläre Ereignis der Miesbacher Stadtgeschichte haben Sibylle Kobus und Sabine Köhl exzellent in Szene umgesetzt.

„Eine höchst lebendige Ausstellung“, lobte Ingrid Pongratz in der Begrüßungsrede. Die Bürgermeisterin der Stadt – selbst äußerst technikaffin – war sichtlich angetan. Schon beim Betreten des Ausstellungsraums erkennt man die geniale Grundkonzeption: Wie eine große, verzweigte Stromleitung verbinden rote Fäden die einzelnen Stationen, die die aufregende Geschichte rund um die erste Stromübertragung erzählen.

Denn was heute so einfach klingt, war ein Wagnis, an dem Oscar von Miller, den Pongratz sehr bildhaft als Zeitzünder bezeichnete, zunächst zu scheitern drohte. Wie eng das Gelingen der ersten Stromübertragung tatsächlich mit der Person Oscar von Millers verbunden war – das konnten die Gäste der Vernissage sozusagen hautnah miterleben.

Überraschend konnte Marie von Miller, eine Enkelin des Strompioniers, an der Ausstellungseröffnung teilnehmen. Sie erzählte mitreißend, wie schwierig es für den damals erst 26-jährigen Oscar von Miller (1855 bis 1934) war, die gefeierte „Elektricitätsausstellung“ im Münchner Glaspalast überhaupt zu realisieren. Zwar hatte der spätere Gründer des Deutschen Museums die volle Unterstützung seines Vaters Ferdinand von Miller (1813 bis 1887) und dessen Freundes Carl Fohr, Bergwerksdirektor in Miesbach, doch im Grunde war sein Vorhaben eine Nummer zu groß für den jungen Mann.

Das gesamte Unternehmen drohte am geringen Interesse für die Neuerung Strom zu scheitern, denn Strom konnte bis dato nur dort verwendet werden, wo er erzeugt wurde. Die Idee, Strom über eine größere Strecke zu verschicken, schien selbst Professor Marcel Déprez, dem Mann, der sich das Unterfangen ausgedacht hatte, riskant.

Wie es Oscar von Miller in waghalsigen Aktionen gelang, nicht nur eine Konkurrenzveranstaltung in Wien auszustechen und dank eines Geld­regens von Baron Rothschild sein Vorhaben doch noch zu realisieren, erzählt die Ausstellung in vielen großen und kleinen Installationen. Von Miller erlebte den Moment, an dem sich der Wasserfall in München dank des Miesbacher Stroms tatsächlich in Bewegung setzte, als äußerst emotional und schildert, wie ihm Marcel Déprez (1843 bis 1918) vor Erleichterung um den Hals fiel.

Das alles ist leicht verständlich, oft witzig und dank der tollen Gesamtkonzeption der beiden Bildhauerinnen Sibylle Kobus und Sabine Köhl kinderleicht zu verstehen. Interessantes wie die Rolle der hölzernen Telegrafenmasten der Bahnstrecke München-Miesbach, Skurriles wie etwa die Original-Schlafmütze von Oscar von Miller und viel Überraschendes machen diese Ausstellung zu einem virtuellen Erlebnis, das lange nachklingt. vwo

Auch interessant

Meistgelesen

Warum die Tierschutzorganisation Peta Anzeige gegen den Circus Alfons William erstattet
Warum die Tierschutzorganisation Peta Anzeige gegen den Circus Alfons William erstattet
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer
Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer

Kommentare